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Auf dem Mietsektor sind Minihäuser rar und die Fluktuation unter den Mietern nicht allzu groß: Wer einmal so ein Kleinod ergattert hat, mag nicht ohne Weiteres wieder umziehen. Gerade ältere Kleinhäuser – größtenteils handelt es sich um Siedlungshäuschen – werden oftmals sehr günstig vermietet unter der Voraussetzung, dass die Mieter Renovierungsarbeiten selbst erledigen. Das hat den Vorteil, dass man als Mieter viel Gestaltiungsfreiraum hat und das Projekt aufgrund der Hausgröße überschaubar ist. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob man die monetäre, physische und psychische Energie nicht doch besser in Eigentum steckt. Denn was, wenn der Vermieter nach einiger Zeit Eigenbedarf anmeldet? Wenn der Erwerb oder Bau einer Immobilie auch nur ansatzweise realistisch erscheint, folgt auch gleich die nächste Frage: Wohnung oder Haus?

Argumente für und wider Wohnung oder Haus gibt es einige – natürlich auch solche, die sich erst erschließen, wenn man tiefer in die Materie eintaucht. Letztlich ist die Entscheidung für oder wider ein Haus jedoch emotionaler Natur – das Bauchgefühl bezüglich Objekt und Lage sollte stimmen – und sie ist eine Frage des Budgets.

Wieviel Wohnraum kann ich mir leisten?

Den Ergebnissen unserer Minihaus-Umfrage 2013 zufolge – eine aktuelle Umfrage wird in Kürze starten – träumt die Mehrheit der Befragten von einem Domizil mit 60-80 qm Wohnfläche. Da sich in den letzten Jahren einiges im Kleinhaus-Sektor getan hat – besonders im Bereich der Modulhäuser – ist die Wohnfläche kein Argument mehr gegen das Haus. Auch in Hinsicht auf den Kaufpreis muss es je nach Lage des Objektes bzw. Baugrundes keinen Unterschied geben. Der Unterschied zwischen Haus- und Wohnungskauf besteht vielmehr in der Tatsache, dass man als angehender Wohnungsbesitzer Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft ist und somit eine „Pflichtgemeinschaft“ eingeht. Alle Entscheidungen rund ums Haus müssen gemeinschaftlich getroffen werden, daher sollte die Chemie (und die grundsätzliche Vorstellung von einer Hausgemeinschaft) stimmen. Im Gegensatz zum Hausbesitzer, der auf sich alleine gestellt ist und für Instandhaltungsrücklagen und Reparaturen alleine aufkommen muss, teilt sich die Wohnungseigentümergemeinschaft jedoch auch diese Ausgaben.

Egal, ob Wohnung oder Haus, kalkulieren Sie nicht zu knapp! Rechnen Sie finanzielle Knautschzonen ein! Das kann sich in vielen möglichen Situationen als Glück erweisen: Wenn größere Reparaturen anstehen, wenn Sie sich beruflich verändern wollen und den jetzt noch so sicheren Arbeitsplatz aufgeben möchten (oder müssen) oder wenn die Konditionen der Anschlussfinanzierung nicht mehr so gut sind wie der anfängliche Baukredit … Auch wenn Finanzberater, Kredit-Vergleichsportale wie kredite.org und die Presse, im Rahmen ihrer Berichterstattung und Beratung zur Baufinanzierung betonen, wie günstig die Zeit für die Anschaffung einer Immobilie ist, und dass eine eigene Immobilie eine Absicherung für Krisenzeiten bedeutet: Ein Immobilienkauf bietet sich nur an, wenn Sie schonungslos kalkulieren und zu dem Schluss kommen, ihn sich problemlos leisten zu können. Übrigens: Für den Kauf von transportablen Minihäusern gibt es in der Regel keine Bankkredite, da Banken nur ein stationäres Haus als Sicherheit für den Kredit anerkennen.
Sieht es mangels genügend Eigenkapital eng aus mit dem Budget, könnte es sich lohnen zu erwägen, die angepeilte Wohnflächengröße stark zu reduzieren. Da die Grundkosten bereits mit den ersten Quadratmetern Wohnfläche entstehen, kostet ein kleineres Haus im Verhältnis zwar mehr, die Reduktion kann aber dennoch entscheidend für die Leistbarkeit des Wohneigentums sein – sowohl was den Kauf selbst, als auch den späteren Unterhalt betrifft. Und: Oftmals steigt sogar mit sinkender Wohnfläche die Lebensqualität.
 
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Wieviel Wohnraum brauche ich wirklich?

Ist es nicht bemerkenswert, dass unsere Habseligkeiten soviel mehr Platz beanspruchen, als wir selber? Stellen wir uns mal eine gemütliche Ferienhütte oder ein echtes Tiny House in schöner landschaftlicher Lage vor: Bei moderaten Temperaturen spielt sich ein Teil unserer Tätigkeiten draußen ab, bei Schmuddel- und kaltem Wetter igeln wir uns ein – ohne uns beengt zu fühlen. „Im Urlaub geht das“, werden Sie sagen, „aber wohin mit meinen ganzen Sachen?“ Genau das ist der Punkt. Wir könnten uns auch mit weniger als der knapp 50 qm Wohnfläche wohlfühlen, die statistisch gesehen jeder Deutsche nutzt. Dazu braucht es jedoch eine Reduzierung der vielen Dinge, die wie ein Klotz an unserem Bein hängen, und ansprechende Architektur mit intelligent geplanten Grundrissen und Einbauten.


„So lautet das Gebot: Vergrößert die Fenster, verkleinert die Räume.“

Walter Gropius, Architekt (1883-1969)


Unter dem Titel „Die Wohnung für das Existenzminimum“ veranstaltete der Congrès International d’Architecture Moderne 1929 zu Beginn der Weltwirtschaftkrise eine Tagung. Vorgestellt wurden Entwürfe und Prototypen für Kleinwohnungen. Die grundsätzliche Fragestellung lautete dabei: „Was braucht der Mensch?“. Heute – in Zeiten zunehmender Wohnungsnot – ist das Thema wieder topaktuell:
Walter Gropius, der deutsche Architekt und Bauhaus-Gründer, hielt in seiner Rolle als Kongressteilnehmer ein Plädoyer für die Minimalwohnung. „Er argumentierte, dass es in Anbetracht des stattfindenden sozialen Wandels dringend erforderlich sei, mehr als bisher abgeschlossene Wohneinheiten zu bauen, sowie den Wohnraum zu verkleinern. Die Kleinstwohnung dürfe nicht als eine Behelfsform betrachtet werden, sondern könne als „ein sachlich begründetes Minimum“ an Wohnraum durchaus die menschlichen Bedürfnisse adäquat befriedigen. (Zitat aus Ursula Paravicini, „Architektur- und Planungstheorie: Konzepte des städtischen Wohnens“, S.93)

Bildquellen: Sigrid Harig / pixelio.de (Bild 1), Günther Schad / pixelio.de (Bild 2)

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