Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundstückssuche ist oft die größte Hürde auf dem Weg zum eigenen Minihaus.
- In Deutschland gibt es bereits etablierte Tiny-House-Siedlungen wie das Village in Mehlmeisel.
- Zahlreiche neue Minihaus-Projekte und Communities sind aktuell in der Planung oder im Aufbau.
- Regionale Netzwerke und Vereine unterstützen Interessierte und fördern die Akzeptanz von Minihäusern.
- Prüfe vor der Kontaktaufnahme die rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen eines Stellplatzes.
Einleitung
Träumst du noch oder suchst du schon? Wer sich daran macht, den Traum vom eigenen Häuschen wahr werden zu lassen, wird möglicherweise als Erstes feststellen, dass er einen wichtigen Punkt bisher unterschätzt hat: die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Gerade wenn man klein und kostensparend bauen möchte, gestaltet sich die Suche nach dem passenden Baugrund oder Standplatz nämlich gar nicht so einfach.
Zum einen benötigen Minihäuser wenig Platz, Baugrundstücke sind naturgemäß aber meist für größere Häuser bemessen. Selbst bei kleinen Grundstücken in Neubaugebieten sieht der Bebauungsplan häufig eine Bebauung mit klassischen Einfamilienhäusern oder Doppelhaushälften vor. Zum anderen sollen die Kosten für den Baugrund oder Standplatz natürlich in einem sinnvollen Verhältnis zu den Herstellungskosten des Hauses und zum eigenen Budget stehen.
Aus den vorgenannten Gründen kann es sinnvoll sein, Interessengemeinschaften zu gründen, gemeinsam Bedarf an kleinen, mit Einzelobjekten bebaubaren Grundstücken anzumelden oder zusammen ein Grundstück für diesen Zweck zu erwerben. In den vergangenen Jahren sind in Deutschland verschiedene Tiny-House-Siedlungen, Minihaus-Projekte, Wohninitiativen und Modellquartiere entstanden. Manche sind bereits bewohnt, andere befinden sich noch in Planung oder im Aufbau.
Da Kartenübersichten im Internet schnell veralten oder ganz verschwinden können, findest du nachfolgend eine textliche Übersicht über bekannte Tiny-House-Communities, Minihaus-Siedlungen und Initiativen in Deutschland. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vor einer Bewerbung oder Kontaktaufnahme solltest du immer direkt beim jeweiligen Projekt prüfen, ob aktuell Plätze frei sind, ob ein Erstwohnsitz möglich ist und welche baurechtlichen Voraussetzungen gelten.
Bereits bestehende Tiny-House-Siedlungen und Wohnprojekte
Das Village in Mehlmeisel, Bayern
Das Tiny-House-Village in Mehlmeisel im Fichtelgebirge gilt als eines der bekanntesten Tiny-House-Dörfer Deutschlands. Auf dem Gelände eines ehemaligen Campingplatzes leben Menschen dauerhaft in eigenen Tiny Houses. Neben den privaten Parzellen gibt es Gemeinschaftsflächen, ein Gemeinschaftshaus, Werkstatt, Gartenflächen und Möglichkeiten zum Probewohnen.
Das Projekt eignet sich besonders für Menschen, die nicht nur einen Stellplatz suchen, sondern bewusst gemeinschaftlich wohnen möchten.
Tiny House Village Hüttstadl, Bayern
Das Tiny House Village Hüttstadl im Fichtelgebirge ist ein kleines Wohnprojekt mit wenigen Stellplätzen. Im Unterschied zu manchen Pachtmodellen basiert das Konzept auf Eigentum beziehungsweise gemeinschaftlicher Organisation. Es richtet sich an Menschen, die dauerhaft in einer sehr kleinen, überschaubaren Nachbarschaft wohnen möchten.
Tiny House Village Unterlind, Bayern
Unterlind ist ein weiteres kleines Tiny-House-Projekt im Fichtelgebirge. Es umfasst nur wenige Plätze und ist entsprechend familiär angelegt. Die Grundstücke sind erschlossen und für dauerhaftes Wohnen vorgesehen. Aufgrund der geringen Größe sind freie Plätze hier eher selten.
Sauerhof am See, Bayern
Beim Sauerhof am See handelt es sich um ein kleineres Tiny-House-Projekt, das auf langfristige Nutzung und gemeinschaftliches Wohnen ausgerichtet ist. Das Modell basiert auf Erbpacht und richtet sich an Menschen, die in naturnaher Umgebung leben möchten.
Tiny-House-Quartier Burgrieden, Baden-Württemberg
Das Tiny-House-Quartier in Burgrieden-Rot ist ein kommunal begleitetes Modellprojekt für kleine mobile Häuser. Es zeigt, wie Tiny Houses als dauerhafte Wohnform planungsrechtlich ermöglicht werden können. Das Projekt ist besonders interessant für Menschen, die sich für Tiny Houses mit Erstwohnsitz und kommunale Modellprojekte interessieren.
Experiment Tempelfeld auf Schloss Tempelhof, Baden-Württemberg
Auf Schloss Tempelhof gibt es mit dem Experiment Tempelfeld eine besondere Form gemeinschaftlichen Wohnens. Dort stehen mobile Einheiten wie Tiny Houses, Bauwägen und Jurten im Zusammenhang mit einem Earthship, das als gemeinschaftlicher Versorgungs- und Aufenthaltsbereich dient. Das Projekt ist Teil einer größeren Lebensgemeinschaft und daher weniger eine klassische Tiny-House-Siedlung als vielmehr ein alternatives Wohn- und Gemeinschaftsprojekt.
Tiny-House-Siedlung Karlsruhe / Albgau, Baden-Württemberg
In der Region Karlsruhe entstand eines der frühen Tiny-House-Siedlungsprojekte in Süddeutschland. Der Verein „Tiny Houses für Karlsruhe“ setzt sich für alternative Wohnformen und Modellprojekte ein. Das bestehende Stellplatzprojekt war zuletzt vollständig belegt, der Verein bleibt aber eine wichtige Anlaufstelle für Interessierte in der Region.
Lilleby in Hollenbek, Schleswig-Holstein
Lilleby liegt bei Hollenbek, nordöstlich von Hamburg. Das Projekt verbindet Tiny-House-Stellplätze mit Gemeinschaftsräumen, Arbeitsmöglichkeiten und einem größeren Grundstück. Neben dem Wohnen spielen hier gemeinschaftliches Arbeiten, Naturbezug und ein kreatives Umfeld eine wichtige Rolle.
Tinydorf Duxbachtal, Niedersachsen
Das Tinydorf Duxbachtal bei Bremervörde ist ein größeres Projekt auf einem ehemaligen Campingplatzgelände. Die Parzellen sind vergleichsweise großzügig, das Konzept richtet sich an Menschen, die reduziert, naturnah und gemeinschaftlich leben möchten. Interessierte sollten direkt beim Projekt klären, welche Wohnform rechtlich möglich ist und welche Plätze verfügbar sind.
Lake-Side Tiny-Houses am Itzstedter See, Schleswig-Holstein
Am Itzstedter See gibt es eine größere Tiny-House-Siedlung mit zahlreichen Stellplätzen. Die Parzellen sind erschlossen und ganzjährig nutzbar. Das Projekt richtet sich an Menschen mit eigenem Tiny House; Vermietung oder Probewohnen stehen dort nicht im Mittelpunkt. Nach aktuellem Stand ist die Anlage ausgebucht.
Seecamping Weißer Brunnen am Mözener See, Schleswig-Holstein
Der Campingplatz Weißer Brunnen am Mözener See bietet neben klassischen Campingangeboten auch Plätze für Tiny Houses beziehungsweise Mobilheime. Nach aktuellem Stand sind diese Plätze belegt; es gibt eine Warteliste. Interessierte sollten besonders genau prüfen, ob es sich um Dauerwohnen, Freizeitwohnen oder saisonale Nutzung handelt.
Tiny Wohn(t)raum Unterammergau, Bayern
In Unterammergau gibt es ein kleines Tiny-House-Wohnprojekt mit mehreren Häusern und Gemeinschaftsbereich. Das Projekt steht für ökologisches, naturnahes und gemeinschaftliches Wohnen im Tiny House.
Tinydorf Reeswinkel in Schalksmühle, Nordrhein-Westfalen
Das Tinydorf Reeswinkel ist ein besonderes Wohnprojekt für ältere Menschen. Die Tiny Houses befinden sich in direkter Nähe zu einem Seniorenpark. Dadurch verbindet das Projekt selbstständiges Wohnen im eigenen kleinen Haus mit der Möglichkeit, bei Bedarf Unterstützung und Infrastruktur in der Nähe zu haben.
Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg, Bayern
In Ursberg gibt es eine Kleinsthaus-Siedlung für Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung. Die kleinen Häuser ermöglichen eigenständiges Wohnen mit bedarfsgerechter Unterstützung. Das Projekt ist kein klassisches frei zugängliches Tiny-House-Dorf, zeigt aber, wie kleine Wohnformen auch im sozialen Bereich sinnvoll eingesetzt werden können.
Tiny-House-Siedlungen und Minihaus-Projekte in Planung oder im Aufbau
ZukunftWagen Neustrelitz, Mecklenburg-Vorpommern
ZukunftWagen plant eine Tiny-House-Gemeinschaft am Domjüchsee in Neustrelitz. Vorgesehen sind Parzellen für eigene Tiny Houses, gemeinschaftliche Flächen und ein nachhaltiges Wohnkonzept. Das Projekt setzt auf Mehrgenerationenwohnen, Sharing, gemeinschaftliche Infrastruktur und ein hohes Maß an Beteiligung.
Guter Grund für kleines Wohnen in Bielefeld, Nordrhein-Westfalen
In Bielefeld entsteht ein genossenschaftlich organisiertes Tiny-House-Dorf mit rund 26 kleinen Häusern. Die Häuser sollen zwischen etwa 20 und 40 Quadratmeter groß sein. Geplant sind außerdem Gemeinschaftshaus, Werkstatt, Technikflächen und weitere gemeinschaftliche Infrastruktur. Das Projekt richtet sich an Menschen, die dauerhaft mit Erstwohnsitz in einer selbstverwalteten Gemeinschaft wohnen möchten.
Tiny Wohnpark Heidelberg, Baden-Württemberg
Der Tiny Wohnpark Heidelberg ist ein städtisch unterstütztes Mietwohnprojekt. Geplant sind unterschiedliche Kleinraumwohnungen und Tiny-House-ähnliche Einheiten auf einem Grundstück am Harbigweg. Das Projekt ist besonders interessant, weil es kleine Wohnformen im städtischen Kontext erprobt und nicht ausschließlich auf private Eigentümerinnen und Eigentümer eigener Tiny Houses setzt.
TinyHuus / BobenOp in Handewitt-Hüllerup, Schleswig-Holstein
In Handewitt-Hüllerup bei Flensburg entsteht mit TinyHuus ein Tiny-House-Projekt für dauerhaftes Wohnen mit Erstwohnsitz. Das Projekt setzt auf ökologische und gemeinschaftliche Wohnformen. Geplant sind Pachtplätze, gemeinschaftliche Infrastruktur und klare Vorgaben zur Größe der Häuser.
TinyVillage Leipzig in Lüptitz, Sachsen
Das TinyVillage Leipzig plant in Lüptitz, im direkten Umland von Leipzig, eine Siedlung mit bis zu 15 Tiny Houses. Das Projekt ist auf dauerhaftes Wohnen mit Erstwohnsitz ausgelegt. Der Bebauungsplan schafft die Grundlage für Tiny Houses sowie gemeinschaftliche Einrichtungen und Erschließungsanlagen.
Tiny Village Dortmund-Sölde, Nordrhein-Westfalen
In Dortmund-Sölde plant die Stadt ein Tiny-Village beziehungsweise ein Quartier für kleine Häuser. Die Bebauung ist frühestens für die kommenden Jahre vorgesehen. Das Projekt richtet sich insbesondere an Baugruppen und Interessierte, die kleine, nachhaltige Wohnformen im urbanen Umfeld realisieren möchten.
Tiny-House-Siedlung Hattingen, Nordrhein-Westfalen
In Hattingen ist eine Tiny-House-Siedlung angekündigt, die nach aktuellem Stand als Mietmodell geplant ist. Da sich das Projekt noch im Aufbau befindet, sollten Interessierte die Projektseite regelmäßig prüfen und sich gegebenenfalls für Informationen oder eine Bewerberliste vormerken lassen.
Tiny Eco Village Mittelfranken, Bayern
Das Tiny Eco Village in Mittelfranken ist eine Initiative für nachhaltiges, gemeinschaftliches Wohnen mit Tiny Houses. Ein erstes Areal in Treuchtlingen-Auernheim ist bereits bewohnt beziehungsweise in Umsetzung. Der Verein arbeitet außerdem an genossenschaftlichen Strukturen und weiteren Grundstücken.
TinyBy, Schleswig-Holstein
TinyBy ist eine Initiative für gemeinschaftliches Tiny-House-Wohnen im ländlichen Schleswig-Holstein. Das Projekt befindet sich noch in einer frühen Phase und sucht Menschen, die sich aktiv am Aufbau beteiligen möchten.
Regionale Initiativen und Netzwerke
Neben konkreten Siedlungen gibt es zahlreiche Vereine, Netzwerke und Interessengemeinschaften, die Tiny-House-Projekte voranbringen, Kontakte vermitteln oder gegenüber Kommunen für kleine Wohnformen werben.
Dazu gehören unter anderem:
Tiny Houses für Karlsruhe e.V.
Tiny Houses Freiburg
Tiny House Aachen
Tinyways e.V. in Nordrhein-Westfalen
der Tiny House Verband mit seiner Übersicht und Flächenbörse
Solche Initiativen sind besonders hilfreich, wenn es in der eigenen Region noch keine fertige Siedlung gibt. Häufig entstehen neue Projekte erst dadurch, dass sich Interessierte zusammenschließen, gemeinsam mit Kommunen sprechen und konkrete Bedarfe sichtbar machen.
Was Interessierte vor der Kontaktaufnahme prüfen sollten
Wer sich für einen Platz in einer Tiny-House-Siedlung interessiert, sollte nicht nur fragen, ob gerade ein Stellplatz frei ist. Mindestens ebenso wichtig sind die rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen.
Wichtige Fragen sind:
Ist dauerhaftes Wohnen mit Erstwohnsitz erlaubt?
Gibt es einen Bebauungsplan oder eine andere baurechtliche Grundlage?
Handelt es sich um Pacht, Miete, Eigentum oder Erbpacht?
Welche Hausgrößen und Bauformen sind zulässig?
Sind Tiny Houses on Wheels erlaubt oder nur fest gegründete Modulhäuser?
Welche Anschlüsse gibt es für Wasser, Abwasser, Strom und Internet?
Gibt es Gemeinschaftsflächen oder verpflichtende Gemeinschaftsanteile?
Wie läuft der Bewerbungs- oder Kennenlernprozess ab?
Welche laufenden Kosten entstehen zusätzlich zu Pacht oder Miete?
Sind Haustiere, Gewerbe, Homeoffice oder Vermietung erlaubt?
Gerade bei Tiny Houses ist der Unterschied zwischen Campingnutzung, Freizeitwohnen und dauerhaftem Wohnen entscheidend. Ein schöner Stellplatz bedeutet noch nicht automatisch, dass dort auch ein Erstwohnsitz angemeldet werden darf.
Fazit
Tiny-House-Siedlungen und Minihaus-Communities sind in Deutschland längst mehr als ein Nischenthema. Es gibt bereits bewohnte Projekte, kommunale Modellquartiere, genossenschaftliche Ansätze, inklusive Wohnformen und zahlreiche regionale Initiativen. Trotzdem bleibt die Suche nach einem geeigneten Platz anspruchsvoll.
Wer ernsthaft in ein Tiny House ziehen möchte, sollte frühzeitig Kontakt zu bestehenden Projekten aufnehmen, regionale Initiativen unterstützen und die baurechtlichen Rahmenbedingungen genau prüfen. Besonders gute Chancen entstehen dort, wo Interessierte sich zusammenschließen und gemeinsam mit Kommunen, Grundstückseigentümern und Fachleuten tragfähige Konzepte entwickeln.