Trailer für Tiny Houses. Welcher ist der richtige?

Der Trailer, der fahrbahre Unterbau, ist einer der wichtigsten Bestandteile eines Tiny Houses: Zum einen solltet ihr deshalb den robustesten und tragfähigsten Anhänger wählen, den ihr bekommen könnt. Zum anderen müssen Plattformhöhe und -grundriss mit den Maßen des Aufbaus korrespondieren, man muss die Kontruktionspläne für das Haus also auch darauf darauf abstimmen.

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Trailer für Tiny Houses von der Tumbleweed Tiny House Company in den USA.

Wie belastbar muss der Trailer sein?

Da hinter einem Tiny-House-Bau oft finanzielle Gründe stehen, das Budget also meist sehr begrenzt ist, liegt der Gedanke nahe, sich nach einem möglichst günstigen Trailer umzusehen – manch einer könnte auch auf den Gedanken kommen, einfach den Unterbau eines alten, ausrangierten Wohnwagens zu verwenden. Davon ist aus folgenden Gründen abzuraten:
Der Hänger, auf dem ein Tiny House aufgebaut wird, muss extrem belastbar sein – d.h. für 3,5 to ausgelegt sein. Das ist bei Wohnwagen-Fahrgestellen nicht nötig und selten der Fall. Wenn ihr ein Tiny House plant, für das es noch keinen funktionierenden Prototypen gibt, wird das Gewichtsparen jedoch ohnehin eine Herausforderung darstellen: Das Holzhäuschen mit allen seinen Bauelementen bringt schon im Leerzustand einiges auf die Wage und dann kommt noch der Innenausbau hinzu. Das Gewicht eines Wohnwagens mit Kunststoffhülle ist dazu kein Vergleich.
Wenn ihr euch nach einem gebrauchten Hänger umseht, achtet darauf, dass er eine relativ neue TÜV-Zulassung hat – auch ein bis zu 3,5 to zugelassener Trailer nützt euch wenig, wenn er marode ist – oder lasst vor dem Kauf einen Gutachter draufschauen.

Welche Arten von Trailern eignen sich für ein Tiny House?

Der als Unterbau für ein Tiny House verwendete Hänger sollte grundsätzlich eine ebene Ladefläche, eine Auflaufbremse und im Falle eines Starrdeichselanhängers eine Tandemachse (= zwei Achsen mit einem Abstand unter 1 Meter) besitzen. Alternativ kommt ein Drehschemelanhängern mit zwei Achsen in Betracht. Der Unterschied liegt dann im Rangierverhalten und im Reifenabrieb: Anhänger mit zwei Achsen sind etwas weniger wendig, dafür haben Starrdeichselanhänger einen etwas höheren Reifenabrieb bei engen Kurvenradien.
Hinsichtlich der Ladefläche kommen v.a. drei Anhänger-Typen in Frage:

  • Universalanhänger – Ladefläche zwischen den Rädern, daher relativ tief. Allerdings wird nicht die volle zulässige Breite ausgenutzt.
  • Hochlader – Ladefläche über den Rädern, daher volle Breitenausnutzung. Allerdings geht für Schlaflofts benötigte Höhe verloren.
  • Tieflader – Tiefe Ladefläche mit Umbauung der Radkästen, daher gröstmögliche Breiten- und Höhenausnutzung. Erfordert jedoch auch beim Bau des Tiny Houses eine Umbauung der Radkästen.

 

Spezielle Trailer für Tiny Houses

Da Bootsanhänger durch ihren Grundriss und das geringe Eigengewicht den Anforderungen für Tiny Houses noch am ehesten gerecht werden, wurden für die ersten Bauprojekte in Deutschland Bootsanhänger adaptiert. Mittlerweile gibt es von Vlemmix spezielle Trailer für Tiny Houses zu kaufen. Der gängigste hat folgende Spezifikationen:

  • Zulässiges Gesamtgewicht: 3,5 to
  • Leergewicht: 620 kg (> mögliche max. Zuladung: 2880 kg)
  • Länge 8,90 m (mögliche max. Länge des Aufbaus: 7,20 m, Rücklichtleiste 80 cm ausziehbar)
  • Breite 2,55 m
  • Ladehöhe (mit Niederquerschnittreifen in unbeladenem Zustand): 44 cm

 
Erhältlich bei

  • Vlemmix für € 3076,00 zzgl. Mwst. (abholbar bei Venlo/NL nh. Mönchengladbach)
  • Tiny House Rheinau für € 3100,00 zzgl. Mwst. (abholbar in Rheinau zw. Karlsruhe und Offenburg)

 
So wie sich das Tiny House Movement in Europa derzeit entwickelt wird es sicher nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch so ausgeklügelte Tiny-House-Trailer, wie den von Tumbleweed Tiny Houses angebotenen gibt – mit integriertem Unterbodenschutz z.B.:

Fazit

Wer mit seinem Tiny House hauptsächlich auf Reisen zu gehen möchte, wird einen möglichst schmalen Anhänger bevorzugen. Alle anderen werden ein Mehr an Wohnraum zu schätzen wissen und somit mit einem Tieflader mit umbauten Radkästen am besten bedient sein. Die (Tandem-)Achse sollte vorzugsweise mittig quer unter dem Haus liegen. So, und durch den tiefliegenden Schwerpunkt, ist das Fahrverhalten am stabilsten.
Die knapp 4 Tsd. Euro, die ein neuer Trailer kostet, sollte bereits in der Planungsphase in die Materialkosten für den Hausbau einkalkuliert werden. Ein Tiny House, das nicht zuverlässig fahrbereit sein muss, kann – bei entsprechender Konstruktionsweise mit Stahlrahmen – allerdings auch erst einmal auf Stelzen bzw. Punktfundamente gebaut und später bei Bedarf auf einen Trailer gesetzt werden. Die einfachere Lösung wird jedoch immer die sein, bei der das Haus von Anfang an auf „festen Beinen“ bzw. auf einem belastbaren Trailer steht.