5 Dinge, die EFH-Bauherren von Tiny Houses lernen können

Gastbeitrag von Johannes Maringer – Die Vorteile von Tiny Houses liegen klar auf der Hand. Ich selbst verfolge den Trend zum “kleinen Haus” seit Jahren mit Begeisterung. Trotzdem gibt es Lebenssituationen, wo ein Tiny House nicht die ideale Wohnlösung darstellt. Zum Beispiel als Familie mit Kindern. So erging es zumindest meiner Frau und mir. Da uns ein umweltbewusstes Leben, die Schonung von Ressourcen und ein minimalistischer Lebensstil wichtig sind, wussten wir am Anfang nicht so recht, wie wir unsere Wohnsituation als Familie gestalten sollten. Die Möglichkeiten, wie lebenslanges Mieten, eine Wohnung kaufen oder zu enorm hohen Kosten ein Haus bauen, haben uns alle nicht sonderlich angesprochen…

Erst als wir anfingen, zu hinterfragen, was wir wirklich zum Leben benötigen, kamen wir unserem Wohnglück ein großes Stück näher. Letzten Endes haben wir ein neues Einfamilienhaus gebaut. Aber die Herangehensweise an die Planung und den Bau unterschied sich stark davon, wie das angehende Bauherren heutzutage so machen. Dementsprechend geringer waren auch die Kosten dafür. Um das zu schaffen, sind wir mit derselben minimalistischen Einstellung an die Planung gegangen, wie sie auch für die Planung eines Tiny Houses nötig ist.

Hier sind sie, die 5 Dinge, die man beim Bau eines Einfamilienhauses (EFH) von Tiny Houses lernen kann:

1. Die Herangehensweise an die Planung

Wer ein Tiny House plant, konzentriert sich darauf, was er wirklich braucht. Kurz gesagt: “Die Reduzierung auf das Wesentliche” steht im Vordergrund. Bei einem Einfamilienhaus funktioniert dieses Prinzip genauso. Eine konsequente Planung, bei der die tatsächlich benötigte Fläche, das Budget und die eingesetzten Materialien im Vordergrund stehen, hilft auch bei größeren Häusern sparen. Die Fokussierung auf das Wesentliche verhindert, dass man als angehender Bauherr Geld für unnötige Dinge und Luxus ausgibt. Und das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Es werden weniger Ressourcen (bzw. diese nachhaltiger) verwendet.

2. Der kompakte Baukörper

Beim mobilen Tiny House kommt man um einen einfachen und kompakten Baukörper nicht herum. Der meist rechteckige Grundriss wird bereits vom Anhängergestell, auf den das Häuschen aufgebaut wird, vorgegeben. Aber auch bei nicht transportablen Häusern macht es Sinn, die Form des Hauses so kompakt wie möglich zu halten. Dabei ist es egal, wie groß das Gebäude letztlich sein soll. Je näher die Form an einem Würfel bzw. einem Quader dran ist, desto besser ist das sogenannte A/V-Verhältnis. Das bedeutet, es liegt das bestmögliche Verhältnis von der wärmeabgebenden Oberfläche (Wände, Dach, …) zum beheizten Gebäudevolumen vor. Jede Veränderung der kompakten Bauform, also jeder Erker, jede Gaube und jeder Vorsprung verschlechtern dieses Verhältnis und sorgen für eine größere Oberfläche, über die Wärme verloren gehen kann. Wer darauf verzichtet, spart nicht nur Geld beim Heizen, sondern auch beim Bau selbst. Schließlich kostet die Herstellung von Erkern, Gauben und Vorsprüngen auch ihr Geld.

3. Ein offener Grundriss

Tiny Houses kommen um einen offenen Grundriss nicht herum. Das liegt daran, dass die Wohnfläche auf das Nötigste reduziert wird. Bis jetzt habe ich noch kein Tiny House gesehen, dass es sich leisten konnte, wertvolle Fläche für einen Flur oder ein Treppenhaus zu verschwenden. Auch beim Einfamilienhaus bringt die offene Gestaltung der Wohnräume ein paar Vorteile mit sich. Eine “Verlängerung der Sichtachsen” sorgt dafür, dass kleine Räume größer wirken, als sie eigentlich sind. Das heißt, wenn es für unseren Blick möglich ist, über die Grenzen eines Raums hinaus ins Grüne oder in den nächsten Raum zu schweifen, dann wirkt der Raum für uns größer, als wenn der Blick an der nächsten Wand endet. Dadurch kann teure Wohnfläche eingespart werden und es fallen weniger Kosten für Innentüren und Zwischenwände an. Trotzdem sollte man bei der Gestaltung des Grundrisses nicht vergessen, dass die Bewohner eines Hauses auch ihre individuellen Bedürfnisse haben und dafür Rückzugsorte benötigen.

4. Durchdachte Stauräume

Eine weitere Sache, die an Tiny Häusern besonders genial ist: Es wird kein Platz verschwendet. Sinnlose und ungenutzte Flächen gibt es nicht, denn sie werden als Stauraum genutzt. Auf Einfamilienhäuser lässt sich dieses Konzept auch übertragen. Intelligente Stauraumlösungen wie zum Beispiel Schränke und Laden unter der Treppe und in Raumteilern, vergrößerte Hauswirtschafts- und Technikräume sowie ein kostengünstiger Geräteschuppen können dafür sorgen, dass auf besonders teure Lagerräume wie einen Keller oder einen Dachboden verzichtet werden kann.

 

5. Das Bad und die Küche

Das Badezimmer und die Küche sind die teuersten Räume. Wie groß ein Haus ist, spielt dabei keine Rolle. In Tiny Houses ist allerdings die Fläche, die dafür zur Verfügung steht, eingeschränkt. Bei der Planung muss man sich im Vorfeld ganz genau überlegen, welche Bedürfnisse man hat und wie sich besondere Wünsche realisieren lassen. Diese Einschränkungen gibt es beim Einfamilienhaus nicht. Obendrein sind Bad und Küche eine Art Statussymbol für Hausbesitzer, ähnlich wie Schmuck und Autos. Das wissen auch die Hersteller und zeigen angehenden Bauherren in ihren Ausstellungsräumen, was für Geld alles möglich ist. Wer sich hier etwas zurückhält und auf den einen oder anderen Trend verzichten kann, spart an der Stelle viel Geld.

Fazit

Wer beim Bau eines Einfamilienhauses sparen möchte, kann sich dafür von Mini-Häusern einige Dinge abgucken.

Bildquellen: Johannes Maringer (Bild 1), pixabay.com (Bild 2), houzz.de (Bild 3)

Über den Gastautor
Johannes Maringer beschäftigt sich auf der Website bau-einfach.net damit, wie man die Kosten fürs Bauen von Einfamilienhäusern durch geschickte Planung und gezielte Vereinfachung reduzieren kann. Darüber hinaus: Welche Parallelen gibt es zwischen einem Tiny House und einem Einfamilienhaus? Oder besser gesagt, was kann man von Tiny Häusern lernen, wenn man ein Einfamilienhaus planen und bauen möchte?

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