„Massivhaus oder Holzhaus“ und andere Fragen

Massivhaus oder Holzhaus? – Nein, hier geht es nicht um die Gewissensfrage, vor der viele Bauherren im Vorfeld ihres Bauvorhabens stehen (allerdings werden Sie auch hierzu Gedankenanstöße für die Entscheidungsfindung bekommen). Hier geht es um die Frage „Massivhaus oder Holzhaus – Welche Bauweise ist ökologischer?“, die in der Broschüre gleichen Titels des Massiv Mein Haus e.V., wen wundert’s, zugunsten des Massivhauses ausgeht.
Dass, gerade wenn um Marktanteile gekämpft wird, auch im Bausektor viel Unsinn erzählt und geschrieben wird, dürfte klar sein. Dem aufgeklärten Verbraucher wird aber schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass mit einer Ökobilanz, die gegen ein Holzhaus und für einen Bau aus Beton, Porenbeton oder Ziegel spricht, etwas nicht stimmen kann. Wie kam es also zu diesem „Forschungsergebnis“? Und was heißt hier überhaupt Massivhaus und was Holzhaus? Folgen Sie uns auf einer kurzen Exkusion zur Aufklärung und Abgrenzung der Begriffe…

Eine Ökobilanzstudie mit merkwürdigem Ergebnis

Wenn man sich die Broschüre (PDF) des Massiv Mein Haus e.V., der ein Forschungsbericht des Instituts für Massivbau der TU Darmstadt zugrunde liegt, genauer ansieht, fällt die Fußnote „als Holzhaus bezeichnet der Forschungsbereicht das Haus in Holzständerbauweise“ auf. Nun kann ein Haus in Holzständerbauweise alles oder nichts sein. Holzständerbauweise besagt lediglich, dass Holzbalken als lasttragendes Skelett eingesetzt werden. Zwischen diesen Holzbalken gibt es in der Regel Abstände von mindestens einem halben Meter. Die Zwischenräume dieses Gerüstes werden mit Dämmmatten gefüllt, die aus Holzfasern bestehen können, was das Haus tatsächlich zu einem Holzhaus machen würde. Wenn aber Mineralwolle verwendet wird, fragt sich aufgrund des Verhältnisses „Holz zu anderen Werkstoffen“, ob der Begriff „Holzhaus“ hier noch gerechtfertigt ist.

Ein anschauliches, traditionelles Beispiel hierfür sind Fachwerkhäuser: Der Fachwerkbau ist eine Art klassischen Ständerbaus, der sich von der modernen Holzständerbauweise im Großen und Ganzen nur dadurch unterscheidet, dass die einzelnen Holzteile des Ständerwerks einen größeren Querschnitt haben und verzapft sind, statt lediglich verschraubt oder zusammengenagelt. Die Zwischenräume werden mit einem Lehm-Stroh-Verbund oder mit Ziegelwerk gefüllt, was zur Folge hat, dass ein Fachwerkhaus per se nicht unbedingt gleich als Holzhaus bezeichnet werden wird.

In dem von besagtem Verein in Auftrag gegebenen Forschungsbericht der TU Darmstadt wurden bei den Außenwänden folgende Wandaufbauten für die Ausführungsvariante „Massivhaus“ verglichen:
Kalksandsteinmauerwerk (15 cm Kalksandstein, 14 cm Polystyrol-Dämmung), Leichtbetonstein (38,5 cm), Porenbetonstein (36,5 cm), unbewehrter Beton (15 cm Beton, 14 cm Polystyrol-Dämmung) bzw. Leicht-Hochlochziegel (36,5 cm).
Die Ausführungsvariante „Holzhaus“ wurde von einem Holzständerbau mit Holzständern 6/16 alle 62,5 cm, dazwischen 16 cm Mineralwolle, 3,5 cm Holzwolleleichtbauplatte, PE-Folie, 1,6 cm Holzwerkstoffplatte, 4 cm Mineralwolle und Lattung in der Installationsebene, 9,5 mm Gipskartonbauplatte repräsentiert.

Dass eine Ökobilanz für eine derartige Variante des „Holzfertigbaus“ ungünstig ausfällt, dürfte nicht verwundern. Unterm Strich handelt es sich hier um nicht wesentlich mehr, als um zwei „Pappedeckel“ und dazwischen etwas Mineralwolle. Ungeklärt bleibt die Frage, was hieran ein Holzhaus sein soll.
Fazit der Untersuchung laut Broschüre: „Im Vergleich ist die Ökobilanz eines Massivhauses mindestens ebenso gut, in einzelnen Punkten sogar besser.“ Interessant am Ergebnis dieser Ökobilanzstudie ist nun in der Tat, dass ein Massivhaus „mindestens ebenso gut“ ist, sprich mehr oder weniger gleichwertig, wie ein derartiges Fertighaus in Sparausführung…

Das merkwürdige Forschungsergebnis hat sich nun also sozusagen von selbst erklärt. Wie steht es nun aber mit den Begriffen? Warum bedeutet „Massivhaus“ gleich Ziegel oder Beton, wenn es doch auch massive Holzhäuser gibt?

Massivhaus und Fertighaus – nicht unbedingt ein Widerspruch

Im Bauwesen sind es vor allem zwei Begriffe, die unter Verbrauchern Verwirrung stiften können: Massivbauweise und Fertighaus.
Mit Massivbauweise wird zum einen eine Form des Tragwerks bezeichnet, bei der raumabschließende Elemente wie Wände und Decken auch eine statisch tragende Funktion erfüllen (zusätzlich können Trennwände in Leichtbauweise eingesetzt werden). Massivbauweise steht hier als Gegenbegriff zu Skelettbauweise. In anderem Zusammenhang wird von Massivbauweise gesprochen, wenn der Bau aus sogenannten „massiven“ Baustoffen, d.h. Mauerwerk oder Beton errichtet wird. Vor allem beim Marketing für Häuser steht der Begriff „Massivbau“ also in der Regel für Mauerwerk oder Beton.

Zunehmend ist aber auch von Massivholzbau die Rede. Die meisten Menschen werden hier zuerst an Blockhausbau denken, der als Unterkategorie in diesen Bereich gehört. Eine andere Form des Massivholzbaus ist der Massivholzelementebau:
Im Werk des Herstellers werden Holzbalken in mehreren Lagen verleimt oder miteinander verdübelt, wodurch komplette Wand- und Deckenelemente entstehen, die genau wie bei anderen Fertighausbauweisen auf der Baustelle zusammengefügt werden. Die Errichtung des Massivholzhauses dauert auf diese Weise lediglich 1-2 Tage. Solche Wände aus Massivholz sind setzungsfrei, luftundurchlässig und haben nicht den typischen Blockhaus-Look, sondern sind nach einem Verputzen optisch von anderen massiven oder Fertighaus-Bauweisen nicht zu unterscheiden. Beim verleimten Massivholz wird auch von Brettstapelbauweise oder Brettsperrholz gesprochen.
Einstofflicher Massivholzelementebau ohne Verleimung, stattdessen mit (Holz-)Verdübelung, wird hierzulande derzeit unter den Labels Holz100 (Thoma Holz GmbH), Nur-Holz (Rombach Bauholz + Abbund GmbH) und Soligno (Rubner AG) angeboten. Bei der Massiv-Holz-Mauer (Massiv-Holz-Mauer Entwicklungs GmbH) werden die Lagen mit Aluminium-Rillenstiften verbunden.

Vorgefertigte Wand- und Deckenelemente – mit Siebenmeilenstiefeln zum Richtfest

Mit dem Begriff „Fertighaus“ wird noch immer häufig die Vorstellung von Billigbauweise assoziert, auch wenn er lediglich besagt, dass das Haus im Werk vorgefertigt, in Teilen auf die Baustelle geliefert und dort endmontiert wird. Weder lässt er Rückschlüsse auf die Qualität noch auf die Werkstoffe zu. Die meisten Fertighaushersteller bieten Typenhäuser an, die entweder unverändert oder individualisiert gebaut werden können. Es gibt jedoch auch Anbieter für „Fertighäuser vom Architekten“, bei denen jedes einzelne Haus individuell nach Kundenwunsch geplant und auch höheren Ansprüchen bzgl. Design, Ökologie und Baubiologie gerecht wird.

Die meisten Fertighäuser werden in Holzständerbauweise (auch als Holzriegelbau oder Holzrahmenbau bezeichnet) oder in Holztafelbauweise gefertigt. In der Umgangssprache wird oft nicht explizit zwischen diesen Begriffen unterschieden. Beim Holztafelbau werden jedoch in der Regel die kompletten Wände und Deckenelemente inklusive Dämmung im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle zusammengefügt, beim Holzrahmenbau wird das Wandskelett (u.U. mit einseitiger Beplankung) im Werk vorgefertigt und erst auf der Baustelle mit der Wärmedämmung und sonstigen Einbauten versehen und abschließend beplankt. Fertighäuser lassen sich aber mittlerweile, wie zuvor erwähnt, auch aus Massivholz und sogar in „Massivbauweise“ aus Beton oder Ziegel errichten.

In unserer kürzlich durchgeführten Minihaus-Umfrage 2013 hatte die Mehrheit der Befragten eine Präferenz für massiven Holzbau angegeben. Ebenfalls die Mehrheit entschied sich dabei für einen kompletten Bau vor Ort. Wenn wir nun davon ausgehen, dass nicht alle Personen der Schnittmenge an einen Blockhausbau gedacht haben, dann dürfte für einige Teilnehmer die Information, dass es mittlerweile Fertighäuser in Massivholzbauweise gibt, sehr erfreulich sein. Erspart eine Vorfertigung im Werk doch einiges an Zeit und damit auch Kosten.

Bildquellen: Wienerberger / Wikimedia Commons (CC-BY-2.5, Bild 1), G-Man / Wikimedia Commons (Bild 2),  ecohome 4.2 ( Bild 3), Minihaus-Umfrage 2013 (Grafiken).