Wohnen im Seecontainer – Vorbereitungen für den Ausbau

Eine relativ einfache Lösung, um eine wetterdichte Gebäudehülle für ein Minihaus zu erhalten, ist die Verwendung eines Seecontainers. Dass sich auch daraus ganz schicke Behausungen bauen lassen, zeigen Projekte von Architekten wie Benjamin Garcia Saxe (linkes Bild), Poteet Architects (rechtes Bild) und MB Architecture.

In Deutschland hat nun Diplom-Ingenieur Stefan Brandt ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt, mit dem man sich mit etwas Geschick einen 20-Fuß-Container selbst zu einer transportablen, autarken Wohnung umgestalten und ausbauen kann: den Pocketcontainer.

Auswahl des Seecontainers

Seecontainer werden vorrangig in Asien hergestellt. Sie bestehen aus weitgehend korrosionsbeständigem Stahl, der zusätzlich mit einer 3-fachen Korrosionsschutz- und Farblackierung auf Epoxydharzbasis versehen ist. Sie sind wasser- und luftdicht.
Auf Ihrer Reise nach Deutschland dienen Sie bereits als Transportbehälter, fabrikneue Seecontainer gibt es daher hierzulande so gut wie keine auf dem Markt. Es werden von verschiedenen, darauf spezialisierten Unternehmen zwei Qualitäten zum Kauf angeboten: „gebraucht“ und „wie neu“. In der Gruppe „gebraucht“ finden sich teils stark ramponierte Exemplare. Seecontainer der Kategorie „wie neu“ haben dagegen meist nur kleinere Lackschäden.
Im internationalen Transport werden überwiegend 20-Fuß- (6,10 m) oder 40-Fuß-Container (12 m) eingesetzt, beide sind in der Standardversion 2,40 m breit und 2,60 m hoch, jedoch auch als High Cube mit einer Höhe von 2,90 m erhältlich. Der 20-Fuß-Container, der als Basis für das Pocketcontainer-Konzept dient, hat somit ein Raumvolumen von 33 Kubikmeter. Beim Kauf eines 20-Fuß-Seecontainer muss je nach Zustand mit Preisen zwischen € 1.500 und € 3.000 gerechnet werden.

Baugenehmigung für Seecontainer

Im Baurecht gelten sowohl national, als auch regional sehr unterschiedliche Bestimmungen. Auch was unter „temporärer Nutzung“ zu verstehen ist, liegt häufig im Ermessen der zuständigen Behörde.
Gebäude, die nur vorübergehend aufgestellt werden oder nur für einen vorübergehenden Aufenthalt bestimmt sind, gelten in den Bauordnungen als Behelfs- bzw. untergeordnete Bauten. In diesem Bereich spielt dann die Größe des Containers eine maßgebliche Rolle: In Baden-Württemberg sind im Innenbereich, also im erschlossenen Baugebiet, Bauten bis zu 40 Kubikmeter umbauter Raum genehmigungsfrei, im Außenbereich nur 20 Kubikmeter. In Bayern sind es im Innenbereich satte 75 Kubikmeter, im Außenbereich sind alle Bauten genehmigungspflichtig, unabhängig von der Größe. Prinzipiell ließen sich in Bayern also 20″- und 40″-Standardcontainer, sowie ein 20″-High-Cube-Container zur Freizeitnutzung genehmigungsfrei im Innenbereich aufstellen. Ein 40″-High-Cube-Container würde mit seinen 76 Kubikmetern jedoch diese Grenze überschreiten.

Bevor Sie das Aufstellen eines Seecontainers zu Wohnzwecken planen, sei es dauerhaft oder vorübergehend, sollten Sie unbedingt im Vorfeld die Landesbauordung (LBO) Ihres Bundeslandes studieren und sich dann beim Bauamt Ihrer Gemeinde, nach den für Ihren Standplatz gültigen Bestimmungen erkundigen. Auch ein Gespräch mit den Nachbarn kann manch spätere Querele ersparen. Mehr zum Thema „Baurecht“ in unserem Ratgeber Bauen.

Transport des Containers zur Baustelle

20-Fuß-Container lassen sich mit einem Containerfahrzeug an fast jeden Ort in Deutschland transportieren. Die Abladung erfolgt mit Hilfe des Bordkrans oder mit einem Seitenlader-Fahrzeug. Der mögliche Abladeradius beträgt dabei nur ein paar Meter. Sofern der Lkw nicht nahe genug an den Abstellplatz heranfahren kann, kommt ein Autokran zum Einsatz. Dieser wird vorzugsweise bei einem regionalen Kranunternehmen bestellt. Die Kosten für die Anlieferung des Containers betragen etwa € 1,10/km Anfahrtsstrecke, ein Mobilkraneinsatz kostet etwa € 80-120/Std.
Am Abstellplatz muss der Untergrund befestigt und tragfähig sein und einer Punktbelastung von etwa 1,5 Tonnen standhalten. In der Regel wird das durch Betonflächen oder speziell vorbereitete Punktfundamente gewährleistet.

Fortsetzung: Ausbau des Seecontainers zum Pocketcontainer

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