Auskragungen & Sonnenbrecher:
Konstruktiver Sonnenschutz

Es hat bekanntlich alles Licht und Schatten, erst recht wenn es um Sonneneinstrahlung geht: Zu viel Sonne sorgt im Sommer für unerträgliche Hitze, zu wenig Helligkeit im Winter drückt auf die Stimmung. Gerade im Minihaus-Bau mit seinen vielfach durchdachten Konzepten ist konstruktiver Sonnenschutz daher ein wichtiges Thema.

Licht ins Dunkel – Das ist konstruktiver Sonnenschutz …

Fast jeder kennt es: Wenn es zu heiß wird, lässt sich einfach die Jalousie herunterziehen. Auch wenn dieses Bauteil fest ins Gebäude integriert ist, meint der konstruktive Sonnenschutz im engeren Sinn jedoch etwas Anderes: Grob gesagt, geht es darum, das Haus so zu planen, dass es im Sommer möglichst kühl und im Winter angenehm hell ist. Ein Widerspruch? Nein.

Beispiele aus der Praxis

Wie lässt sich Sonnenschutz konstruktiv umsetzen? Dafür gibt es viele Möglichkeiten von einfach bis raffiniert, wie die folgende Übersicht zeigt.

Klassiker: Veranda, Dachüberstand und Co.

Neu ist konstruktiver Sonnenschutz nicht. Im Gegenteil, die Veranda gibt es schon seit über 100 Jahren.

 
Selbstverständlich ist die Architektur hier nicht stehengeblieben: Modern interpretiert, zeigt sich das Verandadach geradlinig, reduziert und minimalistisch. Die Wirkung bleibt unverändert, das Dach fängt die Sonne ab und schafft einen geschützten Außenbereich für warme Tage.


 
Aufwendiger, dafür aber ein echter Blickfang sind Auskragungen. Hier steht das obere Geschoss über und spendet Schatten für die unteren Räume.


 
Ebenso kann ein Balkon das untere Stockwerk gegen zu viel Sonne schützen. Allerdings verdunkelt er die Räume selbst im Winter. Das geht auch anders …

Raffiniert: den Gang der Sonne nutzen

Eine Besonderheit von Standorten in Mittel- und Südeuropa (und südlicheren Breitengraden) ist der Wechsel der Jahreszeiten: Der Stand der Sonne unterscheidet sich zwischen Winter und Sommer stark. Was heißt das für den Sonnenschutz? Wer raffiniert plant, kann im selben Raum an einem Wintertag angenehme Mittagssonne genießen, während im Sommer zur gleichen Uhrzeit Schatten herrscht. Der Trick dahinter ist eine zurückgesetzte Fensterfront – gegebenenfalls mit schmalem Vordach. Wenn die Sonne im Sommer hoch am Himmel steht, treffen ihre Strahlen auf das Vordach und im Haus bleibt es schattig. Im Winter ist der Einfallswinkel der Sonne hingegen viel flacher und die Sonne scheint unter dem Vordach hindurch. Et voilà.

Ausgefallen: mit Lamellen gegen zu viel Sonne

Eine vor allem in der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten modernen Architektur gerne genutzte Variante des konstruktiven Sonnenschutzes ist der „Brise Soleil“ (zu deutsch „Sonnenbrecher“): Fest montierte Lamellen oder Vorsprünge an der Fassade, lassen das direkte Licht abhängig vom Sonnenstand mehr oder weniger in die Räume fallen. Sinnvollerweise werden die Lamellen in unseren Breitengraden hierfür horizontal über (oder auch vor) der Fensterfront angebracht.


 
Vertikale Leistenvorhänge dienen dagegen weniger dem Sonnenschutz, sondern vielmehr einem Schutz vor den Blicken von seitlich gelegenen Nachbargrundstücken. Sie werden tatsächlich vor die Fenster gesetzt, weshalb hier noch mehr auf den optimalen Abstand zwischen den Lamellen geachtet werden muss. Einerseits könnte der Raum sonst generell zu dunkel werden, andererseits könnten den Bewohnern das Gefühl vermittelt werden, „hinter Gittern“ zu sitzen. Beide Versionen werden jedoch auch als gestalterisches Element eingesetzt und können dem Gebäude eine extravagante Note verleihen.

Himmelsrichtungen und Sonnenlicht: ein Kompass für sinnvolle Ausrichtung

Zum konstruktiven Sonnenschutz gehören auch die Aufteilung der Räume und die Ausrichtung des Hauses. Der Sonnenaufgang ist bekanntlich im Osten, ein Schlafzimmer in dieser Richtung fängt also die ersten Strahlen des Tages ein. Wer abends gerne den Sonnenuntergang bewundern möchte, sollte das Wohnzimmer nach Westen ausrichten. Die Südseite heizt sich hingegen stark auf, während es im Norden kühl, aber auch schattig bleibt.

Wer Solarstrom nutzen will, sollte sich übrigens ebenso Gedanken um die Himmelsrichtungen machen. Früher galt ein Dach in Südrichtung als optimal. Mittlerweile kann die Technik auch in Ost- oder Westlage sinnvoll genutzt werden. Vorteile sind hier, dass der eigene Strom früher (Ost-Richtung) oder später (West-Richtung) zur Verfügung steht – also dann, wenn er im Haus tatsächlich genutzt werden kann. Über Mittag sind die meisten Menschen nämlich gar nicht da und wenn doch, brauchen Sie weder Fernseher noch Licht.

Aber, wenn das Haus schon steht?

Zusammenfassend ist konstruktiver Sonnenschutz ein spannendes Thema für alle, die ein Minihaus bauen möchten. Aber was, wenn das Gebäude längst steht? Dann finden sich immer noch viele Möglichkeiten, die Sonneneinstrahlung zu regeln. Es gibt zum Beispiel Aussenjalousien bei Labona, die sich ohne Aufwand nachträglich installieren lassen. Oftmals kann eine Baufirma auch einen kleinen Anbau – zum Beispiel die eingangs erwähnte Veranda – realisieren. So bekommt das Haus dann im Nachgang die passende Mischung aus Licht und Schatten.

Bildquellen: houzz.de

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