Reduzierung auf das Wesentliche – was bedeutet das?


In den vergangenen Wochen haben über unsere Website die „Große Minihaus-Umfrage 2019“ durchgeführt – die Auswertung werden wir in Kürze abschließen und veröffentlichen. Soviel vorweg: An der Umfrage haben sich über 1.200 Leser beteiligt und eine überwiegende Mehrheit (72,7%) derjenigen Leser, die bisher noch nicht in einem Minihaus wohnen, hat die „Reduzierung auf das Wesentliche“ als wichtigsten Grund angegeben, weshalb sie sich für diese Wohnform interessieren. Das wirft die Frage auf, „Was bedeutet, sich auf das Wesentliche reduzieren zu wollen bzw. was ist das Wesentliche?“

Tatsache ist, dass unser Leben seit Beginn des digitalen Zeitalters immer komplexer geworden ist (und weiter wird), dass wir von Informationen überflutet werden und uns dies leicht überfordern kann. Immer mehr Menschen fragen sich, wie sie die Kurve bekommen, um in dieser Welt zufrieden und gesund leben zu können. Bücher wie „Das Internet muss weg“ des Bloggers Schlecky Silberstein alias Christian Brandes und „Die Kunst des digitalen Lebens“ des Philosophen Rolf Dobelli treffen den Nerv der Zeit.

Wohnen, wie es uns guttut

Einen Großteil des Lebens verbringen wir in den eigenen vier Wänden. Hierhin ziehen wir uns zurück, wenn wir Abstand vom „Leben da draußen“ brauchen. In unserer Gesellschaft haben wir den Luxus unser Zuhause weitgehend individuell gestalten und uns einrichten zu können, wie wir meinen, dass es uns guttut. Kein Wunder also, dass wir zumindest hier die Komplexität reduzieren und das Wohnen so einfach wie möglich gestalten wollen: weniger Wohnfläche, weniger Besitztümer, die abbezahlt, gepflegt, repariert werden müssen! Mehr Luft zum Atmen, finanzielle Freiheit!

In unserer Umfrage hatten Tiny House (on Wheels) bzw. Zirkuswagen (34,2%) und Wohnmodule bis 50 qm Wohnfläche (34,8 %) die Nase vorn. Dies korrespondiert mit den zwei größten Personengruppen, die sich für Wohnen auf kleinem Raum interessieren: Die Wohnform der Tiny Houses (on Wheels) spricht besonders junge Leute an, die die Idee vom günstigen Wohnen mit der Möglichkeit, sich das eigene Haus selbst bauen zu können, verbinden möchten. Für die größte Zielgruppe kleiner Wohnlösungen, den sogenannten „Bestagern“, Personen im fortgeschrittenen Alter also, die noch im Arbeitsleben stehen, deren Kinder aber bereits aus dem Haus sind, sind häufige Ortswechsel kein Bestandteil ihrer Zukunftsvision. Sie interessieren sich eher für Wohnmodule, die zwar transportabel, aber nicht notwendigerweise mobil sind – und nicht zu vergessen: die auch potenziell barrierefrei gestaltet werden können.

Wesentliche Bestandteile der Einrichtung

Bei beiden Wohnformen gibt es sowohl Parallelen als auch Unterschiede, was die Einrichtungsmöglichkeiten betrifft: Die Basics beim Wohnen auf kleinem Raum sind eine Schlafgelegenheit, ein Duschbad und eine platzsparende Singleküche. Alles Weitere kommt auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner an. Bei beiden Wohnformen helfen maßgefertigte Einbaumöbel den kostbaren Platz gut zu nutzen. Geschlossene, hell gestrichene Oberflächen helfen zudem ein großzügiges Raumgefühl zu kreieren.

Der Unterschied zwischen den Einrichtungsoptionen bei Tiny Houses auf Rädern und Wohnmodulen, die auf einem Tieflader transportiert werden, liegt im möglichen Gewicht der Einrichtungsgegenstände. Da ein Tiny House on Wheels um (hinter ein Zugfahrzeug gehängt) am Straßenverkehr teilnehmen zu können, das Gesamtgewicht von 3,5to nicht überschreiten darf, zählt nicht nur beim Bau, sondern auch bei der Einrichtung jedes einzelne Kilogramm.

Waschmaschine, ja oder nein? Dies ist nur eine beispielhafte Frage, um die eignen Erwartungen an das neue Zuhause und die passende Wohnform heraus zu arbeiten. Nicht nur das Gewicht der Waschmaschine, auch die Frage, wo sich die feuchte Wäsche aufhängen lassen würde, kann einen Denkanstoß geben.

54,2% aller Teilnehmer unserer Umfrage würden für sich das Wohnen in einer gemeinschaftlichen Minihaus-Siedlung in Erwägung ziehen. Nicht nur hinsichtlich der möglichen sozialen Kontakte, auch in Bezug auf die Nutzungsmöglichkeit von Gemeinschaftseinrichtungen wie Waschküche und Trockenraum, Gästeunterkünfte, Großküche, Kinderbetreuung, Pflegedienst, Carsharing und dergleichen mehr sind solche Projekte sinnvoll und angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung zukunftsweisend.

Bildquellen: GibetMoll/Pixabay (Bild 1), tiny-huchler.de (Bild 2), Houzz.de (Bild 3).

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