Wieder Wild: Selbstbausatz für ein Tiny House

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Gastartikel von Hendrik Raufmann – Jetzt im Sommer 2015, wenn die Sonne wieder auf Berlin-Kreuzberg scheint, wird das urbane Gartenprojekt, der Prinzessinnengarten zum Schauplatz für ein gemeinschaftliches Experiment: Das Team von Wieder Wild hat einen modularen Selbstbausatz für ein Tiny House entwickelt. Mitten im belebten Kreuzberg, zwischen Investorengroßprojekten und Kiez im schnellen Wandel, entsteht der Prototyp unter Beteiligung der Öffentlichkeit – sozusagen im Wikipedia-Prinzip. Wer Lust am Bauen und Gestalten hat, ist dazu eingeladen, mitzugestalten, mitzubauen und mehr über die Idee vom Leben in einem Tiny House zu erfahren.

Für die Crowd, mit der Crowd, durch die Crowd

Das Haus wurde mit dem Ziel entwickelt, dass es jeder – ob Profi oder Anfänger – nachbauen kann. Vom Grundriss bis zur Fassadengestaltung: Das Design des Hauses passt sich der Individualität seiner Bewohner an. Alle Materialien sind im Baumarkt verfügbar. Das modulare System lässt sich auf kleinem Raum, z.B. in einer Garage vorbauen und kann per Kleintransporter zur Montage an jeden beliebigen Ort gebracht werden. Mögliche Einsatzgebiete sind u.a. Kleingartenanlagen, natürlich sensible Umgebungen, Wochenendgrundstücke und soziale Bauvorhaben.

Das Team von Wieder Wild eint verschiedene Expertisen in puncto Bauen, Energietechnologie, Marketing & Lebenslust. Wieder Wild hat jedoch von Beginn an gewusst, dass sich ein Haus in dieser Art nicht ohne die finanzielle Unterstützung von Außen bauen lässt. Denn hinter der Idee steckt kein kommerzielles Interesse und kein Investor, sondern nur der Wille der Teammitglieder und der Zuspruch der Gemeinschaft: selbst zu testen, wie sich ein hübsches, flexibles und kostengünstiges Tiny House realisieren lässt. Wieder Wild lädt seine Unterstützer ein, das Haus via Crowdfunding finanziell zu ermöglichen. Dafür bieten sie Hausbau-Workshops an oder gemeinsame Abendessen mit dem Team. Dem besonders großzügigen Unterstützer wird sogar das ganze Haus überlassen.

Hack dein Holz selbst, dann wärmt es doppelt.

Wieder Wild handelt aus der Überzeugung, dass Selbermachen oder Tauschen ein Weg sind, um Kosten zu reduzieren, wieder einen Bezug zu unserer materiellen und natürlichen Umwelt zu entwickeln und vor allem dazu Gelegenheit gibt, gemeinsam mit Gleichgesinnten Spaß zu haben.

„Es geht darum herauszufinden, was könnte bzw. was kann man noch können ? Vielleicht kann man noch mehr und anderes als das, wozu man ausgebildet worden ist. Es geht darum Neues auszuprobieren und zu lernen. Alles Neue begann als Selbstgemachtes. Bis zur Einführung des Expertenteams waren es immer Individuen mit Ideen, die in Neuland vordrangen und etwas entwickelten, wovon andere nur träumten. Begonnen hat das mit der Geburt des Menschen. Eines hat sich nie geändert: DIY war schon immer ein Verlangen nach Veränderungen und Verbesserungen.“ (Zeitpunkt, Ausgabe 118)

Aktuell übernimmt fast jeder Bauherr eine passive Rolle. Er überlässt es meist fremden Experten, eine Wohnung oder ein Haus, also das für ihn bestimmte Lebensumfeld zu erschaffen. Dadurch entfällt die einmalige Chance für die tiefgreifende Auseinandersetzung mit den persönlichen Bedürfnissen und deren Übersetzung in Material, Form, Farbe und Licht. Zeitgleich wird die Natur pragmatisch zum Baugrundstück umdefiniert, die Wahrnehmung der Umwelt weicht Auflagen, Kostenfaktoren und konservativen Baumethoden. Selbst interessierten Bürgern, denen an Alternativen gelegen ist und die sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst sind, scheuen sich vor dem Handanlegen, allzu kompliziert und unübersichtlich erscheint das Bauen. Hinzu kommen große Unsicherheiten bei der Wahl des Wohnraums: Nervöse Rohstoff- und Energiemärkte, rapide steigende Wohnkosten und allseitig geforderte Mobilität stellen unsere bisherigen Prinzipien bei der Wahl zwischen Wohnung und Haus in Frage – teuer Mieten oder Bauen für die Ewigkeit? Es geht zum einem um die Frage, was kann ich mir leisten? Aber zum anderen wird es immer wichtiger, sich zu fragen: was will ich mir leisten?

Wer sich für das Projekt von Wieder Wild interessiert findet alle Infos zum Crowdfunding unter www.startnext.de/dasnest

Bildquelle: wiederwild.org

Über den Gastautor

Hendrik Raufmann ist Teil des Teams von Wieder Wild. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern hat er einen Selbstbausatz für ein Minihaus aus Holz entworfen, womit jeder, auch ohne Bauerfahrung und mit einfachen Werkzeugen, sein eigenes Tiny House bauen können soll. Das Konzept wartet nun darauf mit Hilfe von Crowdfunding auf die Probe gestellt zu werden: Im Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg soll der Prototyp gebaut werden. Mit der finanziellen Unterstützung der Crowd – die Zielsumme beträgt € 25.000 – wird das Baumaterial gekauft, das Haus gebaut und die Besucher des geplanten Bauworkshops verpflegt werden.

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