Altbauflair im Minihaus –
(k)ein Widerspruch?

Das Leben auf wenigen Quadratmetern erfordert durchdachte Einrichtungskonzepte. Geschickt platzierte Stuck-Elemente geben kleinen Räumen Struktur und sorgen für verblüffende Effekte.

Man kennt es aus Altbauwohnungen: Mit schmalen Stuckleisten wird dort „Look and Feel“ der Kassettentüren aufgenommen und auf den Wänden fortgeführt. Wer Stuckelemente kreativ nutzt, kann damit aber selbst in einem modernen Modulhaus eine einzigartige Atmosphäre schaffen …

Leichtgewichtige Verzierungen

Zugegeben: Die Verbindung von Minihaus und prachtvollem Stuck scheint auf den ersten Blick etwas befremdlich – gehört diese Art des Wand- und Deckenschmucks doch in eine völlig andere Ära mit gänzlich anderen Wohnansprüchen. Auch bei Minihäusern im Zuckerbäckerstil, die ihren ganz eigenen Charme haben, werden heutzutage doch andere Baustoffe verwendet als zu früheren Zeiten. Selbst die nun erhältlichen Stuck-Elemente sind kaum noch mit ihren historischen Vorbildern vergleichbar. Vor allem sind sie wesentlich leichter und einfacher anzubringen als früherer Zierrat seiner Art. Innovative Materialien sorgen für geringes Gewicht, gute Haftfähigkeit und zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten.

Moderner Stuck passt sich abgesehen davon allen nur denkbaren Einrichtungsstilen an. Ob kantig, abgerundet oder geometrisch – die Leichtbau-Elemente nehmen jede gewünschte Form an und können bei Bedarf selbst nachgearbeitet werden. Beste Voraussetzungen, um im selbstgebauten Minihaus oder Tiny House verbaut zu werden und dem kleinen Heim einen individuellen Look zu verleihen. Neben einzelnen Decken- und Wandleisten können ganze Tafeln, große oder kleine Rosetten und sogar Säulen- oder Balkenimitate zum Einsatz kommen.

Stuck von unten bis oben

Doch wie und wo lässt sich der modernisierte Klassiker in einem auf Minimalismus ausgerichtetem Tiny House nutzen? Ein paar Beispiele mögen als Anregung und Bauhilfe dienen:

Schön den Boden entlang:

Bereits eine einfache Sockelleiste erzielt eine verblüffende Wirkung. Sie schafft einen fließend-harmonischen Übergang zwischen Wand- und Bodenflächen – und kann ihre jeweilige Struktur effektvoll akzentuieren.

Noch reizvoller und wohnlicher wirken Leisten, die das sogenannte Hamburger Profil imitieren – einen Sockel von mindestens 15 Zentimeter Höhe. Er lässt kleine Räume größer scheinen und kann nach oben beliebig erweitert werden.

Einen ähnlichen Effekt haben umlaufende Querleisten, die auf Knie- bis Hüftniveau angeordnet werden. Sie sorgen nicht nur für optische Raffinesse, sondern fungieren zugleich als Schutz gegen Stuhllehnen, aufschwingende Schranktüren usw.

Die Wände hochführen:

Längsstreifen strecken, lassen das Innere des Tiny-Houses aber auch unwillkürlich enger wirken. Durch Leisten akzentuierte Flächen schalten diesen Effekt aus. Gleichzeitig setzen sie Steckdosen, Lichtschalter und ähnliche elektrotechnische Einrichtungen in Szene.

Durch farbliche Kontraste wirken so gestaltete Wände noch edler. Aber auch zweckentfremdete Stuck-Elemente können tolle Akzente setzen – zum Beispiel, indem Deckenrosetten wie Bilder an vertikalen Flächen platziert werden.

An die Decke gehen:

Im oberen Raumbereich und an der Zimmerdecke können Stuckleisten wunderbar als Verkleidung für Gardienenschienen oder zur Realisierung von indirekter Beleuchtung verwendet werden. Natürlich leisten aber die Klassiker der Innenraum-Ornamentik am ursprünglich vorgesehenen Platz ebenfalls gute Dienste. In den oberen Zimmerecken können Stuckleisten einen kastigen Eindruck schmälern. Damit sie richtig zur Geltung kommen, sollte die umgebende Fläche ein bis zwei Nuancen dunkler gestrichen sein.

Wer Sorge hat, über Kopf platzierter Stuck könnte erdrückend wirken, kann zusätzlich oder stattdessen umlaufende Zierleisten anbringen. Im oberen Viertel der Wand platziert lassen sie den Raum höher scheinen. Dieser Effekt lässt sich durch zwei unterschiedlich starke Leisten steigern. Dabei sollte die Schmalere mit etwas Abstand über der Breiteren liegen.

Für Ecken und Kanten:

Freie Ecken im Tiny-House sind eher selten; doch auch entlang der Türzargen oder an Durchgängen lassen sich Stuckleisten installieren. Kehren diese Elemente an einander gegenüberliegenden Wandöffnungen wieder, entsteht ein hallenartiger Effekt, der das Mini-Haus optisch streckt. Wenn es stilistisch passt, können auch Deckenbalken oder Fachwerk-Imitate eine verblüffende Wirkung erzielen – zum Beispiel, indem sie den Schlafboden optisch stützen.

Der Inbegriff des Luxus

Selbstverständlich sind Stuck-Elemente nur EINE Möglichkeit, das Tiny-Haus auszugestalten. Sie bringen etwas Luxus in die winzigen vier Wände – und bilden damit einen reizvollen Kontrast zum bewusst minimalistischen Wohnstil.

Bildquellen: Alexander Wende / Unsplash (Bild 1), Arzu Kartal / houzz.de (Bild 2).

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