Schmale Häuser: Nachverdichtung in Deutschland

Nicht nur in Tokyo, auch in deutschen Großstädten wird das Thema Nachverdichtung immer akuter. Da zunehmend mehr Menschen vom Land in die Stadt(-nähe) ziehen wollen, herrscht in der Stadt Wohnungsnot. Städteplaner und Architekten suchen deshalb nach Lösungen zur Nachverdichtung, mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen: Bauplaner in Hamburg z.B. wollen ein Kleingartengelände weichen sehen, um ein Wohnviertel mit dem blumigen Namen “Pergolenviertel” errichten zu können. Einen völlig anderen Ansatz dagegen, verfolgt in Frankfurt derArchitekt Hans Drexler.

Das “Minimum Impact House” in Frankfurt

Hans Drexler hat sich auf die Beplanung von Baulücken spezialisiert und spornt auch seine Studenten an der Münster School of Architecture an, Ideen und Entwürfe für Baulücken zu entwickeln. Mit seinem eigenen Bürogebäude macht Hans Drexler vor, wie mögliche Lösungen aussehen können:

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Im Zentrum von Frankfurt hat er sich das “Minimum Impact House” errichtet. Drexler nutzte eine Baulücke, die für herkömmliche Gebäude nicht genug Platz bot. Da der Bebauungsplan eine teilweise Überbauung des Gehweges  genehmigte, wodurch in den oberen Stockwerken kostbare Fläche gewonnen werden konnte, wirkt das Haus nun wie  “angeklebt” an die Außenwand des Nachbargebäudes. Der fünfgeschossige Holzbau besteht aus nachwachsenden Rohstoffen, nutzt Solarthermie und Regenwasser, verfügt über eine begrünte Dachterrasse und ist somit ein gelungenes Beispiel für eine ganzheitliche und nachhaltige Nachverdichtung.

Das “Minimum Impact House” soll aber nicht das einzige seiner Art bleiben. Das erklärte Ziel von Drexler und seinen Architektenkollegen ist es, durch Schaffung von neuem attraktivem Wohnraum möglichst viele Menschen in der Innenstadt zu halten und dadurch den Verkehr zu reduzieren. Ein Beitrag zum Energiesparen, den Architektur leisten kann.

Nachverdichtung zur Lösung von Wohnungsknappheit

Mit seinen Studenten geht Hans Drexler deshalb auf “Baulücken-Safari”, auf der Suche nach schwer nutzbaren Restflächen und nach Gebäuden, bei denen die zulässige Höhe nicht ausgenutzt wurde, die also aufgestockt werden könnten. fackel-dachterrasseIntakte Grünflächen müssen für eine Nachverdichtung in diesem Fall nicht weichen. Stattdessen sehen die Entwürfe vor, zusätzlichen Grünraum durch Dachterassen oder in Form von begrünten Mini-Innenhöfen in die Gebäude hineinzuziehen, sodass auch in den eigenen Mauern kleine, grüne Oasen zur Erholung entstehen können. Für Drexler steht zunächst der städtebauliche Kontext im Vordergrund. Allerdings kann die Nutzung von Baulücken und das sich dadurch ergebende reduzierte Raumangebot in den Gebäuden in Zukunft auch ein interessantes Spielfeld für Innenarchitekten und Designer werden, zumal Bewohner zunehmend Ansprüche an Design und das Wohngefühl stellen (nebenstehend im Bild: Fackeln für Dachgärten aus dem Design Katalog von arshabitandi.de).

In einer Studie, die sich mit der Nachverdichtung in Frankfurt befasst, haben sich Drexler und Kollegen ein Areal von ca. 1 x 2 Kilometer im Kerngebiet der Stadt, im Nordend, gesucht und ermittelt, wie viele Minihäuser, Dachaufstockungen und Hofhäuser hier noch gebaut werden könnten. Das Ergebnis überraschte: Wenn all die ungenutzten Flächen bebaut würden, wäre ein Drittel des für die nächsten zehn Jahre für Frankfurt prognostizierten Bedarfs an Wohnraum gedeckt.

Hans Drexler ist es ein Anliegen die Herstellung der Gebäude, ihren Betrieb und Standortfaktoren im Zusammenhang zu betrachten. Seiner Ansicht nach hat eine innerstädtische Nachverdichtung sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile: Das Verkehrsaufkommen wird reduziert und eine Zersiedlung der äußeren Stadtrandgebiete verhindert. Auch wird Mobilität immer teurer und die tägliche Fahrt in die Stadt somit zum Luxus. Welchen Sinn haben also hocheffiziente Gebäude, wenn die eingesparte Energie beim Pendeln wieder verbraucht wird? So macht es also aus vielerlei Gründen Sinn, zuvor ungenutzte Lücken im Stadtbereich zu bebauen.

Bildquellen: DGJ (Bild 1), Youtube (Video), arshabitandi (Bild 2)