Ratgeber Bauen: Schadstoffe vermeiden in Fassade & Dach

Energieeffizienz ist umweltschädlich. Ein Widerspruch? Ja und Nein. Selbstverständlich ist es für die Umwelt besser, so wenig Treibhausgase wie möglich zu erzeugen. Dieser globale Ansatz sollte aber nicht auf Kosten des regionalen Ökosystems gehen. Neue Studien zeigen nämlich, dass Biozide aus der Fassade in die Umwelt eingetragen werden können. Wie das alles zusammenhängt? Das kommt so:

Die gedämmte Fassadenwand als Umweltrisiko

Je besser die Dämmung der Außenfassade ist, umso weniger Energie ist nötig, um das Gebäude zu beheizen. Das gilt für das Minihaus ebenso wie für die Industriehalle. Die wohl billigste Lösung sieht so aus: Gegen den Wärmeverlust werden außen am Haus Polystyrol-Hartschaumplatten (besser bekannt als Styropor- oder Styrodur-Platten) angebracht. Die hemmen den Wärmetransport von innen nach außen.

Das hat zur Folge, dass die Fassade kühler bleibt als bei einem schwach gedämmten Haus. Das wiederum führt zu mehr Feuchtigkeit auf dem Putz, da das Regenwasser langsamer abtrocknet. Auf dieser Grundlage bilden sich dann schnell Algen, Flechten und Pilze. Zu erkennen sind sie am grau-grünen Schleier auf der Fassade. Um dieses (rein ästhetische) Problem zu vermeiden, setzen Hersteller von Fassadenfarben zunehmend auf Biozide.

Biozide sind Gifte, die das Wachstum von Algen und Pilzen hemmen. Sie haben aber noch eine Eigenschaft: Sie sind zu einem gewissen Grad in Regenwasser löslich. So gelangen die Giftstoffe von der Fassade langsam in den Boden und weiter ins Grundwasser und übrige Ökosystem.

Zwischenstand: Das Gebäude ist mit nicht abbaubarem Kunststoff gedämmt und verteilt Biozide in die Umwelt. Gesund und nachhaltig ist das nicht. Zum Glück gibt es eine Alternative.
 

Nachhaltige Dämmung und ökologische Farben

Erster Ansatzpunkt für nachhaltiges energieeffizientes Bauen ist das Dämmmaterial. Statt Styropor eignen sich zum Beispiel Steinwolle, Schafswolle, Hanf oder Zellulose. Daneben gibt es verschiedene moderne ökologische Baustoffe wie Holzfasern. Holzfasermatten eignen sich zum Beispiel für das Dach, die Wände und Decken. Weil das Material recyclebar ist, ist die Ökobilanz besser als bei Styropor und Co. Welcher Dämmstoff sich im Einzelfall eignet, kann am besten ein Fachbetrieb entscheiden. Im Allgemeinen lässt sich aber sagen, dass immer mindestens eine nachhaltige Option zur Verfügung steht.

Der zweite Aspekt betrifft die Fassadenfarbe. Wer verantwortungsbewusst für die Umwelt handeln möchte, sollte hier auf Biozide verzichten. Dafür gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten:

Option #1:
Diese besteht darin, ein wenig Arbeit zu investieren. Das Wachstum von Algen oder Flechten an der Fassadenwand beeinträchtigt weder die Bausubstanz noch die Dämmeigenschaften. Es ist also kein Problem, sie wachsen zu lassen. Um die Optik des Gebäudes zu erhalten, sollte die Oberfläche von Zeit zu Zeit gereinigt oder neu gestrichen werden.

Option #2: Auch mit der Kraft der Natur lässt sich gegen Algen und Co. vorgehen. Zum Beispiel mit einer Fassadenverkleidung aus Holz. Dafür gibt es ökologisch unbedenkliche Farben. Alternativ lässt sich Holz auch vom Wetter gerben. Unbehandeltes Holz hält im Grunde genauso lange wie lackiertes, wenn es gut abtrocknen kann. Apropos Trockenheit: Mit baulichen Maßnahmen wie einem Dachüberstand lässt sich das Problem von Algenwachstum ebenfalls gut vermeiden. Ob man sich als BauherrIn für ein Haus mit oder für die moderne Formensprache ohne Dachüberstand entscheidet, ist letztlich nicht nur eine Frage rationaler Erwägungen sondern auch des persönlichen Geschmacks.

Schadstoffe auch vom Dach?

Verstärkt in den Fokus von Experten für ökologisches Bauen rückt auch das Dach. Ein wesentlicher Grund sind Installationen aus Titanzink. Dabei handelt es sich um Dachrinnen, aber auch ganze Eindeckungen aus dem Metallverbund sind beliebt. Das Material ist ein verzinktes Blech. Warum Zink? Das Metall schützt andere Metalle vor Oxidation und bildet eine resistente Patina aus Zinkcarbonat.

Wo liegt das Problem? Auch Zink wird vom Regenwasser in geringen Konzentrationen abtransportiert. Hier macht abermals die Menge das Gift. Laut Ökologischem Baustoff-Lexikon werden nach etwa zehn Jahren bereits Bodensanierungswerte erreicht. Seltener zu finden sind Dacheindeckungen aus Aluminium oder bleihaltigen Materialien. Sie sind ebenfalls problematisch: Blei ist ein umweltbelastendes Schwermetall, Aluminium hat eine ungünstige Ökobilanz. Zudem erzeugt die Produktion häufig schwermetallhaltige Abfälle (sogenannter Rotschlamm).

Zum Glück gibt es Alternativen für eine nachhaltig ökologische Dacheindeckung: Zu nennen sind zum Beispiel Schiefer und Ton. Klassische Dachsteine haben ebenfalls eine vergleichsweise gute Ökobilanz. Wer es hingegen ausgefallener mag, wählt Holzschindeln. Diese umweltbewusste Lösung ist selten, erhält aber gerade dadurch ihren Reiz.

Fazit:
Wer nachhaltig bauen möchte, sollte im Vorfeld die Baustoffe prüfen. Das gilt auch für Sanierungen und Umbauten. Mit den richtigen Materialien ist Energieeffizienz dann, was sie sein soll: ein großer Vorteil für die Umwelt.

Bildquellen: the_builder (Bild 1), Gerd (Bild 2), Janni (Bild 3), KB3 (Bild 4), jeweils über stock.adobe.com.

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