Baukredit: So wählen Sie die passende Tilgungsrate

Je nach angespartem Eigenkapital kann auch für den Bau oder Kauf eines Minihauses ein Kredit nötig sein. Wer sich ohne nennenswerte Vorkenntnisse über die Konditionen für Baukredite informiert, dem kann bei all dem Fachjargon schnell der Kopf schwirren. Aus diesem Grund möchten wir im heutigen Artikel die wichtigsten Begriffe erklären und Tipps zur Wahl der Tilgungsrate, der Restschuld und der Zinsen von Experten an Sie weitergeben …


Der Zusammenhang zwischen Tilgungsrate, Restschuld und Zinskosten

Baufinanzierungen laufen für gewöhnlich über sehr lange Zeiträume und oft auch recht hohe Summen. Der Kunde zahlt in den meisten Fällen eine gleichbleibende Rate. Das ist praktisch, zumal die Rate schön niedrig berechnet werden kann. Aber was steckt in dieser Rate?

  • Tilgungsanteil: Die tatsächliche Kreditsumme wird über die monatliche Rate Stück für Stück abgetragen. Je höher der Tilgungsanteil, desto schneller und stärker sinkt die jeweilige Restschuld.
  • Zinsanteil: Der Zinsanteil bei Baufinanzierungen ist zu Beginn verhältnismäßig hoch. Mit jeder Tilgung sinkt jedoch die Zinslast, während im gleichen Maß der Tilgungsanteil steigt.

 
Das Problem ist, dass viele Menschen auf niedrige Raten achten, aber nicht sehen, dass sie praktisch hauptsächlich Zinsen entrichten. An der Kreditsumme ändert sich kaum etwas, da die Tilgungsrate so niedrig ist. Problematisch wird das gerne nach dem Ende der Zinsbindung oder dann, wenn der Kredit umgeschuldet werden muss. Trotz all den monatlichen Raten ist der Neukredit immer noch sehr hoch – und hat man Pech, liegen die Zinsen des Neukredits in einigen Jahren deutlich höher.

Es gibt gute Gründe, die für eine möglichst hohe Tilgungsrate sprechen. Mit jeder Rate muss ein guter Betrag der eigentlichen Restschuld abbezahlt werden – anderenfalls kann auch ein Mini-Traumhaus zum Albtraum werden.

Achtung

Auch wenn es ratsam ist, die Tilgungsrate möglichst hoch zu wählen, muss sie natürlich finanzierbar bleiben. Aus diesem Grund ist hier ein gewisses Fingerspitzengefühl gefragt.


Welche Arten der Tilgung gibt es?

Es gibt verschiedene Tilgungsformen. Für wen welche Tilgung in Betracht kommt, hängt vom eigenen Vermögen und natürlich der Kredithöhe ab. Ein Überblick:

  • Annuitätendarlehen: Bei diesen Darlehen bleibt die Rate über die Laufzeit hinweg gleich. Es ist allerdings falsch anzunehmen, dass beispielsweise jede Rate aus einem Drittel Kosten, einem Drittel Zinsen und einem Drittel Restschuld besteht. Die Anteile verändern sich und bei einer niedrig vereinbarten Tilgung kann diese anfänglich gerade einmal einen Prozent ausmachen. Dies erhöht die Laufzeit und sorgt für höhere Zinskosten. Bei kurzen Laufzeiten und Volltilgung steigt die monatliche Tilgungsrate.
  • Endfälligkeit: Dieser Kredit eignet sich für wohlhabende Menschen oder bei kleinen Kreditsummen. Bei einer endfälligen Tilgung sind die Raten sehr gering, da sie nur die Zinsen betreffen. Zum Ende der Laufzeit kommt es jedoch zu einer Schlussrate, die praktisch die gesamte Kreditsumme beinhaltet. Bei Zwischenfinanzierungen wird diese Variante gewählt, teilweise auch bei Finanzierungen in nur vierstelliger Höhe.

 
Wer ein Darlehen mit Endfälligkeit wählt, der ist dazu gezwungen, monatlich eine Rate für sich beiseitezulegen, damit die Tilgung schließlich stattfinden kann. Es dürften nur wenige ein Tiny House finanzieren und dann finanziell kein Problem haben, eine höhere Summe zum Ende der Kreditlaufzeit zu bezahlen.

Wie hoch sollte die Tilgungsrate sein?

Die Meinungen gehen definitiv auseinander. Zumal natürlich die finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen eine tragende Rolle spielen. Fakt ist aber, dass eine Ein-Prozent-Tilgung schnell den ersten Schritt hinein ins finanzielle Desaster bedeutet. Es gilt:

  • Gute Tilgungsrate: Sie liegt bei 2 bis 4 Prozent monatlich. Die tatsächliche Kreditsumme lässt sich so in einer absehbaren Zeit abbezahlen, ohne dass nur die Zinsen gedeckt werden. Allerdings sind die Kreditraten nun natürlich höher.
  • Ideale Tilgungsrate: Ist es möglich, eine Tilgungsrate von über 5 Prozent zu wählen, so stellt dies natürlich die optimale Finanzierung dar. Es gilt einfach, dass keine Tilgung zu hoch sein kann. Der Nachteil sind die monatlichen Kosten, denn diese steigen natürlich mit jedem Tilgungsprozent an. Aus diesem Grund gilt: So hh wie möglich, aber so niedrig wie nötig.

 
Einen großen Unterschied kann gerade beim Tiny House das Eigenkapital machen. Tiny Houses sind – im Vergleich mit herkömmlichen Bauten – deutlich günstiger in der Anschaffung, im Bau oder der Umwandlung eines Waggons in ein Tiny House. Der Eigenkapitalanteil kann somit schnell die Hälfte des Darlehens ausmachen. Üblicherweise wird gesagt, dass das Eigenkapital wenigstens die Baunebenkosten abdecken soll, im besten Fall aber mindestens dreißig Prozent der Finanzierung betragen soll. Da die Kosten des Tiny Houses niedriger sind, würde sich ein übliches Eigenkapital von 30 Prozent von den herkömmlichen Baukosten quasi als die Vollfinanzierung eines Tiny Homes ausweisen. Aber was bedeutet das für die Tilgung?

  • Hohes Eigenkapital: Umso höher das Eigenkapital ist, desto geringer ist die Kreditschuld. Die monatlichen Raten lassen sich nun ganz anders berechnen, sodass die Tilgungsrate massiv ansteigt.
  • Tilgungsraten: Kostet das Gesamtprojekt beispielsweise 100.000 Euro und ist ein Eigenkapital von 30.000 Euro vorhanden, müssen nur noch 70.000 Euro aufgenommen werden. Über gut ausgelegte Monatsraten mit einer hohen Tilgungssumme lässt sich das Darlehen in überschaubarer Zeit abbezahlen.
  • Manko: Tiny Houses werden zwar von vielen Menschen begehrt, doch wissen viele Kreditgeber immer noch nichts mit der „Gartenhütte“ anzufangen. Die Gebäude besitzen von Rechts wegen einen geringen Wert, was wiederum die Kreditaufnahme und Finanzierung erschwert. Das gilt insbesondere für Tiny Homes, die Mobilien wie Zugwaggons, Bauwagen oder alte Hausboote als „Gebäude“ neu definieren. Ist das Home nicht mit einem selbst erworbenen Grundstück verbunden, so ist der Wert aus Kreditgebersicht nur schwer zu beziffern. Auch dies kann sich auf die Tilgungsrate und vor allem auf die Zinsrate mit auswirken.

 
Grundsätzlich ist Interessenten zu raten, Kredit- und Finanzierungsangebote gezielt und ausgiebig zu vergleichen. Es gibt in diesem Fall kein ultimatives Angebot. Selbst die Tilgungsrate ist, auch wenn sie stets hoch sein sollte, niemals in Stein gemeißelt. Denn eines ist sicher: Die Tilgung ist wichtig, doch wer die Raten aufgrund ihrer Höhe nicht bedienen kann, der schafft sich Probleme.

Fazit

Ein Tiny Home ist letztendlich ein Wohngebäude und als dieses sollte es besonders in finanzieller Hinsicht auch betrachtet werden. Tilgungsraten, Zinskosten, Laufzeiten und Sicherheiten sind auch bei der Finanzierung des kleinen Hauses ein wichtiger Faktor, der zwischen Glück und Ungemach steht.

Bildquellen: contrastwerkstatt / stock.adobe.com (Bild 1), VectorMine / stock.adobe.com (Bild 2).

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