Klein bauen in Deutschland – die wichtigsten Bestimmungen

Ein Tiny House, davon träumen viele: Ein kleines Häuschen ganz den eigenen Wünschen entsprechend. Nicht mehr – und nicht weniger. Doch welche Hürden gibt es?

„Fridays for Future“ hat einmal mehr gezeigt: Nachhaltigkeit und überlegteres Konsumverhalten sind gefragt. So sind auch Down-Sizing und Minimalismus beim Wohnen nicht nur eine Antwort auf den aktuellen Wohnungs- und Immobilienmarkt mit immer weiter steigenden Preisen für Bauland und Wohneigentum – es ist zudem die Sehnsucht nach Reduktion, nach mehr Freiheit und Flexibilität und dem Besinnen aufs Wesentliche. Hinzu kommt bei vielen Menschen der Wunsch nach Unabhängigkeit, nach mehr Nähe zur Natur – also ein neues Lebensgefühl. Auch die Besinnung auf sich selbst spielt eine Rolle – wie die Frage: Was ist mir wirklich wichtig? Brauche ich all die Dinge oder belasten sie nur? Der Trend des flexiblen Tiny Houses auf Rädern kommt aus den USA, wo er im Zuge einer Immobilienkrise Ende des 20. Jahrhunderts einen Boom erlebte. Es konnte von jedem nachgebaut werden und war so eine erschwingliche Alternative.


Tiny Houses “on Wheels” in Deutschland

Nun kann man leicht eine Parallele ziehen: Auch hierzulande steigen die Immobilien- und Grundstückspreise scheinbar ungebremst. Eine Chance könnte es da sein, Restgrundstücke, Mini-Parzellen oder Dachflächen sinnvoll zu nutzen, indem man hier Mini-Häuser platziert. Fakt ist jedoch, dass das Aufstellen eines Tiny Houses in Deutschland oft weit schwieriger ist: Anders als in den USA, wo für Tiny Houses gegebenenfalls die Bestimmungen für „RVs“ (Recreation Vehicles) gelten, gilt bei uns selbst für das Aufstellen bzw. permanente Bewohnen eines Tiny Houses immer das vor Ort gültige Baurecht. Sobald das Minihaus oder Tiny House als Hauptwohnsitz genutzt wird, unterliegt es als Gebäude der Gebäudeklasse 1 der Landesbauordnung. Das bedeutet, dass man in der Regel einen Bauantrag stellen muss, und dass das Tiny House verschiedene Anforderungen der jeweiligen Landesbauordnung zu erfüllen hat.

Ein Tiny House auf Rädern muss, wenn es auf der Straße bewegt werden soll, auch der Straßenverkehrsordnung entsprechen und braucht eine Zulassung als Wohnwagen oder Anhänger mit „ordentlich gesicherter Ladung“. Zudem sollte man sich fragen, wie viel Platz man tatsächlich braucht, und ob man als „Nomade“ umherziehen will oder an einem festen Ort bleiben möchte. Viele denken, dass man ein Tiny House „on Wheels“ einfach mit dem Auto irgendwohin ziehen kann. Wer einen bis zu 3,5 Tonnen schweren Anhänger ziehen möchte, braucht Anhängerführerschein (Klasse BE) und ein passendes Auto mit Anhängerkuppelung, welches in der Lage ist so ein Gewicht auch zu bewegen – von der Herausforderung einen schweren Anhänger an der Kupplung zu haben, ganz zu schweigen.


Baugebiete für Minihäuser und Tiny Houses

Wer über einen festen Standplatz nachdenkt, kann unter Umständen in sogenannten „Sondergebieten für alternative Wohnformen“ oder in einem „Gebiet zur Erhaltung und Entwicklung der Wohnnutzung“ das Aufstellen eines Tiny Houses genehmigt bekommen. Das kann teilweise einfacher sein als in einem normalen Wohngebiet. In Sondergebieten für Ferien- und Wochenendhäuser, die oft eher außerhalb im Grünen liegen, gelten ebenfalls andere Baubestimmungen – hier ist das Aufstellen von Minihäusern mit bis zu 50 qm überbauter Fläche aufgrund eines übergreifenden Bebauungsplans in der Regel verfahrens- und genehmigungsfrei. Allerdings kann das Haus dann auch nur als Wochenend- oder Ferienhaus genutzt werden, also nicht als Hauptwohnsitz. Dauerhaftes Wohnen ist hier also nicht erlaubt, wenngleich es mancherorts geduldet wird. In jedem Fall muss das Grundstück, auf dem das Tiny House stehen soll, erschlossen sein, also ans öffentliche Straßen- sowie an das Ver- und Entsorgungsnetz angebunden sein.

Nachhaltig bauen mit Tiny Houses

Wie nachhaltig ein Tiny House ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Grundsätzlich kann man sagen, dass es wegen seiner geringen Grundfläche wenig Platz braucht und wegen des geringen Bedarfs an sogenannter „grauer“ Energie ressourcenschonender als ein großes Einfamilienhaus ist. Eine andere Sichtweise ist aber, dass Tiny Houses über eine im Verhältnis zum Volumen große Außenfläche verfügen und damit weniger energieeffizient sind. Ausgeglichen werden kann dieser Aspekt aber über selbst produzierten Strom.

Bildquellen: TexalsPixelPro (Bild 1), Passakorn Prothien (Bild 2), jeweils via istock.com.

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