Tiny House bauen. Mit Know-How.

bauplatz esk'et tiny house

Der Traum vieler Tinyhouser: der Standplatz des Esk’et Tiny House in British Columbia.

 
In unserer Rubrik „Tiny House bauen“ findet ihr erste Informationen, die für euch hilfreich sein können, wenn ihr ein Tiny House selber bauen und in den Verkehr bringen möchtet oder einen Stellplatz sucht. Das sind z.B.

 

Informationen zum Baurecht

Was muss ich beachten, wenn ich einen Standplatz für mein Tiny House suche? Brauche ich eine Baugenehmigung oder nur eine Stellplatzgenehmigung? Brauche ich einen Energiepass? Welche Möglichkeiten der Energieversorgung und Abwasserentsorgung gibt es?
Zu diesen und weiteren Fragen wollen wir euch einige Anhaltspunkte zur groben Orientierung zur Verfügung stellen. Ein Gang zum örtlichen Bauamt wird euch dann gegebenenfalls weiteren Aufschluss bzgl. der in eurer Gegend geltenden individuellen Bestimmungen geben.

Baugenehmigung

Auch kleinste Gebäude sind in Deutschland genehmigungspflichtig, sofern sie zu Wohnzwecken genutzt werden sollen. Das Planungsrecht ist Landesrecht und wird in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Daneben gibt es Bebauungspläne und Ortsgestaltungssatzungen. Bitte erkundigt euch formlos (oder förmlich mit einer Bauvoranfrage) bei eurer Gemeinde nach den für euer Vorhaben gültigen Bestimmungen.

Stellplatzgenehmigung

Rechtlich gesehen ist z.B. auch ein Wohnmobilstellplatz eine „bauliche Anlage“ (insbesondere wenn Anschlüsse an die Kanalisation und das Stromnetz gelegt werden sollen) und auch dieser bedarf der Genehmigung durch die Gemeinde. Also muss auch für ein Minihaus auf Rädern eine Stellplatzgenehmigung eingeholt werden.

Auch wer daran denkt, sich z.B. einen Eisenbahnwaggon auf das Grundstück zu stellen und als Wohnung auszubauen, sollte sich auf Sonderregelungen gefasst machen: Eisenbahnwaggons dürfen nicht in Wohngebieten abgestellt werden, sondern nur in Gewerbegebieten. In Gewerbegebieten darf darin dann wiederum nicht gewohnt werden. Als passendes Gelände käme also nur ein Grundstück in einem Gewerbemischgebiet in Frage. Gerade bei solchen Spezialprojekten ist der Gang auf die Gemeinde schon in der Brainstorming-Phase empfehlenswert, um das Risiko zu vermeiden, kurzentschlossen ein (vermeintliches) „Schnäppchen“ zu machen und dann ohne Aussicht auf eine Baugenehmigung dazustehen. Im Fall von Eisenbahnwaggons wird man sich, sofern man sich nicht vorab einen alten Bahnhof gekauft hat, vielmehr das Grundstück zum Haus, als das passende Haus zum Grundstück suchen müssen.

Was ist auf einem Freizeitgrundstück erlaubt?

Im Zusammenhang mit Tiny Houses, vor allem den autark konzipierten, die keinen Anschluss an die öffentliche Energieversorgung oder Abwasserentsorgung benötigen, stellt sich schnell die Frage, ob ein unter der Bezeichnung „Freizeitgrundstück“ zu günstigem Preis angebotener Grund als Baugrund für ein (ggf. mobiles) Häuschen in Frage kommen kann.
Generell lässt sich sagen, dass der Begriff „Freizeitgrundstück“ nicht offiziell definiert ist und nur die zuständige Baubehörde konkrete Auskünfte darüber erteilen kann, was gerade auf diesem Grund zulässig ist und was nicht. Freizeitgrundstücke befinden sich meist im Außenbereich, außerhalb von erschlossenen Baugebieten, und dort sind die Bestimmungen noch enger gefasst als im Innenbereich. Auf Freizeitgrundstücken, die offiziell als landwirtschaftliche Nutzfläche eingetragen sind, kann sogar das Abstellen eines Wohnwagens oder auch eine Umzäunung untersagt sein. Die besten Chancen für eine legale ganzjährige Nutzung zu Wohnzwecken wird in Gebieten bestehen, die im Bebauungsplan als Mischgebiet für Wohn- und Gartengrundstücke ausgewiesen sind. Die wenigsten Freizeitgrundstücke werden sich aber als Schnäppchen zum naturnahen Wohnen erweisen. Eine Nachfrage beim zuständigen Bauamt ist äußerst ratsam.

Erstwohnsitz auf dem Campingplatz

Wer nicht auf dem eigenen Grund und Boden leben will, sondern nur ein Fleckchen zum Pachten sucht, für den ist möglicherweise ein Campingplatz die Lösung. Campingplätze, auf denen dauerhaft gewohnt werden kann, müssen neben der ganzjährigen Öffnungszeit einige Auflagen von der Gemeinde erfüllen. Bayern und das Saarland sind generell nicht sonderlich für ein Leben auf dem Campingplatz aufgeschlossen, in anderen Bundesländern sieht es da wesentlich besser aus. Um einen passenden Campingplatz zu finden, solltetb ihr also neben der Lage darauf achten, ob dort Dauercamping angeboten wird (dies bedeutet noch nicht Dauerwohnen). Fragt dann dann beim Campingplatzbetreiber und/oder der Gemeindeverwaltung nach, ob ihr euren Wohnsitz auf dem Campingplatz anmelden könnt. Bei der Suche nach geeigneten Campingplätzen kann euch unsere Grundstücksbörse und folgende Websites und Foren helfen:

 

Das Leben auf dem Campingplatz stellt für Tiny-House- und Zirkuswagen-Fans, die keinen eigenen Baugrund/Stellplatz haben, eine einfache und günstige Alternative zum Grundstückserwerb dar. Die Eintragung des Erstwohnsitzes auf einem Campingplatz sollte aber, vor allem wenn ihr schon/noch im Berufsleben steht, gut durchdacht sein. So kann die Campingplatz-Adresse auf Stellenbewerbungen einen ungünstigen Eindruck hinterlassen. In dieser Lebensphase mag sich eher die Anmeldung als Zweitwohnsitz anbieten.

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