Gartenhühner (3) - Billigstall oder Hühnerpalast?

Zu Beginn unserer kleinen Artikelserie über Hühner im eigenen Garten hatten wir schon ein paar grundlegende Erwägungen mit Ihnen geteilt und Ihnen eine Auswahl auch für Anfänger interessanter Hühnerrassen vorgestellt. Wenn Sie nun Gefallen an der Idee von Frühstückseiern aus dem eigenen Garten gefunden haben und entschlossen sind, sich selbst an das Projekt „Gartenhühner“ zu wagen, dann stellt sich als nächstes die Frage nach der passenden Behausung für Ihre neuen Mitbewohner: Denn, bevor Hühner einziehen können, muss natürlich ein Stall her.

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Anfängerstall – gekauft oder selbst gebaut?

Um Hühnern ein Zuhause zu schaffen gibt es folgende Optionen: Eigenbau (ggf. nach Bauplan), Kauf eines Bausatzes oder Kauf eines fertigen (ggf. gebrauchten) Stalls. Gerade wenn einen das Hühnerfieber noch nicht gepackt hat und man erst einmal antesten möchte, wie es mit Hühnern so läuft, wird man eher zu einer Fertiglösung tendieren und dazu, wenig Geld auszugeben. Das ist auch sinnvoll, da – selbst wenn man zuvor Bücher über Hühnerhaltung gewälzt und in den einschlägigen Foren mitgelesen hat – erst durch die Praxiserfahrung ersichtlich wird, wie der für die eigenen Zwecke passende Stall konzipiert sein sollte.
Gebrauchte Ställe können den Nachteil mit sich bringen, dass man mit dem Stall eine Kolonie roter Vogelmilben miterwirbt, die in den Ritzen sitzt. Bei neuen, günstigen Bausatzställen kann es dagegen (u.U. unangenehme) Überraschungen hinsichtlich der Qualität des Materials geben. So oder so kann sich der Kauf eines kleinen, günstigen Stalls von annehmbarer Qualität jedoch empfehlen: zum Antesten und später ggf. als Gluckenheim oder Quarantänestall.

Unser Test: Günstige Starter-Ställe

Wir haben für Sie zwei der günstigsten Hühnerställe, die online als Bausätze angeboten werden, einem Praxistest unterzogen und möchten Ihnen hier anhand unserer Erfahrungen aufzeigen, worauf bei der Auswahl eines Hühnerstalls aus dem Internet zu achten ist, wodurch sich also trotz des immensen Angebots an unterschiedlichen Lösungen schon vorab die Spreu vom Weizen trennen lässt:

In die engere Auswahl kamen bei uns Ställe, die aufgrund der Stallfläche und laut Herstellerangaben für zwei bis drei mittelgroße Hühner in Frage kommen könnten. Der Stall sollte gut zu reinigen sein, einigermaßen große Öffnungen waren also ein Muss und angesichts der monatelangen Aufstallungspflicht im vergangenen Winter (bei der Nutzgeflügel unter Dach bleiben musste) sollte der Stall zumindest mit einer kleinen Voliere ausgestattet sein. Aber, um eventuelle Missverständnisse auszuschließen, sei betont, dass eine solche Mini-Voliere nur einen vor Regen geschützten Kaltscharrraum schaffen und keinen Auslauf ersetzen kann. Solche Ställe sind nur als geschützter Raum für die Nacht geeignet und ausschließlich genutzt nicht ausreichend für die Hühnerhaltung! Lassen Sie uns folgenden Vergleich ziehen: Die Vorstellung in einem Tiny House zu wohnen, ist dann verlockend, wenn man die Natur vor der Türe hat und hinauskann, wann immer man will. Niemand will Tag und Nacht gezwungen sein, in seinem Tiny House zu bleiben.

Beispiel #1 – Prädikat „Annehmbar nach Aufrüstung“
Testobjekt Nummer 1 war die XXL Hühnervoliere von zooprimus, die wir über Hecht bezogen haben. Dieser Stall gliedert sich in drei Bereiche: Hühnerhaus mit Kotbrett und Sitzstange, außen angegliedertes Legenest und Voliere.

Die Montage der gelieferten Einzelteile lässt sich von einer Person in etwa eineinhalb Stunden problemlos bewerkstelligen. Dann steht der Stall wie ein Leuchtfeuer im Garten. Perfekt für alle, die der Meinung sind „Orange is the new black“ …

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Von der Qualität der Ausführung und der Konzeption ist dieser Stall sicher einer der besseren im untersten Preisbereich. Die Materialqualität ist nicht überragend – statt des in der Produktbeschreibung angegebenen Kiefernholzes mutet es eher wie Pappelholz an -, jedoch ist die Verarbeitung sauber. Wenn keine großen Ansprüche an Langlebigkeit gestellt werden, erfüllt dieser Stall erstmal seinen Zweck. In der Konzeption haben wir jedoch ein paar Schwachstellen ausgemacht, die wir bei unserem Testprodukt nachgebessert haben:

Auf der Rückseite des Stalls haben wir die Voliere zum Schutz vor Regen mit Siebdruckplatten verschalt.
Die Voliere haben wir unter das Legenest weitergeführt. Dies diente zum einen der Erweiterung des Kaltscharrbereichs – der Platz wäre sonst ungenutzt – zum anderen der Sicherung des Legenests gegen Eindringlinge: Standardmäßig ist nur ein Bretterboden lose in den Rahmen des Legenests eingelegt, der von unten leicht hochgedrückt werden kann. Wer sich nicht die Mühe der Scharrflächenerweiterung machen will, kann den Boden natürlich auch einfach festschrauben. Es bietet sich außerdem an, eine geschlossene Dämmschicht auf dem Bretterboden des Legenestes auszulegen.

Der Stall ist ohne weitere Überdachung aufgestellt mutmaßlich nur bedingt witterungsbeständig, daher (und auch zu gunsten eines dezenteren Looks) haben wir ihn außen komplett mit der Einmal-Lasur HS Plus von Osmo (Farbton „Silberpappel“) gestrichen, welche sich bereits durch ihre leichte Verarbeitbarkeit, ihre Unbedenklichkeit – geeignet selbst für Kinderspielzeug – und ihre hervorragende Schutzwirkung beim Bau des Hochbeetes bewährt hat.

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Prophylaktisch gegen Milbenbefall und zur Neutralisierung des etwas unangenehmen Geruchs der im Werk vorgenommenen Holzimprägnierung haben wir den Innenraum komplett mit Hühnerstallfarbe gestrichen. Diese wurde uns freundlicherweise vom Kalk-Laden Kenter zum Testen zur Verfügung gestellt. Die zu 100 % aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehende Hühnerstallfarbe unterscheidet sich von normalem Sumpfkalk dadurch, dass damit auch Holzoberflächen gestrichen werden können. Aufgrund ihrer Ergiebigkeit (ca. 20 qm/kg) reicht die Standardgebindegröße neben dem Erstanstrich – je nach Stallgröße – für einige weitere, regelmäßige Auffrischungsanstriche, die der Hygiene im Hühnerstall sehr zuträglich sind.

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Das Dach haben wir, statt es (wie laut Montageanleitung vorgesehen) fest zu verschrauben, mit Scharnieren versehen. Nun kann es zum Reinigen des Stalls – und im Falle, dass eine gluckige Henne mitsamt ihres Legenestes hineinverfrachtet werden soll – komplett geöffnet werden.
Das Dach ist standardmäßig mit Dachpappe bezogen – nicht optimal in Bezug auf Milbenprophylaxe. Wir haben es dennoch so belassen, jedoch als Wetterschutz zusätzlich noch einen erweiterten Dachüberstand geschaffen und PVC-Trapezplatten auf dem Hauptdach und (im folgenden Bild noch nicht sichtbar) dem Legenestdach angebracht.

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Die Hühnerleiter im Inneren soll nach Montageanleitung verschraubt werden. Zur leichteren Reinigung des Stalls haben wir auch hier ein Scharnier dazwischen gesetzt, sodass die Leiter beim Reinigen nach oben geklappt werden kann. An der Hühnerhaustüre haben wir den billigen Holzriegel durch einen Metallriegel ersetzt.

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Den kompletten Stall haben wir mobil gemacht, indem wir ihn (mit Dichtungsringen als Abstandshaltern) auf eine Siebdruckplatte mit Rädern montiert haben – zwei Winkeleisen dienen als Griffe beim Verschieben. Durch die wasserfeste Siebdruckplatte kann der Kaltscharrbereich bei Bedarf nun auch ausgespritzt werden.

In dieser Form ist der Stall gut als Übergangslösung, als Quarantänestall, als Gluckenheim, Küken- oder Wachtelstall – verwendbar. Selbst für drei mittelgroße Hühner ist er auf Dauer zu beengt. Was jedoch erwähnt werden sollte: Der Stall wurde von unseren „Probanden“ ohne zu zögern angenommen und wird tagsüber zum Legen und selbstredend abends gerne aufgesucht. Dies ist nicht bei allen Ställen, die auf dem Markt angeboten werden, der Fall: Die Gründe für eine Ablehnung kann z.B. im Stallklima, in der Ausleuchtung oder bei älteren Ställen in Milbenbefall liegen.

Mankos, die aufgrund der kleinen Dimensionen nicht zu beheben sind:
Die Sitzstangen verdienen kaum ihren Namen, da sie nur etwa zwei Fingerbreit über dem Kotbrett angebracht sind und in einem Abstand, der nur die Nutzung einer Stange überhaupt ermöglicht. Als Einstreu im Kotbrett hat sich daher bei uns sogenannte „Vogelerde“ bewährt: Sie trägt nicht auf, dehydriert den Kot und bindet so rasch Gerüche. Eine „Milbenfalle“ (darüber in einem weiteren Beitrag mehr) lässt sich im Falle dieses Hühnerhauses von zooprimus jedoch nicht installieren und gute Hygiene nur bei täglichem Ausmisten aufrecht erhalten. Bei drei Hühnern muss eines unweigerlich in das Legenest ausweichen, wodurch auch dieses Nest schnell mal eingekotet wird …

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Das geringe Platzangebot auch in der Voliere erfordert zudem kreative Lösungen bezüglich Tränken und Futterautomatinstallation. Der gesamte Platz wird immerhin als Bewegungsfläche benötigt. Selbst die kleinen Futterautomaten und Tränken für Wachteln nehmen da zuviel Platz weg. Wir haben verschiedene platzsparende Versionen ausprobiert: An eine Nippeltränke müssen Hühner, die diese nicht kennen, erst gewöhnt werden. Für alle, die den Versuch mit ihren Hühnern wagen möchten: Die Rohrteile zum Zusammensetzen einer kleinen DIY-Nippeltränke gibt es in jedem Baumarkt, die Nippel über Ebay.

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Der DIY-Futterautomat aus Sanitärrohren – im folgenden Bild rechts zu sehen (im Internet gibt es hierzu Anleitungen zu Hauf – hat sich in dieser Form bei uns nicht bewährt, da die Hühner das Futter herausschmeißen.

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Am besten funktionierte ein kleiner, erhöht auf Backsteine gestellter Futerbehälter im Kaltscharrbereich und eine große Tränke aufgehängt vor der Türe.
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Beispiel #2 – Prädikat „Weniger empfehlenswert“
Wenn sich nun so ein Billigstall doch einigermaßen pimpen lässt, stellt sich die Frage, „Geht es auch noch billiger?“ Unsere Antwort lautet „Ja und Nein.“ Es geht noch billiger, was die Qualität betrifft. Der Stall ist dann aber nicht wirklich zu gebrauchen und selbst das Aufmotzen ist kein solches Vergnügen wie beim vorangegangenen Beispiel …

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Wir haben zum Vergleich das HTI-Line Hühnerhaus „Anja“ getestet. Lobend lässt sich hier lediglich erwähnen, dass man bei kurzfristigem Bedarf schnell eine Notunterkunft für ein Huhn und für wenig Geld erhält. Ansonsten haben wir folgende Mankos festgestellt:
Die Material- und Ausführungsqualität ist entsprechend des Preises (unter 100 Euro). Für diesen Preis ist es ganz einfach unmöglich einen guten Stall zu bauen. Das Holz splittert im Übrigen leicht bei der Montage.
Die Größe reicht gerade als provisorisches Zuhause für zwei kleine oder ein mittelgroßes Huhn (obwohl in der Produktbeschreibung sogar von Gänsen die Rede ist). Hier im Bild zum Vergleich beide Ställe – die XXL Hühnervoliere von zooprimus und das Hühnerhaus „Anja“ von HTI-Line:

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Die Schiebetüre zum oberen (mehr oder weniger) geschützten Bereichs ist für langbeinige Exemplare zu niedrig (und lässt sich nicht sichern). Der besagte obere Bereich hat eine Holztüre und ansonsten lediglich ein Gitter, schützt also nur bedingt vor Wind und Wetter. Die Rückwand ist eine ultradünne Sperrholzplatte. Eine Sitzstange gibt es nicht, nur ein Kotbrett. Alles in allem eher als Kaninchenstall für den Sommer auf der überdachten Terrasse zu gebrauchen.

Empfehlung: In eine langfristige Hühnerhaltung gut investieren!

Auf Dauer wird man um einen solide gebauten Stall nicht herum kommen. Hochwertige Ställe werden von einigen namhaften Herstellern angeboten, die sich die Arbeit allerdings auch teuer bezahlen lassen. Jedoch sollte man sich auch keine Illusionen darüber machen, was ein selbstgebauter Hühnerstall kostet:
Auf Gartenhuehner.de wird die Bauanleitung für einen sehr ausgeklügelten Hühnerstall angeboten. Die Materialkosten werden mit 700 Euro angegeben.

Nach den Erfahrungen der letzten Monate im Hinblick darauf, was funktioniert und was nicht, haben wir uns selbst an das Planen eines Stalls gemacht – und bereits mit dem ersten Bauabschnitt begonnen, denn vor dem Wintereinbruch soll er zum Einzug unserer „Probanden“ bereit sein … Mehr dazu in Kürze.

Was für das Selberplanen und -Bauen eines Hühnerstalls spricht

Das Projekt „Hühnerstall selber bauen“ sollte nicht unterschätzt werden – vor allem wenn dem Bau eigene Planungen vorausgehen. Plant man selbst einen Hühnerstall kann man ihn jedoch komplett auf die eigenen Ansprüche zuschneiden. Unsere Vorgaben sind z.B.

  • der Stall soll für 6-12 Hühner ausgelegt sein – ein halbes Dutzend soll die „Stammbesatzung“ sein und Nachwuchs soll zeitweilig auch Platz haben,
  • der Stall sollte bei Bedarf in zwei Bereiche trennbar sein,
  • beide Seiten sollen jeweils mit einem elektronischen Pförtner für die Hühnerklappen versehen werden,
  • an den Stall soll eine überdachte Voliere anschließbar sein,
  • unter dem Stall soll ein Kaltscharraum zur Verfügung stehen,
  • der Stall soll leicht zu reinigen sein,
  • es soll die Möglichkeit zur Installation einer Milbenfalle gegeben sein,
  • die Bausubstanz soll ein gutes Raumklima gewährleisten – so wie wir es uns ja auch bei Wohnhäusern wünschen …

 
Wie wir unseren Stall im Detail umsetzen, aus welchen Komponenten er besteht und welche Überlegungen wir im Vorfeld der Umsetzung angestellt haben, dazu mehr in einem der folgenden Beiträge.

Bildquellen: giallopudding/pixabay.com (Bild 1), eigenes Archiv (Bild 2-12, 14), HTI-Line (Bild 13)

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