Tiny House vs. Modulhaus –
Vorzüge und Nachteile (1)


Der Begriff „Tiny House“ wird mittlerweile sowohl in den Medien als auch von Bewohnern aller möglichen kleinen Behausungen für ebensolche verwendet. Bei unseren Beratungen und auch hier auf der Website trennen wir die Begriffe nach wie vor und bezeichnen nur die Tiny Houses „on Wheels“, also auf Rädern, als Tiny Houses. Alle anderen Gebäude sind bei uns Minihäuser oder Kleinhäuser und können – entsprechend der Bauweise oder dem Konzept – weiter unterschieden werden. Diese Unterscheidung bewährt sich einerseits dahingehend, dass leichter und schneller geklärt werden kann, welche Wohnform den jeweiligen BauherrInnen als zukünftiges Zuhause vorschwebt, und andererseits lassen sich auch Bauvoranfragen ohne Missverständnisse stellen … Soviel vorab zur Begriffsklärung.

Tiny Houses (on Wheels) werden gerne als superflexible Wohnlösung angesehen, als singlefreundlich, kostengünstig und natürlich sehen sie niedlich aus. Kein Wunder also, dass es in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Hype kam.
In diesem Artikel möchten wir eine Lanze für Modulhäuser brechen und erläutern, welche Vorzüge sie gegenüber Tiny Houses (on Wheels) haben, aber auch für wen ein Tiny House dennoch die bessere Wahl sein kann.
Modulhaus gekoppelt

Tiny Houses (on Wheels): Einschränkungen zugunsten von Mobilität

Das Wohnkonzept der Tiny Houses stammt aus den USA, wo Häuschen auf Trailern zum Wohnen in RV Parks abgestellt werden können. Ganz wie hierzulande auf Campingplätzen muss die Behausung dazu ein Fahrgestell haben. Der Unterschied liegt allerdings darin, dass in Deutschland auf den wenigsten Campingplätzen gewohnt werden darf und die „Wohnwägen“ eine Höhe von 3,50 m nicht überschreiten dürfen. Wer mit dem Wohnen in einem Tiny House liebäugelt, stellt sich aber zumeist auch gar nicht vor, damit auf einem Campingplatz zu wohnen.

Das Fahrgestell und die Möglichkeit, das Tiny House auf der Straße zu bewegen, bringt – auch wenn zumindest die deutschen Tiny Houses nicht zum Reisen gedacht sind – einige Einschränkungen mit sich:
Die Maße sind mit maximal 2,55 m in der Breite und 4,00 m in der Höhe sehr begrenzt. Hinzu kommt ein zulässiges Maximalgewicht von 3,5 to inklusive Fahrgestell. Das alles limitiert die Möglichkeiten zum Aufbau einer soliden Gebäudehülle enorm.

Tiny House Planungs-Tool

Damit Sie bei der Vielzahl an Tiny-House-Herstellern den Durchblick behalten und sich ganz bequem von zu Hause aus einen Überblick verschaffen können, haben wir zusammen mit den führenden Tiny-House-Experten das folgende kostenlose „Tiny House“- Planungs-Tool ins Leben gerufen. Dieses funktioniert dabei nach folgendem Grundsatz: 1. Bedarf festlegen, 2. Passende Anbieter finden, 3. Inspirieren lassen (Beispiele, Ideen, etc.), 4. Tipps zur Planung erhalten. Wir wünschen viel Spaß und Erfolg damit:)

Tiny House Planungs-Tool
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Holzständerbauweise mit halber Wandstärke

Obwohl die Holzrahmen- oder Holzständerbauweise (mit der auch Tiny Houses erstellt werden) einen schlanken Wandaufbau ermöglicht, bewegt sich die Wandstärke bei einem „normal großen“ in dieser Bauweise gebautem Haus immerhin zwischen 25 und 35 cm. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass der Wohnraum in einem Tiny House bei einem solchen Wandaufbau sehr schmal werden würde (wir erinnern uns: das Außenmaß darf in der Breite maximal 2,55 m sein). Anders als in Modulhäusern, die bei gleicher Wohnfläche nicht solchen Beschränkungen unterliegen, gäbe es in Tiny Houses neben den erforderlichen Einbauten nicht mehr genügend Bewegungsfreiheit. Die gewohnten Yoga-Übungen am Morgen müssten Sie auf den Sonnengruß reduzieren, wenn Sie nicht seitlich anstoßen wollen.

Innenraum Tiny House

Um nicht zu viel Wohnfläche zu verlieren, wird die Wandstärke also um etwa die Hälfte der üblichen Stärke reduziert und in der Regel mit Polystyrol gedämmt, um Gewicht zu sparen. Mit ökologischen Dämmstoffen wird es bei dieser Wandstärke nämlich auch nicht einfach, die Vorgaben der Energieeinsparverordnung einzuhalten, deren Nachweis für eine Baugenehmigung erbracht werden muss.

Solche Einschränkungen gibt es bei Modulhäusern nicht: Weder müssen sie ein bestimmtes Maximalgewicht einhalten noch solch geringen Außenmaße. Wohnmodule werden meist mit einer Breite von 3,50 m angeboten, da diese dann noch in einem Stück auf einem Tieflader transportiert werden können.

Die Frage ist also: Muss das eigene Haus tatsächlich mobil sein oder reicht es, dass es transportabel ist? Um diese Frage, um einen Kostenvergleich und um die tatsächlichen Vorteile von Tiny Houses (on Wheels) geht es im zweiten Teil dieses Artikels.

Bildquellen: inrainbows/Shutterstock.com (Bild 1), alexandre zveiger / stock.adobe.com (Bild 2), ppa / stock.adobe.com (Bild 3).

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