Von der Idee zum sichtbaren Entwurf: Architekturmodelle

Ein Tiny House mit 15 Quadratmetern Grundfläche und trotzdem ganz viel Raum zum Leben: Wie kann das aussehen? In der Architektur ist es üblich, nicht nur Ideen und Theorien zu präsentieren, sondern detaillierte Modelle zur Veranschaulichung. Dabei macht es einen erheblichen Unterschied, ob es sich um ein Arbeitsmodell oder ein Präsentationsmodell handelt – sowohl in Bezug auf die investierte Zeit als auch die verwendeten Materialien.

Was ist ein Architekturmodell?

Grundsätzlich hat ein Modell in der Architektur eine ganz wichtige Aufgabe: Es dient dazu, dem Bauherren, der interessierten Öffentlichkeit oder einem Investor vor Baubeginn das geplante Objekt zu präsentieren. Da die meisten Menschen nicht wie Ingenieure oder Architekten in Bauplänen denken, sind die Modelle möglichst reale Abbildungen der Entwürfe in verkleinertem Maßstab.

So zeigt sich ganz real und dreidimensional, wie das Gebäude später einmal aussehen soll. Wichtig ist dabei, dass die Modelle meist abstrakt gehalten sind. Das heißt, alle Bauteile sind aus demselben Material gefertigt, sodass der Entwurf im Vordergrund steht. Details wie Ziegel, Pflasterungen oder Farben werden nicht dargestellt. Stilisierte Bäume oder Autos werden hingegen oft einbezogen, um das Modell anschaulicher zu machen.

Unterschiedliche Varianten von Modellen

Wenn ein Architekt ein Modell baut (und das gehört für viele Baukünstler zum täglichen Geschäft), unterscheidet er nach verschiedenen Typen:
Beim städtebaulichen Modell geht es zum Beispiel darum, ein ganzes Stadtviertel mit seinen Gebäuden und geographischen Besonderheiten abzubilden. Das kann interessant sein, um eine geplante Minihaus-Siedlung zu visualisieren. Für den Bauherren ist hingegen vielmehr das eigene Gebäude wichtig, das als Entwurfsmodell vorgestellt wird.

Zudem gibt es eine zweite Unterscheidung nach Arbeitsmodell oder Präsentationsmodell. Ersteres dient Architekten vor allem dazu, den eigenen Entwurf kritisch zu betrachten. Es kommt durchaus vor, dass hier Wände verschoben oder neue Fenster geschnitten werden, weil es im Gesamteindruck stimmiger aussieht. Entsprechend ist das Arbeitsmodell nicht so fein und präzise gestaltet.

Ganz anders das Präsentationsmodell: Es besticht durch eine hohe Genauigkeit, saubere Schnitte und hochwertige Materialien. Das hat einen guten Grund, denn es soll dem Bauherren oder (wenn es sich um einen Wettbewerbsbeitrag handelt) einer Jury den Entwurf bestmöglich präsentieren.

Aus der Praxis: So entsteht ein Architekturmodell

Ob Arbeitsmodell oder Präsentation eines innovativen Minihaus-Viertels: Wie baut ein Architekt seine Modelle? Tatsächlich ist das überwiegend Handarbeit. Große Büros haben zwar Lasercutter und Stanzmaschinen, doch mindestens das Zusammensetzen der einzelnen Teile erfolgt dann manuell mit Kleber, Lineal und Maßstab. Zudem gibt es ganz eigene Materialien und Hilfsmittel, die zum Einsatz kommen. Wände und Böden bestehen zum Beispiel oft aus

  • Finnpappe (hochwertig und sehr universell)
  • Wellpappe (vor allem für Landschaften)
  • Graupappe (günstig und meist für Arbeitsmodelle)

 

Für die städtebaulichen Modelle werden die Häuser in der Regel weniger aufwendig aus Kunststoffen geschnitten. Polystyrol ist hier das Material der Wahl, wobei zunehmend auch der 3D-Druck zum Einsatz kommt. Sollen auch Bäume, Figuren und Co. ins Modell integriert werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Am einfachsten, aber auch am teuersten ist es, fertige Bauteile beim Architekturbedarf zu kaufen. Als alternative Bezugsquelle bieten sich die einschlägigen Portale für Künstlerbedarf wie Modulor, Boesner und Gerstäcker an. Well- und Vollpappzuschnitte erhält man auch direkt bei einer Kartonagenfabrik wie zum Beispiel bei der Fa. Kartonfritze. Insbesondere Studenten setzen oft auf selbstgebastelte Modelle aus Pappe.

Wie bereits erwähnt, werden bei Präsentationsmodellen oft Bäume und Sträucher hinzugefügt um das Setting des Gebäudes zu veranschaulichen. Diese lassen sich mit etwas Fantasie – oder mittels Inspiration durch Pinterest-Pins – leicht selber basteln. Als Ausgangsmaterial eignen sich je nach zu erzielendem Look so unterschiedliche Dinge wie

  • getrocknete Blütenstände
  • Draht
  • Schaumgummibälle
  • Flaschenbürsten
  • Styrodur …

 

Virtuelle Modelle

Mit dem Einzug des Computers ist auch der Modellbau zum Teil digital geworden. Der Vorteil: Am Bildschirm entstehen innerhalb kurzer Zeit dreidimensionale Visualisierungen, bei denen der korrekte Maßstab direkt aus den Plänen ermittelt wird. Selbst aufwendige Zeichnungen sind damit schnell umgesetzt.

Bildquellen: Anne-Aël Tournier, Les Petites Architectures (Bild 1), CalderOliver/Lawrence Scarpa (Bild 2; CC BY-SA 3.0), John Hejduk / Het Nieuwe Instituut – Architecture Collection (Bild 3)

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