Freyas märchenhafte Hütte am See

Kein Minihaus zum Wohnen, aber ein zauberhafter Rastplatz und Unterstand, das ist „Freya’s Cabin“ am Kielder Water, einem Stausee in Englands hohem Norden.

Freya’s Cabin wurde von den Designern des Studio Weave entworfen, die ein Märchen als „Kulisse“ erfanden:

Es ist noch gar nicht lange her, da lebte unweit von hier ein wunderschönes Mädchen namens Freya. Freya liebte Blumen. Sie liebte die Nelkenwurz mit ihren Blüten, die an jene von Erdbeeren erinnern, nach Weihnachten duften und gegen alles Böse schützen. Sie liebte die Lichtnelke mit ihren hufförmigen Blütenblättern, die aus der Spitze eines magentafarbenen, mit feinen weißen Härchen geschmückten Kelches hervorragen. Vor allem aber liebte sie den hoch aufragenden Fingerhut, der in weiche Blütenglocken gekleidet ist, manche in rosa, manche in weiß und andere verziert mit den Fingerabdrücken der Elfen. Freya dachte gerne daran, dass die Füchse an diesen Glocken streiften, um sich gegenseitig durch das Geläute vor Gefahr zu warnen, oder an die Insekten, die unter diesen liebreizenden Schirmen Schutz vor Regen suchten.

Oft sah man Freya in lange Kleider gewandet und mit großen weichen Taschen voller Blüten, die sie gesammelt hatte, durch die Moore wandern. Behutsam trug sie Ihre Ausbeute nach Hause und presste sie dort, um sie haltbar zu machen und alles um sich herum damit zu schmücken.

Nicht weit von ihr, auf der anderen Seite des Sees, in einer Holzhütte im Wald, lebte Robin. Er verbrachte seine Tage in den Wäldern und sah nach den Bäumen und Tieren, die in ihnen lebten. Er liebte es auf Bäume zu klettern und kleine Brutkästen für die Vögel zu bauen, in die sie ihre Eier legen konnten. Er lief durch die Wälder, spielte flinke, schlaue Spiele mit dem Wild und krabbelte auf dem Waldboden, um den Eichhörnchen zu helfen, ihre vergrabenen Nüsse zu finden.

Freya konnte Robin über das Wasser hinweg sehen. Sie konnte sehen, dass er freundlich war und vorsichtig mit den Bäumen und Tieren, die er so sehr liebte, wie sie die Blumen. Meist sprang er spielerisch herum, aber manchmal sah Freya ihn einfach nur dastehen und auf den See blicken. Vielleicht ist er traurig, dachte sie. Sie sehnte sich danach, mit ihm reden und ihn fragen zu können, ob es ihm gut ginge und wovon er träumte. Deshalb beschloss Freya eines Tages, Robin eine wundervolle Hütte als Geschenk zu machen. Sie hoffte, dass er die Hütte von seiner eigenen Holzhütte aus sehen und ein Floß oder ein Boot bauen würde, um sie besuchen zu kommen.

Im Laufe der nächsten Wochen sammelte Freya fleißig Blumen, Pflanzen und kleine Äste. Sie baute eine große Blumenpresse und legte ihre gesammelten Schätze in Form eines Waldes aus, genauso wie sie sich den Wald vorstellte in dem Robin lebte. Für die Wände ordnete sie die Zweige ihrer Stärke nach an, von dick nach dünn. Und für das Dach machte sie einen Himmel, wie in einem Zauberwald, mit ineinander verschlungenen Ästen. Sie schmückte den Eingang mit kostbarem Fingerhut, um die Feen einzuladen. Dann drückte sie alles dicht zusammen, damit es fest und stabil sei und für immer halten würde.

Während sie die Hütte baute, fiel ihr auf, dass Robin mehr und mehr Zeit damit verbrachte, verträumt über das Wasser zu blicken. Sie freute sich sehr, denn sie dachte, dass er wohl schauen würde, was sie da vorhatte. Sie war so begeistert, dass sie noch einmal so viele hohe, gerade Blumen sammeln ging, wie sie nur finden konnte, und die Hütte dann oben auf Tausend der längsten Stegel setzte, damit Robin sie auch richtig sehen können würde. Aber Robin konnte sie nicht richtig sehen; er konnte sie überhaupt nicht sehen.

Freya lebte am Südufer des Sees, was bedeutete, dass die Sonne auf die Landschaft vor ihr schien und sie daher meilenweit sehen konnte. Robin jedoch wohnte am Nordufer. Wenn er also nach Süden blickte, blendete ihn die Sonne und alles, was er sehen konnte, war ein goldener Schleier über der blauen Oberfläche des Sees.

Im Grunde liebte Robin diesen goldenen Schleier und stand oft da, fasziniert von den leuchtenden, verschwommenen Orangetönen und dem purpurnen Schimmer darin. Sie erinnerten ihn an einen wunderlichen Ort, von dem ihm erzählt worden war, als er noch ein kleiner Junge gewesen war: Oft hatte er die Geschichten von dem im hohen Norden gelegenen magischen Ort Glimmerfell gehört, wo es riesige Berge gab, die über die Wolken hinausragen, bedeckt mit Blumen, die auf Fels und Eis wachsen. Natürlich leuchten die Blüten dort orange und purpurn, denn in Glimmerfell ist immer Sonnenuntergang. Er dachte immer häufiger an diesen Ort und entschloss sich eines Tages, ein Boot zu bauen und aufzubrechen, um diesen Ort zu finden.

Als Freya sah, wie Robin Holz sammelte und ein Boot zu bauen begann, war sie natürlich außer sich vor Freude: Er musste gesehen haben, dass ihre Hütte fast fertig war, und er hatte sicher vor, über den See zu rudern, um sie zu besuchen. Während der nächsten Tage verlieh Freya der Hütte den letzten Schliff und Robin baute sein Boot und packte es voll mit Proviant für eine lange Reise.

Dann, eines Morgens, machte er das Boot von der Verankerung los und fuhr hinaus auf den See. Freya schaute erwartungsvoll, während Robin auf sie zuruderte. In ihrem ganzen Leben war sie noch nie so freudig erregt vor lauter Glück gewesen. Aber nach einer kurzen Weile schien das Boot nach Westen abzudriften und bald erkannte Freya, dass Robin überhaupt nicht in ihre, sondern in die entgegengesetzte Richtung fahren würde.
Freya verstand nicht, was sie denn falsch gemacht haben könnte. Nicht nur, dass Robin die Hütte nicht anschauen kommen wollte, die sie für ihn gebaut hatte, nein, er wollte den See sogar ganz verlassen. Sie setzte sich in der Mitte des Gartens nieder, den sie neben der Hütte angelegt hatte, und begann zu weinen. Dadurch, dass Robin sich immer weiter entfernte, war sie so aufgelöst, dass sich ihre Tränen in Gold verwandelten. Sie stand schließlich auf und benetzte die Hütte mit den goldenen Tränen aus ihren Augen.

Unterdessen wendete Robin, der immer weiter weg ruderte, seinen Kopf, um zurück auf den See zu blicken, den er so sehr liebte. Er hoffte, es würde allen gut gehen, solange er weg sein würde. Und während er, wohl wissend, dass er seine Heimat für lange Zeit nicht sehen würde, das ihm vertraute Waldgebiet sich immer weiter entfernen sah, bemerkte er etwas, das in der Ferne funkelte. Er dachte, dass es wohl die Sonne wäre, die ihn blendete, aber als er noch einmal hinsah, sah er es wieder, und sogar noch heller. Er war so neugierig geworden, dass er sich entschloss, zurück zu rudern und heraus zu finden, woher das Funkeln kam. Schließlich war er noch nicht allzu weit weg.

Während er sich dem goldenen Flimmern näherte, wurde es heller und heller, und er ruderte mit all seiner Kraft. Als er schließlich in die Nähe des Ufers kam, sah er eine ganz außergewöhnliche goldene Hütte, die so aussah, als wüchse ein Wald in ihrem Inneren. Noch näher bei der Hütte angekommen, erblickte er ein Mädchen, dass weinend neben der Hütte saß, mit dem Gesicht in das Kleid vergraben. Robin machte geschwind sein Boot fest und eilte zu ihm, wobei er zart an den Fingerhüten entlangstrich, sodass sie besänftigend läuteten. Bei diesem Klang hob Freya ihren Kopf und sah Robin mit einem besorgten Blick in seinem Gesicht vor ihr stehen. Ein wenig verlegen wischte sie sich die Tränen aus den Augen, woraufhin diese wie goldener Tau auf das Gras um sie herum fielen. Robin bot ihr seine Hand an und sie war gleich etwas ruhiger, als er sie zu sich herauf zog. Als er sah, dass ihr nichts fehlte, wandte er sich zu der goldenen Hütte um. Er war ganz verzaubert von diesem Anblick und Freya erklärte ihm, dass sie die Hütte für ihn gebaut habe. Glücklicherweise war er, als sie dies sagte, bereits in das Innere geklettert, um alles besser betrachten zu können. So konnte sie nicht sehen, dass er errötete.

Freya und Robin saßen den ganzen Nachmittag gemeinsam in der Hütte und sprachen über Bäume und Blumen. Robin vergaß beinahe, dass er sich eigentlich aufmachen wollte, um Glimmerfell zu finden. Er beschrieb Freya die wolkenumhangen Berge und die leuchtenden Eisblumen. Freya war fasziniert und fragte ihn viele Fragen, auf die er keine Antwort wusste, da er ja noch nie dort gewesen war. Freya bot ihm an, im ihre Blumenpresse zu leihen, damit er einige Blumen sammeln, und sie nach Hause bringen konnte. Robin entgenete jedoch, dass er nicht wisse, wie man Blumen richtig presst und fragte Freya, ob sie ihn gerne mit ihm kommen würde. Freya erwiderte, dass sie ihn sehr gerne begleite.

In der Abenddämmerung, nachdem sie Robins Boot mit weiterem Proviant und mit Freyas Blumenpresse beladen hatten, brachen sie auf, zu ihrem Abenteuer.
Es ist noch gar nicht lange her, dass sie fortgefahren sind, daher sie sind noch immer unterwegs, aber wenn du dich auf die Suche nach ihnen machst, dann wirst du Robins Holzhütte und Freyas goldene Hütte, die sie für ihn gebaut hat, finden, wie sie einander zugewandt an den gegenüberliegenden Ufern des Sees stehen und auf die Rückkehr der beiden warten.

    

    

Zauberhaft, wenn Designer zu Geschichtenerzählern werden…

„Freya und Robin“ ist ein Projekt an den Ufern des Kielder Water, das aus zwei Bauten besteht, die Wanderer und Radfahrer auf den Uferwegen zur Rast einladen sollen. Sowohl der Stausee, als auch die ihn umgebenden Wälder sind künstlich angelegt. Die Designer von Studio Weave nutzten dieses, von Menschen geschaffene Setting als Kulisse für ein Märchen, dessen einzelne Bestandteile sich in der Konstruktion von Freyas Hütte widerspiegeln:

Die Hütte wurde aus formgefrästen Sperrholzschichten und Lagen aus klarem Acryl „zusammengepresst“ und mit Nordic Royal von Luvata verkleidet, einer Kupferlegierung mit Aluminium und Zink, die sehr stabil ist, nicht anläuft und ihren warmen goldenen Schimmer behält. In die Dach- und Wandbekleidung aus Kupfer wurden „Tränen“ gestanzt. Die ganze Konstruktion wurde auf einige messing-ummantelte Metall-„Stängel“ gesetzt, die in einem Betonsockel verankert sind.

Schlichter und ganz in Holz gehalten: Robins Hütte am Waldrand auf der anderen Seite des Sees…

Weitere Bilder auf der Website von Studio Weave: http://www.studioweave.com/projects/freya-and-robin/