Tiny Escape: Große Pläne für kleine Fluchten

Gastbeitrag der EthikBank – Vor einem Jahr hat sich Sophie Müller aus Hamburg einen Traum erfüllt: Sie hat ein Tiny House entworfen und bauen lassen, in dem nun regelmäßig gestresste Großstädter, Minimalisten auf Probe und Kurzzeitaussteiger Urlaub vom Alltag machen. Was die Bauherrin in der Zeit von der Idee bis zum Einzug der ersten Gäste erlebt hat, das verrät sie im Interview.

Das muss ein aufregendes Jahr für Dich gewesen sein. Woher kam eigentlich die Idee für das Tiny House?
Schon seit 2017 schwirrte mir die Idee von „Tiny Escape“ durch den Kopf – also ein Netzwerk mehrerer Tiny Houses über ganz Deutschland verteilt. In ihnen sollen Menschen, die sich mal wieder erden wollen, zur Ruhe kommen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Die Idee dazu kam – wie so oft bei Gründungen –aus einem ganz eigenen Bedürfnis heraus. Ich lebe seit einigen Jahren mitten in Hamburg und vor allem das Alleine-in-der-Natur-Sein fehlt mir oft sehr. Ich habe dann also einfach angefangen und die Idee wurde nach und nach lebendig: Zuerst habe ich dem Kind einen Namen gegeben, mir ein Logo und ein Corporate Design erarbeitet, eine Website erstellt und schließlich auch ein Unternehmen angemeldet – es war ein ziemlich langer aber auch ziemlich spannender Prozess, während dem viel parallel ablief. Die Erfahrungen aus meinem Arbeitsleben in einer Agentur haben mir dabei sehr geholfen.

Wann kamen die konkreten Hausbaupläne ins Spiel?
Während der Entstehungsphase des Konzepts habe ich sozusagen eine Tour zu ausgewählten Herstellern in ganz Deutschland gemacht und mich schließlich für einen – die Koersmann GmbH in Bad Bentheim – entschieden. Gemeinsam mit dem Team habe ich dann verschiedene Hausentwürfe geplant, speziell auch im Hinblick auf eine Nutzung als Ferienhaus. Wir haben zum Beispiel verschiedene Grundrisse und Fensterkonzepte besprochen. Vor allem das Gewicht spielte dabei eine wichtige Rolle – und natürlich die optimale Platzausnutzung.

Reden wir über Geld: Auch wenn es hier nur um ein ziemlich kleines Haus geht, braucht man für den Bau ja schon auch entsprechende Mittel. Wie bist Du die Finanzierung angegangen?
Nachdem der Hersteller die Grundrisspläne bestätigt hatte und ich eine konkrete Vorstellung davon hatte, was das Tiny House kosten würde, habe ich damit begonnen, den passenden Finanzpartner zu suchen. Lange gedauert hat das allerdings nicht – die EthikBank hat innerhalb weniger Stunden reagiert. Die Konditionen und das Preis- Leistungs-Verhältnis haben einfach gestimmt. Für Fragen standen mir nette und kompetente Mitarbeiter zur Verfügung – und vor allem immer die gleichen, nicht ständig wechselnde Ansprechpartner! Ich hatte das Gefühl, dass man dort verstanden hat, was ich mit dem Projekt vorhabe und wofür ich stehe. Bei anderen Banken wurde das häufig skeptisch beäugt. Für die EthikBank bin ich nicht nur eine Nummer oder eine Akte und entsprechend flexibel wurde auf meine Voraussetzungen für den Antrag eingegangen. Die Bank hat großes Interesse an meiner Tiny-House-Idee und begleitet sie bis heute. Ich habe wirklich das Gefühl, dass sie ein sehr aufrichtiges Interesse daran hat, dass mein Projekt gelingt. Schon in der Beratung zum Kredit hatte ich viele sehr wertvolle Hinweise jenseits vom reinen Kreditantrag erhalten, die mir sehr geholfen haben.

Konnte es damit dann schließlich losgehen?
Weitestgehend ja, nachdem die grundlegenden Dinge zum Aufbau des Hauses geklärt waren, ging es aber noch um einige andere, nicht unwesentlichere Fragen: Welche Materialien sollen verwendet werden? Natürlich vor allem nachhaltige. Welche Teile werden in der Elektrik verbaut? Das ging bis hin zur richtigen Steckdose. Wie gestalten wir das Lichtkonzept angenehm für die Gäste? Wie sehen die sanitären Anlagen aus, Waschbecken und so weiter? Und natürlich: In welchen Farben soll das Tiny House innen und außen gestrichen werden? Für all das mussten Entscheidungen her – das fällt nicht immer leicht, es macht aber großen Spaß zu gestalten und sich auszuprobieren, gerade auch weil das Haus nur knapp 15 Quadratmeter Wohnfläche bietet. Insgesamt hat der gesamte Bau wohl etwa fünf bis sechs Monate in Anspruch genommen.

 

Im November schließlich war alles so weit fertig, dass das Haus an seinen Standort gebracht werden konnte. War es schwierig, einen entsprechenden Stellplatz zu finden?
Ich bin schon ziemlich viel gereist in dieser Zeit und kenne in und rund um Hamburg jetzt einige Ecken, die ich sonst wohl nicht gesehen hätte. Die Suche nimmt schon viel Zeit in Anspruch, da Tiny Houses noch nicht so verbreitet sind und man erst einmal viel erklären muss. Campingplätze, die auch Lodges anbieten, betrachten zur Vermietung stehende Tiny Houses beispielsweise häufig als Konkurrenz und verschließen sich eher. Und für normale Grundstücke mit Bebauungsplan ist mein Haus nicht ausgerichtet. Ich wünsche mir, dass die Regularien für diese Art des Wohnens auf kleinem Fuß in Zukunft etwas gelockert werden beziehungsweise die Gemeinden und Bauämter teils auch etwas aufgeklärter wären, was diese neue Wohn- als auch Urlaubsform betrifft.
Schließlich habe ich für einen sehr schönen Platz im Hamburger Westen nahe eines Moores einen Pachtvertrag unterzeichnet. Wasser, Abwasser- und Stromanschluss hat mir der Verpächter zur Verfügung gestellt. Im November schließlich gab auch der TÜV sein OK und das Tiny House konnte an den Standort transportiert werden. Am 24. November habe ich schließlich das erste Mal in meinem neuen kleinen Haus übernachtet.

Du hast das Tiny House ja aber vor allem zur Vermietung vorgesehen – wie startete das Unternehmen?
Zunächst musste das Haus natürlich erstmal präsentiert werden. Dafür habe ich es fertig eingerichtet und für ein Fotoshooting vorbereitet. Die Fotos landeten dann schließlich auf der Website von „Tiny Escape“. Seit Dezember 2018 können Interessierte meine kleine Flucht nun buchen – zu Beginn noch über einen anderen Anbieter, jetzt über meine Website. Das Haus erfreut sich von Anfang an großer Beliebtheit – trotz einiger kleiner Kinderkrankheiten zu Beginn.

Welche Probleme musstest Du dabei lösen?
Der Strom fiel beispielsweise ab und zu aus, weil die Kabeltrommel überlastet war. Die Wasser- und die Abwasserpumpe wurden im gleichen Monat defekt. Im Winter sind die Leitungen im Haus einmal eingefroren, weil die Heizung im Leerstand nicht eingeschaltet war. Einige Einrichtungsgegenstände mussten ausgetauscht werden. Ich habe in den ersten Monaten eine Menge Erfahrung gesammelt und viel getüftelt wie zum Beispiel die Pumpenfunktion langfristiger erhalten werden kann, sodass die Störungen nicht immer wieder auftauchen können. Inzwischen läuft alles störungsfrei – drei Mal klopfen auf Holz.

Wie sehen klassische Tiny-House-Gäste aus?
Etwa 50 Prozent sind überzeugte Minimalisten, die mal ein TinyHouse ausprobieren wollen – die andere Hälfte gestresste Städter, die eine Auszeit vom Trubel der Großstadt und von ihrem Job brauchen. Und einige sind natürlich beides. Auf jeden Fall sind meine Gäste ziemlich entspannt und nachsichtig gewesen, denn die Startschwierigkeiten haben alle sehr gelassen aufgenommen. Viele Pärchen genießen die romantische Stimmung vorm Holzofen oder am Lagerfeuer draußen, aber auch einige Geburtstage oder Jubiläen wurden schon im Haus gefeiert. Die Rückmeldungen sind durchweg sehr positiv – ich denke, ich werde der begeisterten Whatsapp-Nachrichten von begeisterten Gästen niemals überdrüssig werden.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Zum einen steht ein Standortwechsel des Hamburger Tiny Houses an. Der erste Standort war für mich sehr gut erreichbar und somit ideal für die Anfangszeit. Jetzt ist es an der Zeit, einen Ort zu finden, der langfristig bezogen werden kann. Ich befinde mich also aktuell wieder „auf Reisen“ rund um Hamburg und schaue mir mögliche Alternativen an.
Zum anderen baue ich gerade weitere Standorte für die nächsten Tiny Houses auf. Genauer kann ich gerade noch nicht werden, aber es könnte sein, dass demnächst ein weiteres kleines Haus in der Nähe von Dresden stehen wird…

Hintergrundinformationen
Das Interview mit Sophie Müller von “Tiny Escape” führte Nico Czimmernings für die EthikBank. Die EthikBank ist Finanzpartnerin des Startups und mit ihrer ethisch-ökologischen Unternehmensphilosophie eine gute Anlaufstelle für Tiny-House-Projekte mit Finanzierungsbedarf. Im Blog der EthikBank wurde Sophies Projekt von der Idee bis zur Realisierung begleitet.

Aufgrund der speziellen Fragen rund um das Thema “Tiny-House-Finanzierung” gibt es bei der EthikBank einen eigenen Ansprechpartner für Tiny-House-Kredite: Stefan Voigt, Tel. 036691 58103, Mail: stefan.voigt@ethikbank.de.

Leave a Comment