Minihäuser: Fertighäuser in klein

Wenn es an die Planung eines eigenen Zuhauses geht, ziehen heute mehr Menschen denn je ein Fertighaus in Betracht. Fertighäuser gibt es mittlerweile in schier unzähligen Ausfertigungen, von vielen verschiedenen Anbietern und in ganz unterschiedlichen Größen und Preisklassen. Ein neuer Trend: Das sogenannte Minihaus, bei dem es sich bei Neubauten in der Regel ganz einfach um ein kleines Fertighaus handelt.

Der Trend zum Fertighaus

Fertighäuser werden immer beliebter, was kaum verwundert, denn sie haben Massivhäusern in so mancher Hinsicht einiges voraus: So ist der Bau eines Fertighauses für den Bauherrn oftmals nicht nur mit weniger Stress verbunden, sondern kann auch günstiger sein. Dabei bleibt es dem Hauskäufer überlassen, wie viel Eigenleistung er erbringen möchte. Beschließt dieser beispielsweise, den Innenausbau selbst zu übernehmen, verringern sich laut Fertighausexperte Tobias Beuler die Kosten für das fast fertige Eigenheim deutlich – allerdings entfällt für die selbst ausgeführten Arbeiten selbstverständlich die Gewährleistung des Herstellers.
Fertighäuser glänzen aufgrund der Vorfertigung in vielen Fällen durch hervorragende Qualität. Auf der Massivhaus-Baustelle wird bei Wind und Wetter, sprich unter suboptimalen Bedingungen, gearbeitet, was je nach Bauweise zu eingeschränkter Präzision und Planbarkeit führen kann. Werden die Elemente dagegen im Werk vorgefertigt, geschieht dies unter idealen Gegebenheiten und die Gesamtqualität steigt. Ein Großteil der Arbeiten wird von Maschinen verrichtet, die mit einer geringen Fehlerquote punkten und dafür sorgen, dass Qualitätsstandards konstant eingehalten werden.

Eine Bauweise, die ausschließlich Vorteile mit sich bringt? Zu schön, um wahr zu sein! Die Nachteile von Fertighäusern sollen natürlich nicht verschwiegen werden. Hier deshalb ein kurzer Überblick über die Vor- und Nachteile von Fertighäusern und (gemauerten) Massivhäusern:

  • Vorteile Fertighaus
    • Muster- oder Referenzhäuser des präferierten Haustyps können besichtigt werden.
    • Geringere Herstellungskosten. Im Vergleich mit einem massiven Architektenhaus begründet sich der niedrigere Preis eines standardisierten Fertighauses dadurch, dass keine individuellen Planungskosten anfallen und das Haus zu einem hohen Grad im Werk vorgefertigt werden kann.
    • Gute Kostenplanbarkeit durch Standardisierung.
    • Hersteller bieten verschiedene Ausbaustufen an. Bauherren können hierdurch den Preis durch Eigenleistungen mit beeinflussen („Muskelhypothek“).
    • Kurze Bauzeit durch Vorplanung, Vorfertigung und Wegfall einer Trocknungszeit.
    • Witterungsunabhängiger Bau. Einzelteile werden im Werk vorgefertigt und am Bauplatz (auch in Phasen schlechten Wetters) innerhalb kürzester Zeit montiert.
  • Nachteile Fertighaus
    • Weniger Gestaltungsspielraum. Der Vorteil der niedrigen Planungskosten bringt den Nachteil mit sich, dass Änderungswünsche nicht oder nur zu hohem Zusatzkosten realisierbar sind.:
    • Im Fall des Holzrahmenbaus geringere Masse in der Gebäudehülle und dadurch geringere Wärmespeicherkapazität sowie geringerer Schallschutz. Im Sommer heizt sich das Haus leichter auf und im Winter kühlt es schneller aus. Wenn Kinder im Haus sind oder man beabsichtigt, Wand an Wand mit Nachbarn zu wohnen (wie es im Doppelhaus der Fall ist) sollte der Schallschutzaspekt nicht unterschätzt werden. Anders sieht es bei massiven Holzhäusern in Fertigbauweise aus.
    • In der Regel niedriger Wiederverkaufswert. Für transportable Modulhäuser muss dies nicht zutreffen, da diese nicht an einen bestimmten Standort gebunden sind und ggf. separat vom Grundstück verkauft werden können.
  • Vorteile Massivhaus („Stein auf Stein“)
    • Individuelle Planung lässt die Realisierung besonderer Gestaltungswünsche zu.
    • Massive Gebäudehülle begünstigt gesundes Raumklima, bessere Wärmespeicherung, guten Schallschutz, bessere Abschirmung vor elektromagnetischer Strahlung und geringere Folgekosten bei eventuellen Schäden an der Substanz.
    • Längere Nutzungsdauer. Massivhäuser sind in der Regel wertbeständiger als die meisten Fertighäuser und haben daher auch einen höheren Wiederverkaufswert.
  • Nachteile Massivhaus („Stein auf Stein“)
    • Höhere Baukosten.
    • Längere Bauzeit zzgl. Bautrocknungszeit.

 

Das Minihaus: Vorteile und grundsätzliche Überlegungen

Es gibt keine offizielle Definition, die festlegen könnte, ab wann ein Haus als Klein- oder Minihaus gilt. Der Begriff wird immer dann verwendet, wenn von sehr kleinen Häusern gesprochen wird. Und diese haben sich über die letzten Jahre zunehmend zu begehrten Objekten entwickelt. Doch was spricht eigentlich für ein Minihaus? Zunächst natürlich der Preis: Während größere Fertighäuser in guter Qualität kaum unter 100.000 € zu haben sind, starten die Preise für Minihäuser deutlich darunter. Für Singles oder kinderlose Paare stellt ein solches kleines Häuschen daher eine gute Möglichkeit dar, den Traum vom Eigenheim mit begrenztem Budget zu verwirklichen. Außerdem ist ein Minihaus eine praktische Möglichkeit, auf das Platzproblem, das in immer mehr deutschen Städten existiert, zu reagieren.

Musterhauszentren und Fertighauswelten

In Deutschland befinden sich mehrere Musterhauszentren und „Fertighauswelten“, die es potenziellen Käufern ermöglichen, sich verschiedene Fertighäuser – allerdings meist in konventioneller Größe – in der Realität anzusehen, diese zu begehen und sich so einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Zu den Standorten zählen Nürnberg, Günzburg, Köln, Wuppertal und Hannover. Vor dem Kauf eines Fertighauses – ob klein oder groß – empfiehlt es sich, verschiedene Modelle zu besichtigen und die Angebote unterschiedlicher Hersteller zu vergleichen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Modulhäuser und Tiny Houses

Bei den „Flying Spaces“ (oben im Bild) handelt es sich um spezielle Minihäuser der Firma Schwörer, die standardmäßig als (auf einem Tieflader) transportable Modulhäuser gefertigt werden. Mit Tiny Houses sind Hauseigentümer, die bereit sind, sich auf 15-20 qm Wohnfläche zu beschränken, noch etwas flexibler: Diese auf Pkw-Trailern aufgebauten Häuschen lassen sich mit einer entsprechend kräftigen Zugmaschine ohne Transportunternehen von A nach B bewegen und ermöglichen (legale Stellplätze vorausgesetzt) z.B. den saisonalen Wohnortswechsel – im Sommer in den Bergen, im Winter am Meer, oder auch umgekehrt. Mobile Minihäuser treffen den Zahn der Zeit, versprechen Flexibilität und machen Lust auf Abenteuer.

Bildquelle: Giovanni_cg/pixabay (Bild 1) 2211438/pixabay (Bild 2), Schwörer Haus (Bild 3)