
Umziehen mitsamt dem Minihaus:
Was spricht dafür, was dagegen?
Zu Hause ist es schön. Aber 100 Kilometer weiter, da ist es noch ein bisschen schöner. Wäre es nicht toll, einfach das eigene Haus zu nehmen und an anderer Stelle abzuladen …? Für die meisten nur ein Wunschtraum, mit einem Tiny House „on Wheels“ oder einem Modulhaus kann er Realität werden. Allerdings hat ein Umzug mit dem komplettem Haus – selbst wenn es transportabel ist – so seine Tücken …
Umzug mitsamt dem Minihaus: Wann ist er möglich?
Es ist naheliegend, dass ein Stein auf Stein gebautes Haus nicht gern umzieht. Der Aufwand würde sicher in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Aber je kleiner und mobiler das Heim ist, umso eher kommt ein Komplettumzug in Frage.

Umzug mit dem Tiny House „on Wheels“
Am einfachsten – wobei einfach hier nicht wirklich mühelos bedeutet –, ist es bei einem echten Tiny House „on Wheels“. Damit das Tiny House am Straßenverkehr teilnehmen kann, darf es nicht breiter als 2,55 Meter und nicht höher als 4 Meter sein. Außerdem gibt es ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen.
Wer alles einhält, kann das Haus durch einen technischen Dienst (wie z.B. den TÜV oder die DEKRA) als Wohnwagen abnehmen lassen. Alternativ kann das Tiny House auch als Ladung transportiert werden – hierfür muss es jedoch nachweisbar händisch vom Unterbau lösbar sein. Für den Transport müssen die Fenster gesichert werden und die Möbel festgezurrt. Aller Kleinkram wird am besten in Umzugskartons verpackt, dann kann es losgehen. Ach so: Ein zugkräftiges Fahrzeug ist auch noch von Vorteil …

Umzug mit anderen Arten von Minihäusern
Wer ein transportables Wohnmodul anderer Art besitzt, wird sich vermutlich davon verabschieden müssen, den Umzug in Eigenregie durchführen zu wollen. Es sei denn, ein LKW samt Führerschein der Klasse 3 oder mindestens C1 steht zur Verfügung. Der ist dann nämlich erforderlich.
Am einfachsten lässt sich der Transport eines Wohnmoduls arrangieren, wenn es mit Container-Standardmaßen auf einer Wechselbrücke aufgebaut wurde oder eine Umrüstung hierfür möglich ist. Damit lässt sich das Minihaus mit einem Euro-Lkw ganz einfach unterfahren oder kranen und ohne jegliche Sondergenehmigung von A nach B transportieren.

Für Wohnmodule mit mehr als 2,90 m Höhe wird – da die Gesamthöhe von Anhänger und Ladung 4,00 m nicht übersteigen darf – in der Regel ein Tieflader als Transportfahrzeug verwendet. Wie ein Transport mit Tieflader abläuft, zeigt das folgende Video von Schwörer Haus:
Bei Überbreite und/oder -höhe muss eine Transportgenehmigung für einen Großraumtransport mit Überbreite für die betreffende Strecke eingeholt werden. Je nachdem, um wieviel Überbreite es sich handelt, kann die dem Transportunternehmen pauschal erteilte Genehmigung ausreichen. Bei extremen Übermaßen kann – um den Verkehr bei Tag nicht zu behindern – ein Transport bei Nacht und mit Begleitfahrzeug nötig sein.
Tiny House Planungs-Tool
Damit Sie bei der Vielzahl an Tiny-House-Herstellern den Durchblick behalten und sich ganz bequem von zu Hause aus einen Überblick verschaffen können, haben wir zusammen mit den führenden Tiny-House-Experten das folgende kostenlose „Tiny House“- Planungs-Tool ins Leben gerufen. Dieses funktioniert dabei nach folgendem Grundsatz: 1. Bedarf festlegen, 2. Passende Anbieter finden, 3. Inspirieren lassen (Beispiele, Ideen, etc.), 4. Tipps zur Planung erhalten. Wir wünschen viel Spaß und Erfolg damit:)
Umzug mitsamt dem Minihaus: Vorteile & Nachteile
Generell lässt sich sagen: Mit einem Tiny House „on Wheels“ ist ein Komplett-Umzug zwar machbar, aber nicht sinnvoll: Selbst bei der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80km/h können versierte Fahrer ins Schwitzen kommen. Wie der Aufbau auf dem Anhänger in der Kurve oder bei Seitenwind reagiert, wird gerne unterschätzt – ganz zu schweigen vom Rangieren im deutschen Verkehrsraum mit seinen nicht allzu üppigen Maßen. Bilder aus den USA, wo Bungalows mal eben durchs Land gekarrt werden, lassen so eine Aktion natürlich in einem anderen – für hiesige Verhältnisse wenig realistischen – Licht erscheinen.

Gegen einen Umzug mit dem Tiny House, ja selbst gegen jeglichen unnötigen Transport, spricht die Konstruktionsweise: Tiny Houses sind wie Holzhäuschen konstruiert, nicht wie Wohnwagen. Das heißt, sie sind keine Kabine aus einem Guss. Die Quittung bekommt man möglicherweise nach der Tour: Durch die Bewegung gerissene Silikonfugen entlang der Duschtasse beispielsweise lassen Feuchtigkeit in die Wand oder den Unterbau eintreten und begünstigen damit (sofern unbemerkt geblieben) die Entstehung von Schimmel … Ist ein Umzug mit dem Tiny House also überhaupt sinnvoll?
Zu den Vorteilen zählt ganz klar der praktische Aspekt: Mit dem eigenen Haus umzuziehen, ist nicht ohne Grund ein Wunschtraum:
- Keine Eingewöhnung in der neuen Wohnung,
- Werte bleiben mutmaßlich erhalten,
- Besichtigungen oder Neukauf entfallen – lediglich ein neues Grundstück ist nötig.
Ebenfalls positiv ist in vielen Fällen der Kostenaspekt: Tatsächlich ist der Umzug mitsamt dem Minihaus nicht besonders teuer. Allerdings ist es ein Trugschluss, anzunehmen, dass das Haus mit komplett eingeräumten Schränken durch die Lande fährt: Wie bei einem klassischen Umzug sind Umzugskartons und Packmaterial nötig. Wer den eigenen Umzug kostengünstig planen möchte, denkt am besten frühzeitig an alle Eventualitäten. Gebrauchte Kartons sind zum Beispiel hilfreich, um Geld zu sparen. Wer einen großen Freundeskreis hat, bekommt Hilfe gegen ein Mittagessen oder kann sich später revanchieren.
Wer vor dem Transport den Wassertank leert und das Tiny House ausräumt, kommt (im wahrsten Sinn des Wortes) leichter auf die zulässigen 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Die Küchenausstattung, alle freistehenden Möbel, (sofern vorhanden) natürlich auch die Waschmaschine … all dies erleichtert das Tiny House durch ein Ausräumen enorm. Ob diese Maßnahme Sinn macht, ist von Fall zu Fall zu entscheiden, denn die ausgebauten Teile müssen schließlich separat befördert werden.
Nachteilig ist ohne Frage der logistische Aufwand: Eine Speditionsfirma muss beauftragt werden, das Haus muss von der öffentlichen Versorgung abgekoppelt und am Zielort neu angeschlossen werden. Je nach Aufwand und Umfang des Transports bleibt abzuwägen, ob der Nutzen des Umzugs mit eigenem Minihaus die Umstände wirklich rechtfertigt. Verlockend ist der Gedanke, mit dem eigenen Haus umziehen zu können, aber auf jeden Fall.
Bildquellen: Cabin One (Bild 1), inrainbows / Shutterstock (Bild 2), ÁBATON Arquitectura (Bild 3), Reset House (Bild 4), nat2851terry / stock.adobe.com (Bild 5).

