Was sich Tiny Houses von Wohnmobilen abschauen können (6)

Gastartikel von Ulrich Dolde – Fortsetzung und letzter Abschnitt der sechteiligen Artikelserie:

3. Wasserversorgung

Wasserbevorratung und Wasseraufbereitung:
Wer in seinem Tiny House nicht an die Wasserversorgung angeschlossen ist und auch keine Quelle auf dem Grundstück hat, wird um einen Frischwassertank kaum herum kommen. Der muss beim Kleinhaus sicherlich nicht aus dem Wohnmobilbereich kommen, denn hier wird man ggf. auf etwas größere „Gebinde“ mit vielleicht 500 oder 1000 Liter Wasser setzen. Wir haben in unserem Womo drei separate 100‐Liter‐Tanks verbaut, so dass wir unterwegs auch mal Wasser zweifelhafter Qualität tanken können, wenn dies erforderlich ist, ohne den gesamten Wasservorrat zu „kontaminieren“.

frischwassertanks-womoDrei Frischwassertanks á 100 Liter sind unter dem Bett verbaut.

Was man bei Trinkwassertanks aber auf jeden Fall machen sollte ist die Konservierung des Wassers. Wir verwenden in Europa das Mittel Certisil. Dabei handelt es sich um eine Silberionen‐ Lösung, die in einem bestimmten Mischungsverhältnis je nach Volumen des Tanks zugesetzt wird. Damit wird sauberes Trinkwasser bis zu sechs Monate konserviert.

Sind wir im fernen Ausland unterwegs und tanken klares Wasser von zweifelhafter Qualität, dann verwenden wir Certisil forte, in dem zusätzlich Chlor enthalten ist, das Bakterien und Viren abtötet.

Damit wir diese „Leichenbrühe“ nicht trinken müssen, haben wir zusätzlich eine „water‐jack fresh“‐Wasserfilteranlage von www.famous‐water.com installiert, die Bakterien und Viren bis zu einer „Größe“ von 0,2 Micrometer aus dem Wasser filtert. Dazu gehören 99,9% aller Bakterien, was dazu geführt hat, dass wir auf Reisen noch nie mit Magen‐Darm‐Problemen zu kämpfen hatten. Viren sind in der Regel kleiner, docken sich jedoch gerne an größere Bakterien an, weshalb auch sie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit aus dem Wasser gefiltert werden – ganz gleich, ob sie noch leben oder bereits durch Certisil forte abgetötet worden sind.

wasserfilteranlage-womowater‐jack fresh Wasserfilteranlage mit 2 parallel geschalteten Keramikfiltern und einem Carbonfilter

Sind wir gezwungen, trübes Wasser aus Pfützen, Brunnen oder Bächen zu tanken, dann schalten wir vor der Befüllung unserer Wassertanks einen sogenannten Inline‐Filter von famous‐water vor. Der sorgt dafür, dass selbst trübes Wasser kristallklar in den Tank kommt, allerdings fischt er nur Bakterien und Viren bis zu einer Größe von 0,1 Mikrometer aus dem Wasser, weshalb die Certisilbehandlung und die nachträgliche „Feinfilterung“ des Wassers durch den „water‐jack fresh“ durchaus Sinn machen. Betrieben wird die gesamte Anlage von einer Shurflo‐ Wasserpumpe für Wohnmobile, die es in unterschiedlichen Leistungs‐ und Druckstufen gibt.

betankungsfilter-womowater‐jack inline‐Betankungsfilter

Abwasserentsorgung:
Ein großes Problem für kleine Häuser kann das Abwasser darstellen. Ist kein Anschluss an die örtliche Wasserentsorgung möglich, wird häufig gar nicht erst eine Baugenehmigung erteilt. Deshalb können auch hier autarke System aus dem Wohnmobilbereich eine wirksame Lösung darstellen – vorausgesetzt die Behörden akzeptieren diese.

Die einfachste, aber unkomfortabelste Lösung stellt eine Cassettentoilette dar, so wie wir sie in unserem Expeditionsmobil verbaut haben. Es handelt sich dabei um eine Thetford C 200 CS Toilette mit Elektrischer Wasserspülung (es gibt auch eine Variante mit einem in der Toilette eingebauten Wassertank) und mit einer 18 l‐Fäkaliencassette.

cassettentoilette-womoUnsere Cassettentoilette von Thetford ist drehbar. Das Waschbecken darüber nach links klappbar, was die Benutzung der Toilette ungemein erleichtert ;‐)

Ist diese voll, kann sie aus dem Serviceschacht entnommen und in einer herkömmlichen Toilette oder an einer Entsorgungsstation auf dem Campingplatz geleert werden. Verbaut man zusätzlich eine SOG‐Entlüftung, dann wird beim Öffnen der Klappe Luft aus der Cassette abgesaugt, so dass es kaum unangenehme Gerüche während der Toilettenbenutzung geben kann. Dadurch kann man auf umweltschädliche Chemie verzichten und könnte – wenn man dürfte – die Gülle als Dünger in der Natur „verklappen“. Ist dies nicht erlaubt, muss man auf eine der o.g. Entsorgungsmöglichkeiten ausweichen.

toilettencassette-womoToilettencassette mit SOG‐Entlüftung

Der Nachteil dieser Lösung ist der, dass im Zweipersonenbetrieb alle zwei bis drei Tage die Cassette geleert werden muss und man sich so in relativ kurzem Abstand mit seinen Stoffwechselendprodukten konfrontiert sieht.

Komfortablere Lösungen im Womo‐Bereich bestehen darin, dass man Zerhackertoiletten in Verbindung mit einem mehr oder weniger großen Fäkalientank einsetzt, der die Entsorgungszyklen dementsprechend hinauszögert, dann allerdings den Einsatz des Fahrzeugs erforderlich macht, um 150 oder 200 „Gülle“ los zu werden. Im Kleinhaus kann ein entsprechend großer Tank das Problem noch weiter hinauszögern, der dann allenthalben von einem Serviceunternehmen geleert im Sinne von abgepumpt wird.

Sind solche Serviceunternehmen nicht verfügbar und die „Verklappung“ in der Natur einer Baugenehmigung im Wege, kann eventuell Cinderella helfen. Findige Norweger, die offensichtlich genau solche Probleme haben, haben ein Toilettensystem entwickelt, das tatsachlich auf den lyrischen Namen Cinderella hört, aber ganz und gar nichts mit langen blonden Haaren zu tun hat.

Cinderella ist ein relativ neues System, bei dem die Stoffwechselendprodukte mittels Gas zu Asche verbrannt und verdampft werden. Wahrscheinlich rührt hier der rührende Name für den „Thron“ her. Für den Einsatz im Wohnmobil halte ich es aufgrund des recht hohen Preises zwischen 2.800 und 4.500 Euro für relativ übertrieben und aufgrund des hohen Gasverbrauches auch nur für bedingt praktikabel. Im Tiny‐Häuschen kann Cinderella aber eine wirkungsvolle Alternative fürs „Häuschen“ darstellen, wenn der Nachweis der Null‐Kontamination des Grundwassers gegenüber den Baubehörden erbracht werden muss. Wer Cinderella näher kennen lernen möchte, kann sich unter folgendem Link weiter informieren: www.cinderella‐toilet.nl

So möchte ich mit diesem delikaten Thema nun auch zum Schluss kommen und hoffe, für Bewohner von Minihäusern, Zirkus‐ und Bauwagen ein paar hilfreiche Anregungen aus dem Wohnmobilbereich geliefert zu haben. Natürlich könnte man das ganze Thema noch deutlich weiter ausbreiten, ja ganze Bücher darüber schreiben, was ich ja auch getan habe. Zumindest eines, das den Ausbau und die technische Ausstattung von mobilen Kleinsthäusern – sprich Wohnmobilen – betrifft. Ein ganz ähnliches Projekt – eine Bau- und Ausbauanleitung für Kleinhäuser, wiederum basierend auf meinen einschlägigen Erfahrungen – ist bereits in Planung.

Herzlichst Ihr

Ulrich Dolde

Über den Gastautor

Buch_-Wohnmobile_selbst_ausbauen_und_optimieren_arUlrich Dolde ist Verfasser des Buches „Wohnmobile selbst ausbauen und optimieren – 1000 Tipps und Tricks für alle Wohnmobil-Selbstausbauer und Wohnmobil-Optimierer“, welches aufgrund der fundierten, umfassenden Abhandlung aller relevanten Themen gut und gerne als „Wohnmobil-Ausbau- und Optimierungs-Bibel“ bezeichnet werden kann und das inzwischen in einer 3. überarbeiteten und erweiterten Auflage erschienen ist. Das Buch ist als Hardcover-Version mit 512 Seiten zum Preis von € 67,90 (versandkostenfrei nach D und A) oder als E-Book für € 38,90 erhältlich – jeweils mit Online-Zugang zu digitalen Planungstools.

Der Autor, der dank der geländegangigen Lkw-Basis seines Wohnmobils gemeinsam mit seiner Frau bevorzugt in nordafrikanischen Wüstenregionen herumkurvt, plaudert in unserer sechsteiligen Artikelserie sehr anschaulich aus dem Nähkästchen: In seinem selbst ausgebauten Wohnmobil hat er auf 8 m² alles untergebracht, was man zum Leben braucht. Und da es, gerade was die Technik in Sachen Strom-, Wasser- und Heizungsinstallation anbelangt, im Wohnmobil-Sektor eine Vielzahl von technischen Lösungen gibt, die sich auch im Tiny House anbieten, wenn nicht sogar aufdrängen, sind seine Tipps sicher auch für unsere Leser besonders wertvoll.

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