Tiny Houses: Leben auf wenigen Quadratmetern

Auch wenn der Trend zum Leben auf kleinem Raum keine Erfindung der Amerikaner ist: Die Welle der Begeisterung für Tiny Houses “on Wheels”, also für die rollenden Häuschen, die für einen minimalistischen Lebensstil gepaart mit Mobilität stehen, hat ihren Ursprung in den USA. Weltweit wächst nun die Community derer, die sich das Wohnen in einem Tiny House vorstellen können. Auch in Deutschland ist die Resonanz groß.

 

Tiny Houses und ihr Ursprung

Als Jay Shafer 1999 sein erstes Tiny House on Wheels baute, konnte noch niemand ahnen, was er damit auslösen würde. Die von ihm gegründete Tumbleweed Tiny House Company baute zwar auch Tiny Houses, das eigentliche Geschäft machte das Unternehmen jedoch mit dem Verkauf von Shafers Bauplänen, mit denen 2009 der Durchbruch gelang. Die Möglichkeit für Interessierte sich anhand der Bauanleitungen das eigene kleine Haus zu bauen, bescherte dem Unternehmen spätestens mit der Immobilienkrise einen reißenden Absatz. Bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 200 qm für ein Wohnhaus in den USA eine erstaunilche Entwicklung, sind die Tiny Houses im Regelfall doch lediglich zwischen 10 und 20 Quadratmeter groß. Ansonsten sind sie dem Aufbau eines „normalen“ Wohnhauses nicht unähnlich. So findet sich meist ein konventionelles Satteldach als Abschluss.


 
Neben der Größe besteht der hauptsächliche Unterschied zu einem konventionellen Haus im Aufbau auf einem Trailer. Durch diesen ist das Tiny House mobil und lässt sich an den unterschiedlichsten Orten platzieren. Besonders in Zeiten, in denen die Mieten stetig steigen und Wohnraum knapp wird, wirkt diese alternative Wohnmethode zunehmend interessanter: Nicht nur lebt es sich in einem Tiny House kostengünstiger, auch der ökologische Fußabdruck wird reduziert.

 
Trotz aller Faszination, die die kleinen Häuschen ausüben: Vor einem Hauskauf – und sei es auch nur ein kleiner – stellt sich die Frage, wie man grundsätzlich leben möchte. Wenn wir uns Websites konventioneller Hausanbieter wie z.B. www.bien-zenker.de und die Staffelung der Wohnflächengröße aller angebotenen Hausmodelle ansehen, dann lässt sich ermessen, dass zwischen diesen „konventionellen“ Haustypen und Tiny Houses Welten liegen:

Downsizing und die Reduktion aufs Wesentliche

Schon seit Beginn des Jahrtausends predigt die Tiny-House-Bewegung in den USA das Downsizing und es ist kaum verwunderlich, dass diese Botschaft auch hierzulande zunehmend Anhänger findet. Downsizing kann auf vielen Ebenen geschehen – in manchen Bereichen intuitiv, in anderen planvoll. Bei der Konzeption kleiner Häuser ist eine bedarfsgerechte Planung von eminenter Wichtigkeit. Daher sind Profis vom Fach unerlässlich, mit denen sich dieser Traum realisieren lässt: So erfordert die Errichtung eines (auch noch so kleinen) Wohnhauses in aller Regel eine Baugenehmigung und im Fall der mobilen Tiny Houses braucht es für die Fortbewegung auf der Straße auf den eigenen Rädern eine Straßenverkehrszulassung. Die Hürde, die die meisten Tiny-House-Besitzer in spe unterschätzen ist (sofern nicht bereits ein Baugrundstück vorhanden ist) die Suche nach einem legalen Standplatz.

Ab 20.000 Euro in die Unabhängigkeit

Wer heute ein Minihaus für sich alleine bauen möchte und genügsam ist, kommt möglicherweise mit 15-20 Quadratmetern aus. Ein gut konzipiertes Tiny House hat auf dieser Fläche dann allerdings auch alles, was es zum Wohnen braucht: Küche, Platz für ein Bett, ein Bad und einen Platz zum Arbeiten. Auf diese Weise möchten sich tatsächlich immer mehr Menschen den Traum vom autarken Leben in der Natur verwirklichen – nicht gebunden an den Ort, immer flexibel. Ein Traum, der nicht zuletzt aufgrund der baurechtlichen Bestimmungen im Alleingang kaum realisierbar ist. Wer sich ein Leben in Gemeinschaft vorstellen kann, hat immerhin die Chance, über den Anschluss an eine der vielen neu in Gründung befindlichen Tiny-House-Communities einen Standplatz auf Pachtbasis zu finden.

Neben der Herausforderung, den idealen Standplatz zu finden, besteht eine weitere Herausforderung in der (innen-)architektonischen Konzeption. In dem Umstand nämlich, dass wirklich jeder Zentimeter optimal geplant und durchdacht werden muss. Denn wer sein Heim auf so kleinem Raum unterbringen will, muss alle Eventualitäten, Bedürfnisse und Ansprüche voraussehen. So kommt es nicht selten vor, dass viele Tiny-Bauherren zwanzig Grundrisse und mehr zeichnen, bis sie die für sie passende Aufteilung finden. Der Aufwand kann sich jedoch lohnen, denn ein Tiny House für eine Person im minimalistischen Stil kostet im Eigenbau ab ca. € 20.000, schlüsselfertig vom Hersteller ab ca. € 45.000. Im Gegensatz zu einem Eigenheim, das nicht bewegt werden kann und oftmals über Jahrzehnte finanziert werden muss, eine verlockende Option.
Neben dem Kaufpreis des Hauses sind auch die laufenden Ausgaben für Wasser und Strom zwangsläufig deutlich niedriger als in einem “normalen” Haus. Auch wenn aufgrund der baurechtlichen Bestimmungen ein Anschlusszwang an das öffentliche Netz besteht, kann durch eine tendenziell autarke Ausrichtung des Tiny Houses beim Verbrauch gespart werden.

Der Traum vom selbstbestimmten Leben

Das Interesse an Tiny Houses – wie auch an Modulhäusern – ist groß. Allerdings zieht – laut einem Zwischenergebnis unserer aktuellen Umfrage – die Mehrheit der Minihaus-Interessenten (alleinlebend oder zu zweit) eher eine Wohnflächengröße zwischen 40 und 60 Quadratmeter vor. Dieser Wert liegt immerhin unter dem aktuellen Durchschnitt – sowohl für alleinlebende Menschen (Durchschnitt: gut 66 qm), wie auch für Paare (Durchschnitt pro Kopf: 48 qm). Wie sich zeigt: Im Kontext von Minimalismus und Umweltschutz sehen immer mehr Menschen die Notwendigkeit, verantwortungsbewusst zu leben – gleichzeitig ist Individualität, Flexibilität und Kostenersparnis ein großes Bedürfnis.

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