Think big, live small: Wie klein darf's denn sein?

Etwas Ähnliches wie Tiny Houses kennen die meisten von uns schon aus der Kindheit: Peter Lustig machte den unkonventionellen Lebensstil im gepimpten Bauwagen berühmt. Tiny Houses sind jedoch mehr als aufgemotzte Bauwagen: Der Wandaufbau entspricht von vorneherein dem eines Holzständerhauses und auch architektonisch muten die Häuschen auf Rädern wie ein kleines Wohngebäude und nicht wie ein Holzwohnwagen an. Dennoch, was für den einen den Traum auf Erden darstellt, mag bei anderen lediglich ein Stirnrunzeln auslösen.

Tauchen Sie im folgenden Artikel mit uns in die Welt der Minimalhäuser ein und lassen Sie sich begeistern! Und wer weiß, vielleicht geben Sie ja schon bald selbst Ihr eigenes Minihaus in Auftrag …

Was ist ein Tiny House?

Ein Tiny House “on Wheels”, also auf Rädern, zeichnet sich in der Regel durch eine Grundfläche von 15-18 Quadratmetern aus – hinzu kommt bei den Tiny Houses mit Satteldach meist ein Schlafloft, welches jedoch aufgrund der geringen Höhe nicht zur Wohnfläche hinzugezählt werden kann. Zugunsten der Mobilität sind diese Häuschen auf einem Fahrwerk mit Tandem-Achse aufgebaut und können hinter einen zugkräftigen Pkw gehängt werden.

Neben Tiny Houses gibt es eine zunehmende Zahl an Minimalhäusern jeglicher Güte. Die Wohnfläche wird durch trickreiche Konstruktionen optimal genutzt. Das Bett unter dem Giebel, versteckte Stauräume und ausklappbare Möbel bieten den Besitzern alles an Einrichtung, was es zum guten Wohnen braucht. Aber Minimalhäuser sind nicht nur funktional eingerichtet: Moderne Kleinsthäuser, wie das auf dem folgenden Foto abgebildete Cabin One, bestechen durch ein ansprechendes Design – innen wie außen – und können daher ein richtiger Augenschmaus sein.

Tiny Houses oder Wohnmodul, mobil oder transportabel?

Auch wenn sich der Platz im Tiny House auf ein Minimum reduziert, zeichnet sich diese Wohnform je nach beabsichtigter Nutzung durch den einen oder anderen Vorteil aus: Tiny Houses „on Wheels“ sind zwar in der Regel nicht fürs Reisen konzipiert, aber bei Bedarf lässt sich aufgrund der Räder relativ einfach der Standplatz wechseln. Größere Modelle, die das für den Straßenverkehr zulässige Maximalgewicht von 3,5 Tonnen überschreiten, werden – genauso wie Wohnmodule ohne Räder – per Kran verladen und auf einem Tieflader zum nächsten Standort transportiert.

Von den meisten Minihaus-Enthusiasten wird die Transportfähigkeit als großer Pluspunkt angesehen, lässt sich so doch bei Bedarf relativ unkompliziert mitsamt dem Hausstand – und samt dem Haus – umziehen.

Herausforderungen, die Tiny Houses mit sich bringen

Ein Tiny House bietet zahlreiche Vorteile, kann seine Besitzer jedoch auch vor die ein oder andere Herausforderung stellen. Diese beginnen oftmals schon bei der Bauplanung:

Bauherren, die ihr eigenes Haus selbst entwerfen möchten, werden rasch merken, wie schwierig es ist, kleine effiziente Grundrisse zu planen. Da sich die transportablen Minihäuser erst seit Kurzem etabliert haben, gibt es zwar bereits einige beeindruckende Vorbilder, aber noch kaum professionell erstellte Baupläne, an denen man sich orientieren kann.

Der begrenzte Wohnraum hat aber nicht nur Auswirkungen auf den Grundriss, sondern beeinflusst natürlich das gesamte Leben: Für viel Besitz gibt es schlicht und einfach nicht genug Stauraum. Falls Sie sich also für den Bau oder Kauf eines Minihauses entscheiden, sollten Sie sich beizeiten von einem ausladenden Kleiderschrank und Ihrer Büchersammlung verabschieden.

Nicht zuletzt gibt es auch zu bedenken, dass Tiny Houses keine passende Behausung für Familien sind – die Entwürfe sind maximal auf zwei Personen ausgerichtet. Möchte man flexibel bei der Familien- oder Beziehungsplanung sein, ist es ratsam, sich eher in Richtung Modulhaus zu orientieren. Bei den Wohnmodulen jedoch beginnen die Flächen bei etwa 25 Quadratmetern mit variabler Erweiterung. Durch Koppelung beziehungsweise späteren Anbau lässt sich ganz nach Bedarf weitere Wohnfläche schaffen und der Wohnraum besser strukturieren.

Das führt uns zum nächsten Punkt: Privatsphäre. Tiny Houses bestehen in der Regel aus einem einzigen Raum, der optimal genutzt wird. Es gibt also keine Möglichkeit zum Zurückziehen – weder vor dem Partner, noch vor Kindern, noch vor Haustieren.

Was kostet ein Tiny House und was ein modulares Minihaus?

Die Kosten eines Tiny House „on Wheels“ sind natürlich in erster Linie von den Baumaterialien, der Ausstattung und der Größe abhängig. Beim Eigenbau kann ein Budget zwischen 20.000 und 30.000 Euro ausreichen, um sich den Traum vom Mini-Eigenheim zu verwirklichen. Die Preise für bezugsfertige Tiny Houses beginnen bei rund 65.000 Euro, was einem Quadratmeterpreis von etwa 3.5000 Euro entspricht – wesentlich höher also als bei konventionellen Wohnhäusern. Die Preise für Modulhäuser beginnen dagegen bei um die 2.500 Euro pro Quadratmeter.

Wegen des – im Vergleich zu konventionellen Häusern – kleineren Kaufpreises und der späteren niedrigeren Unterhaltskosten achten viele Bauherren, die sich einmal für diese Wohnform entschieden haben, beim Innenausbau und der Innenausstattung vermehrt auf Qualität. Egal ob stilvolle Fliesen, Designer-Badkeramik oder der hochwertige Fussboden, aufgrund der kleinen Wohnfläche kann mehr in solche Details investiert werden.

Vorteile gegenüber konventionellen Neubauten

Die Kosten für den Erwerb und Ausbau sind das eine, die für den Unterhalt jedoch das andere – und hier überzeugen die Minimalhäuser. Hinzu kommen ökologische Aspekte: Moderne Minimalhäuser gelten als äußerst umweltfreundlich. Hier ein paar der Gründe:

  • der Energiebedarf zur Herstellung ist gering, ebenso der Baustoffverbrauch
  • die überbaute Fläche ist klein, die Flächenversiegelung minimal
  • im Minihaus lebt man sparsamer, schon durch die geringe Fläche sinkt der Konsum
  • der tägliche Energieverbrauch ist gering, oftmals wird der benötigte Strom selbst produziert.

 

Tiny Houses und Minihäuser in Deutschland

Die Deutschen lieben Tiny Houses „on Wheels“ und auch die Reportagen über Bauprojekte, allerdings gibt es bisher nur eine kleine Szene von BauherrInnen, die sich an das Abenteuer des Selbstbaus gewagt haben. Das mag zum Teil auch am deutschen Baurecht liegen, das für die kleinen Häuschen auf Rädern die gleichen strengen Maßstäbe anlegt wie für andere Wohnhäuser.

Neben den bürokratischen Hürden stellt aber auch der Wohnkomfort (zumindest gedanklich) ein Hindernis dar: Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, ihr Leben auf nur wenige Quadratmeter zu reduzieren. Darüber hinaus planen die Deutschen sehr gerne langfristig und setzen auf Sicherheit – Kriterien, die diametral stehen zum Wohnen im Tiny House “on Wheels”.

Mit den modular aufgebauten Minihäusern verhält es sich anders. Diese übertreffen die Tiny Houses “on Wheels” in vielerlei Hinsicht an Vorzügen und können daher für alle, die einfach nur “übersichtlicher” wohnen wollen, eine echte Alternative zur Wohnung – oder zum bisherigen großen Haus – darstellen:

  • Flexibilität hinsichtlich eines Standortwechsels aufgrund der Transportierbarkeit
  • geringerer Quadratmeterpreis
  • die Kriterien für den Erhalt einer Baugenehmigung werden leichter erfüllt
  • barrierefrei gestaltbarer Wohnraum
  • Einfügungsgebot in die Umgebungsbebauung wird eher befolgt.

 
An mehreren Standorten werden – auch von öffentlicher Seite – inzwischen Minihaus-Siedlungen geplant. Wir dürfen gespannt sein, wie sich diese Nische des Immobilienmarktes entwickelt.

Bildquellen: Matthias Voss – Babelsberg (Bild 1, CC BY-SA 3.0), inrainbows/Shutterstock.com (Bild 2), Cabin One (Bild 3)

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