Klimafreundlich und gesund:
Moderner Strohballenbau

Stroh in unterschiedlicher Form fällt als Abfallstoff schon so lange an, wie die Menschheit Ackerbau betreibt. Auch die Idee, das Material im Hausbau zu verwenden, ist uralt. Doch natürlich bleibt die Technologie nicht stehen, auch wenn man heute häufig zu altem Handwerk zurückkehrt und historische Erkenntnisse in moderne Methoden integriert. Wie sieht Strohballenbau heute aus?

Welche Bauformen gibt es?

Grundsätzlich lassen sich drei Arbeitsweisen unterscheiden:

Beim Holzständerwerk mit Ausfachung werden Strohelemente nicht unter statischer Last verbaut, sondern als Füllmaterial in einem Holzrahmen verwendet. Dabei trägt es sich selbst und Wandverkleidungsmaterial/ Putz. Das Material dient dabei der Wärmedämmung, dem Wandverschluss und als Träger für die Wandverkleidung.

Der Stroh-Holz-Elementbau setzt auf vorgefertigte Wandelemente, die nach einem ähnlichen Prinzip konstruiert sind. Bei der industriellen Fertigung eines Holz-Stroh-Hauses wird, wie bei einem Fertigteilhaus der Rohbau in Einzelreilen im Werk vorgenommen. Diese Teile können dann auf der Baustelle rasch auf dem Fundament montiert werden. So steht das Haus binnen weniger Tagen. Die gerade für die Verwendung von Strohballen mitunter kritische Abhängigkeit von Schönwetter wird erheblich verringert. Die gesetzlichen Vorgaben dazu sind mit denen herkömmlicher Fertigteilhäuser und für Strohballenbau mit Ständerwerk identisch.
Für Sanierungsvorhaben können auch kleinere kastenförmige Stroh-Holz-Module verwendet werden, die verschalt oder unverschalt bausteinartig vor allem als Dämmung zum Einsatz kommen und mit modernen Putzmethoden einfacher kompatibel sind.

Im Vergleich dazu ist der lasttragende Strohballenbau eine Ausnahme, die auf jeden Fall einer Genehmigung im Einzelfall bedarf. Hier ruht auf den Strohballen die senkrechte Dach- und Deckenlast, während der gezimmerte Rahmen vor allem dazu dient, horizontale Lasten aufzufangen.

Was spricht für den Einsatz von Strohballen?

Wie eingangs erwähnt, ist Stroh ein ohnehin vorhandenes Abfallprodukt. Anstatt es verrotten zu lassen, kann man auf diesem Weg in Biomasse gebundenes CO2 aus dem Klimakreislauf entnehmen und über viele Jahre in den Wänden eines Gebäudes festhalten. Die Ökobilanz des Materials ist entsprechend günstig. In Hinblick auf Nachhaltigkeit ist es damit sogar anderen Naturmaterialien wie Hanf, Flachs oder Baumwolle überlegen, die extra für die Dämmstoffgewinnung angebaut werden müssten.

Auch preislich kann Stroh hervorragend mithalten: Es gibt unter Umständen billigere Lösungen mit Schilf, Holzfasern oder verarbeiteter Zellulose, doch im Mittel sind Strohballen ungeschlagen. Ein weiterer Vorteil: Die vollständige Kompostierbarkeit des Materials, denn zum nachhaltigen Bauen gehört auch ökologische Rückbaubarkeit.

Gleichzeitig bietet eine Strohdämmung erstaunlich gute Werte in allen relevanten Kategorien: Wärmedämmung, Hitzeschutz, Feuchteregulation sowie Schallschutz und kann problemlos mit technisch aufwändigeren synthetischen Dämmmaterialien mithalten. In Sachen Brandschutz liegt es mit anderen Naturmaterialien gleichauf, wobei es aber schlechter abschneidet als Glas- oder Steinwolle.

Raumklima und Luftqualität

In Verbindung mit einem atmungsaktiven Putz kann Stroh als diffusionsoffener Wandaufbau einen wertvollen Beitrag zur Feuchtigkeitsregulation eines Hauses leisten. Hochdichte Isolationen in Verbindung mit modernen Dampfsperren liefern zwar ebenfalls gute Wärmedämmeigenschaften, können aber Luftfeuchte kaum ableiten. Das trägt erheblich zur Schimmelgefahr bei. Doch Naturmaterialien müssen sorgfältig und fachgerecht verarbeitet werden, denn sonst geht von der scheinbar ökologisch-verträglichen Lösung selbst das Risiko aus: In das Stroh eindringende Feuchtigkeit kann nicht nur die Dämmleistung ruinieren, sondern auch Ursache für Schimmelwachstum werden.

Üblicherweise kommt Baustroh in stark verpressten Ballen ohne künstliche Bindemittel zum Einsatz: Das Risiko, dass Kleber oder ähnliche Chemikalien ausdünsten, ist also nicht gegeben. In einigen der heute verfügbaren Dämmmaterialien werden aber auch Zuschlagstoffe verarbeitet, die Stabilisierung, Brandschutz, Schädlingsvermeidung oder Schimmelvermeidung dienen. Diese Substanzen wiederum können auch die Wohngesundheit negativ beeinträchtigen. Achten Sie auf Zertifikate und Nachweise, dass bei Ihrem Bauvorhaben derartig belastetes Material nicht zum Einsatz kommt!

Bildquellen: Petair (Bild 1), Bruno Mader (Bild 2-5), ExQuisine (Bild 6); jeweils via Stock.Adobe.com.

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