Tiny Houses versichern – Welche Versicherung ist sinnvoll?

versicherungWeil der Trend zum Tiny House noch relativ jung ist, gibt es hierfür kaum Standardversicherungen – was aber nicht bedeutet, dass man sein kleines Heim nicht rundum gut versichern kann. Denn in Deutschland gilt der Grundsatz der Vertragsfreiheit. Das heißt: Im Prinzip ist jede Art von Versicherung möglich. Das gilt auch für Versicherungsverträge. Welche Art von Versicherung für ein Tiny House gewählt wird, hängt im Wesentlichen von der Mobilität des Heims ab.

Versicherung abgeschlossen – Risiko ausgeschlossen?

Auch wenn es uns die Werbung immer wieder suggerieren will: Eine Versicherung schützt nicht vor einem Schaden. Sie sichert vielmehr einen finanziellen Verlust ab, der durch einen Schaden entstehen kann. Daraus ergibt sich die Faustregel:

Der Preis für eine Versicherung bestimmt sich nach der Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts und der Höhe des Schadens.
Im Einzelnen gibt es jedoch große Unterschiede – sowohl bei den Preisen als auch bei den Versicherungsbedingungen. Deshalb ist es ratsam, die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Auch auf eigene Vorsorgemaßnahmen darf man nicht verzichten. Denn es gilt:
Für Schäden, für die man aufgrund vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Handelns verantwortlich ist, haftet in der Regel keine Versicherung.

Auf festem Boden: die Gebäudeversicherung

Eine Gebäudeversicherung gleicht Schäden am Haus selbst aus. Sie kommt aber nur für stationäre, fest mit dem Boden verbundene Häuser infrage. Die Größe spielt dabei grundsätzlich keine Rolle. Weil der Standort eines Hauses die Wahrscheinlichkeit und die Höhe von Schädigungen an der Substanz beeinflusst, ist eine Gebäudeversicherung für mobile Heime deshalb nicht möglich. Mit einer Gebäudeversicherung lassen sich nur Schäden an dauerhaft stationären Tiny Houses versichern. Schäden können zum Beispiel durch Brand, Blitzeinschlag, Überschwemmungen, Sturm oder Hagel entstehen.

Bei einem Totalschaden wird grundsätzlich der Zeitwert eines Gebäudes von der Versicherung gezahlt. Der Neuwert wird ersetzt, wenn auf dem Grundstück ein neues Haus errichtet wird. Schäden am Hausrat werden von einer Gebäudeversicherung jedoch nicht erfasst.

Möbel, Geräte & Co.: die Hausratversicherung

Hausrat ist alles, was herunterfällt, wenn man das Haus einmal kräftig durchschüttelt. Die klassische Hausratversicherung ist für Tiny Houses aber nicht geeignet. Auch wer neben seinem mobilen Heim über einen festen Wohnsitz verfügt, kann die in das Tiny House verbrachten Gegenstände in der Regel nicht über eine „Außenversicherung” absichern, die in vielen Hausratsversicherungen enthalten ist. Die Außenversicherungen sind nämlich zumeist an zahlreiche Bedingungen geknüpft.

So greift zugunsten des Versicherungsunternehmens meist die sogenannte „Nachtklausel”: Was sich zwischen 22 und 6 Uhr nicht in einem festen Gebäude befindet, wird vom Vertragsschutz nicht erfasst. Konsequenz: Steht das Tiny House in einer verschlossenen Garage, ist alles gut. Was in der Nacht aus dem im Freien befindlichen Tiny House gestohlen wird, wird jedoch nicht ersetzt. Lösungen sind individuelle Versicherungen für Mobilheime, die auch den in diesen Häusern untergebrachten Hausrat versichern.

Besonders der Einbruchdiebstahl ist ein Risiko, das sich kaum ausschließen lässt. Eine Versicherung ist in dieser Hinsicht also sinnvoll.

Die Wohnwagen-Versicherung

Je nachdem, ob man mit dem Tiny House auf Achse sein will oder ob es einen Dauerstandplatz erhält, gibt es unterschiedliche Versicherungsmöglichkeiten. Für mobile Tiny Houses sind Haftpflichtversicherungen vorgeschrieben, wenn das Haus als Wohnwagen klassifiziert werden kann. Schäden an der Unterkunft können mit klassischen Campingversicherungen abgedeckt werden. Hier sind zum Teil auch Inhaltsversicherungen für den Hausrat und spezielle Haftpflichtversicherungen möglich.

Wer sein Tiny House auf privaten Grundstücken platziert, sollte die Versicherungen immer individuell aushandeln. Die typischen Campingversicherungen sind nämlich nur auf Wohnwagen beschränkt, die auf offiziellen Campingplätzen stehen.

Auto und Trailer versichern

Wer ein Tiny House mit einem Kfz bewegt, muss auf jeden Fall eine Haftpflichtversicherung für den Wagen abschließen. Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben – übrigens in der ganzen EU. Eine solche Versicherung deckt Schadensersatzansprüche von anderen Personen ab, die aufgrund des Betriebs eines Kfz Einbußen erleiden. Diese Schadensersatzansprüche können unabhängig von eigenem Verschulden begründet sein. Denn der Betrieb eines Kraftfahrzeuges ist potenziell gefährlich. Daher gibt es neben der Verschuldens- auch eine Gefährdungshaftung.

Wer mit einem Kfz unterwegs ist, um ein Tiny House auf einem Anhänger zu bewegen, muss diesen Anhänger zusätzlich haftpflichtversichern. Dieser wird nämlich nicht automatisch von der Haftpflicht oder Kaskoversicherung des Kfz erfasst.

Beim Einbringen des Tiny Houses in den Straßenverkhr ist aus versicherungsrechtlichen Gründen relevant, ob das Tiny House als Wohnwagen deklariert wird oder (vom Trailer unkompliziert lösbar) als Ladung angesehen werden kann. Die als „Ladung“ konzipierten Tiny Houses kann man nämlich vorab von der DEKRA als „ordentlich gesicherte Ladung“ zertifizieren lassen, was im Falle eines Unfalls eine nervige Auseinandersetzung mit der Versicherung ersparen dürfte.

Unentbehrlich und günstig: die private Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung gilt – wie eine Krankenversicherung – als einer der wichtigsten Vorsorgeverträge überhaupt. Während eine Krankenversicherung für die meisten Menschen (inzwischen auch für Selbstständige) obligatorisch ist, gibt es kein Gesetz, das eine private Haftpflichtversicherung vorschreibt. Wer an dieser Stelle sparen möchte, geht allerdings ein hohes Risiko ein. Denn schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann einen hohen Schaden anrichten. Und oft gibt es Grenzfälle. Ein Beispiel: Es existiert zwar eine Haftpflichtversicherung (zum Beispiel für das Tiny House als Wohnwagen), ein Schaden entsteht jedoch durch eine menschliche Handlung, die mit dem Haus nicht in Verbindung steht. Wer einen hohen Schaden dann nicht ausgleichen kann, ist schlimmstenfalls ruiniert. Dabei gibt es Haftpflichtversicherungen bereits für ein paar Euro monatlich – und ganz unkompliziert lässt sie sich zum Beispiel bei den Haftpflichthelden abschließen. Die private Haftpflicht ist definitiv ein Muss.

Vor Vertragsabschluss gut informieren!

Wer gut informiert in ein Beratungsgespräch geht, ist klar im Vorteil. Man sollte sich deshalb vorher über die gängigen Versicherungsbedingungen für ähnliche Sachverhalte erkunden. Neben dem Suchbegriff „Tiny House Versicherung” empfehlen sich auch die Keywords „Wohnwagen”, „Schäferwagen” oder „Zirkuswagen”. Die meisten Versicherungsverträge für Tiny Houses werden diesen Verträgen ähneln. Es gibt auch Versicherungsmakler, die sich auf Versicherungen für die kleinen Häuser auf Rädern spezialisiert haben. Auch hier hilft eine Google-Suche oft weiter.

Wichtige Tipps:

Versicherungsverträge begründen Rechte und Pflichten. Oft geht es um viel Geld, und es gibt kaum einen Anspruch aus einer Versicherung, der nicht an gewisse Voraussetzungen gebunden ist. Deshalb sollte man einige Tipps beherzigen:

  • Stellen Sie fest, zu welchen Versicherungen Sie gesetzlich verpflichtet sind.
  • Prüfen Sie genau, für welche Schäden eine bestimmte Versicherung aufkommt.
  • Informieren Sie sich vor einem eventuellen Grenzübertritt über Versicherungsbedingungen im Ausland.
  • Besonders wichtig sind Haftpflichtversicherungen!
  • Schildern Sie vor Vertragsabschluss alle besonderen Umstände möglichst genau. Wer wichtige Einzelheiten verschweigt, verliert in der Regel den Versicherungsschutz.

 
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