Der Tiny-House-Lifestyle:
minimalistisch, nachhaltig, autark

BesitzerInnen von Mini-Häusern und insbesondere von Tiny Houses halten es oftmals nicht für ausreichend, selber minimalistisch zu wohnen, sondern sie wollen auch ein Zeichen setzen: Sie setzen sich zum Ziel, möglichst ressourcenschonend zu leben, um daran mitzuwirken, das Verhältnis zwischen globalem ökologischem Fußabdruck und globaler Biokapazität zu verbessern – ein Verhältnis, dass sich in den vergangenen 50 Jahren dramatisch verschlechtert hat und für das jährlich nicht nur am „Erdübelastungstag“ Bilanz gezogen wird.

Mit dem Erwerb und Bewohnen eines Tiny Houses ist es bei dieser Zielsetzung selbstverständlich nicht getan – auch der Lifestyle muss stimmen, damit „Nachhaltigkeit“ keine Worthülse ist. Minimalismus bezeichnet in diesem Zusammenhang also nicht nur den reduzierten Wohnstil, sondern idealerweise auch den Lebensstil, auf den wir unser gesamtes Leben ausrichten. Der Verzicht auf Konsum, beziehungsweise der bewusste Konsum, ist hier das A und O. Wie das gehen kann, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst …

Weniger ist mehr

Um in erster Linie minimalistisch leben zu können, müssen Sie sich von einigen Dingen trennen. Meist besitzen wir ohnehin viel zu viel und das im Überfluss. Der Vorteil beim Tiny House ist, dass Sie hier von vorne herein nicht so viel unterbringen können. Ziehen Sie beispielsweise gerade erst ein und sind bei den Vorbereitungen zum Umzug, gilt es auszumisten.

Oftmals ist es jedoch nicht einfach, sich von Dingen zu trennen. Hier kann es helfen, sich zu vergegenwärtigen, dass es sich „nur“ um Gegenstände handelt. Die vermeintliche Abhängigkeit lässt sich damit leichter überwinden. Und: Sie können das Ausmisten auch sehr positiv sehen, in dem Sie alte, hochwertige Sachen beispielsweise verkaufen. Der Rest kann in Kartons gepackt und an Flohmarkthändler verschenkt werden.

Wenn Sie alles losgeworden sind, können Sie frisch in Ihr neues Leben im Tiny House starten.

Shoppen?! Wenn, dann nur bewusst

Minimalismus und Verzicht muss nicht bedeuten, dass Sie gar nichts mehr kaufen dürfen und komplett auf Konsum verzichten müssen. Dennoch wird der nächste Shoppingtrip mit der neuen Einstellung wohl etwas anders verlaufen. So sehr wir derzeit durch Corona Einschnitte in unserem Alltag hinnehmen müssen, der Lockdown kann sehr gut dabei unterstützen, weniger zu konsumieren.

Auch wenn bevorzugt regionale Geschäfte unterstütz werden sollten – auch dies gehört zum nachhaltigen Konsum – bringt es die aktuelle Phase mit sich, dass außer den Artikeln des täglichen Bedarfs vermehrt online eingekauft wird. Auch wenn es sehr bequem sein mag, von der Couch aus zu shoppen, versuchen Sie bewusst nicht zu viel einzukaufen und wenn, dann seien Sie sparsam bei Ihren Einkäufen! Das Shoppen im Internet hilft zwar Kontakte zu vermeiden und macht eine Fahrt in das nächste Einkaufszentrum obsolet, bewirkt langfristig aber, dass kleine regionale Händler ihre Geschäfte aufgeben müssen. Der Mega-Auswahl im Internet können sie oft nur den persönlichen Service entgegenhalten.

Fragen Sie sich also vor jedem Einkauf, ob er wirklich notwendig ist und ob Sie den Bedarf nicht auch in einem Laden vor Ort decken können. Hinterfragen Sie Ihr Kaufverhalten, um unnötiges Geldausgeben zu vermeiden, die Umwelt zu schonen und gegebenenfalls die regionale Wirtschaft zu unterstützen!

Raus aus der Stadt

Die meisten Tiny-House-Bauherren in spe träumen davon, ihr Häuschen ins Grüne stellen zu können, hier der Hektik der Stadt zu entfliehen und in Ruhe zu leben. Sofern sie ein entsprechendes Grundstück für ein Tiny House finden können, ist dieser Gedanke nicht abwegig, denn an solchen Standorten beschäftigen wir uns automatisch mehr mit der Natur, sind eher geerdet und dadurch entspannter.

In so einem Setting ist zudem das Risiko geringer, ständig mit Konsumgütern konfrontiert zu werden: Laufen Sie beispielsweise durch die Stadt und schauen sich um, können Sie sich vor Schaufenstern und Werbebannern kaum retten. Die Gefahr irgendetwas Unnötiges zu kaufen ist allgegenwärtig. Diesem Risiko können Sie auf dem Land entfliehen.

Lebensmittel anbauen

Versuchen Sie so viele Zutaten wie möglich für Ihr Essen selbst anzubauen. Wie gut das funktioniert, ist abhängig vom Platz, den Sie innerhalb und außerhalb Ihres Tiny Houses haben. Der Anbau eigener Lebensmittel hat eine ganze Menge an Vorteilen:

  • Weniger Abhängigkeit von Supermärkten
  • Bioqualität des Essens
  • Meist besserer Geschmack
  • Weniger Emissionen von Treibhausgasen
  • Lebensräume für Tiere (Bienen) werden geschaffen
  • Mehr Bezug zum Jahreszyklus

 
Das Anbauen eigener Lebensmittel hat eine ganze Reihe von Vorteilen, die dem Schutz der Umwelt und Ihnen zugutekommen.


Bewusste Ernährung

Noch wichtiger als eigens angebaute Lebensmittel, ist der bewusste Umgang mit dem Essen für ein weniger konsumorientiertes Leben. Genießen Sie die breite Lebensmittelvielfalt von Obst, Gemüse, Getreide, Nüssen, etc. Achten Sie dabei darauf, dass Sie möglichst regional und saisonal essen.

Ergänzen Sie ihren Speiseplan mit tierischen Lebensmitteln, wie etwa mit Eiern und Milchprodukten. Wenn Sie Fleisch und Fisch auf den Tisch bringen wollen, achten Sie darauf, dass auch dies aus regionalen Biobetrieben stammt.
Die Hühnerhaltung im Garten – zu der Sie bei uns im Blog viele Tipps finden – ist ebenfalls hilfreich zurück zu einem natürlichen Bewusstsein bezüglich der Herkunft unserer Nahrungsmittel zu finden. Viele Hühnerhalter verzehren nur die Eier und erfreuen sich ansonsten einfach an diesen netten Tieren. Wenn es an die Frage geht, ob die eigenen Tiere – zum Beispiel überzählige Hähne aus der Nachzucht – auf den Tisch kommen, wird manch einem bewusst, wie abstrakt der Einkauf eines Huhns aus dem Kühlregal doch ist.

Ganz allgemein aber: Vermeiden Sie Fertig- und Convenienceprodukte und kaufen Sie nach Möglichkeit unverpackte Waren ein.

Achtsamkeit

Der Drang nach Konsum kommt meist aus dem Inneren der Menschen. Sie geben sich mit ihrer aktuellen Situation nicht zufrieden und denken, sie könnten mit einem Kauf irgendetwas ändern. Sie vergessen daneben im Jetzt zu Leben und sich mit dem zufrieden zu geben, was sie haben.

Damit Ihnen so etwas nicht passiert, sollten Sie sich in Achtsamkeit üben, um die Gegenwart schätzen zu lernen und nicht in der Zukunft oder der Vergangenheit mit Ihren Gedanken festzustecken.

Selber anpacken und reparieren

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Alltagsgegenstände, die wir täglich benutzen gehen beispielsweise schneller kaputt, als es uns lieb ist. Meist landen die Sachen dann im Müll. Das lässt sich allerdings auf verhindern, indem Sie erst einmal überprüfen, ob sich der Gegenstand nicht doch noch retten oder gar reparieren lässt. Dadurch werfen Sie nicht nur weniger weg, sondern sie sparen zudem noch weiteren Verpackungsmüll ein, weil Sie nicht noch etwas Neues dazukaufen müssen.

Bildquellen: Mert Guller/Unsplas (Bild 1), Markus Spiske/Unsplash (Bild 2).

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