Selbstversorgung im Minihaus: Gartenhühner (1)

Der Wunsch nach weitestgehender Autarkie im Minihaus ist meist durch Krisenvorsorge – ganz gleich ob vor einer persönlichen finanziellen Krise oder einer Wirtschaftskrise – und der Sehnsucht nach einem naturverbundenerem Leben begründet. Auch eine ökologischere Lebensführung kann ein Motiv sein, wenn man bedenkt, dass in den abgedeckten Bereichen Zulieferung und Versorgungsfahrten wegfallen. Mit Minimalismus und einfachem Leben hat Autarkie und Selbstversorgung selten etwas zu tun: Einfacher lebt es sich sicher, wenn man sich bedienen lässt und alles „mundgerecht“ serviert bekommt – es bleibt lediglich die Mühe, passende Anbieter zu suchen.
Selbstversorgung bedeutet, neben dem Arbeitsaufwand, täglich Verantwortung für die eigne Lebensführung zu tragen. Diese Vorstellung mag manch einen zaudern lassen – empfinden viele Menschen das Leben heutzutage ohnehin schon als zu komplex. Die Mühe, die Selbstversorgung mit sich bringt, kann jedoch zweifellos durch das befriedigende Gefühl von Unabhängigkeit und Naturverbundenheit wettgemacht werden.

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Selbstversorgung – bereichernd oder kräftezehrend?

Wege zu mehr Autarkie gibt es einige – die einen sehr bequem durch eine einmalige Installation (wie bei PV-Modulen für Strom oder einer Grünkläranlage auf dem Dach für Brauchwasser), die anderen mehr oder weniger arbeitsintensiv (wie bei der Selbstversorgung aus dem Garten). Um das richtige Maß an Belastung und Befriedigung für sich persönlich zu finden, lohnt es sich, vorab und auch später in regelmäßigen Abständen in sich zu gehen und die eigenen Beweggründe, Vorstellungen und Kapazitäten zu ergründen.
Eine Pauschalempfehlung kann es nicht geben, da die Kombination aus Lebens- und Wohnverhältnissen, aus der individuellen Belastbarkeit und den Wünschen und Bedürfnissen einfach zu individuell ist.

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Projekt „Gartenhühner“ – für wen eignet es sich?

Selbstversorgung aus dem Garten muss nicht beim Gemüseanbau (ggf. im Hochbeet) aufhören: Tier- und insbesondere die Hühnerhaltung im Garten war in Deutschland bis vor ein paar Jahrzehnten selbst im urbanen Raum noch recht verbreitet – jetzt wird sie wieder zunehmend beliebt.

Wir haben selbst das Experiment gewagt und eine Mini-Hühnerfarm im Garten vor unserem Büro errichtet. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir über unsere Erfahrungen berichten. Wir werden Tipps für die Wahl der passenden Hühnerrasse(n), den Kauf und Bau von Hühnerställen, die Gestaltung des Auslaufs und vielem mehr geben.

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Zu Beginn jedoch ein paar grundlegende Gedanken:

  • Die Anschaffung von Tieren bedeutet Verantwortung. Im Fall von Hühnern gilt das nicht für Jahrzehnte – ohnehin finden sich für gesunde (und insbesondere Rasse-)Hühner leicht Abnehmer, wenn Sie sich umentscheiden – jedoch muss die Haltung tadellos und tiergerecht sein, solange die Hühner in Ihrer Obhut sind.
  • Stall und Auslauf müssen groß genug sein (pro Huhn mindestens einen halben Quadratmeter Stallfläche und 10 Quadratmeter Auslauffläche). Dabei sollte zusätzlich zum Weidebereich an den Stall vorsorglich ein überdachter Auslauf angegliedert sein – zum einen als Kaltscharrraum und damit die Hühner bei jedem Wetter ein trockenes Sandbad zur Verfügung zu haben, zum anderen für den Fall einer erneuten Aufstallpflicht aus Seuchenschutzgründen: Bei Vogelgrippe-Alarm ist Weidehaltung nicht erlaubt und die Hühner benötigen einen geschützten Auslauf. Dies sollte bei der Stallplanung also unbedingt bedacht werden.
  • Der Stall muss regelmäßig gesäubert werden (je nach Stall täglich das Kotbrett, wöchentlich der ganze Stall und monatlich eine Grundreinigung mit Desinfektion).
  • Morgens muss die Hühnerklappe geöffnet und abends (zum Schutz vor Beutegreifern wie z.B. Marder oder Fuchs) geschlossen werden. Täglich muss frisches Wasser und Futter bereitgestellt werden. Die tägliche Routine kann bei einem wirklich gut konzipierten Stall bei Bedarf zwar auf eine Viertelstunde reduziert werden, jedoch werden Sie schon jetzt sehen, dass Hühnerhaltung eher zu einem Haushalt passt, in dem „Routine“ kein Frendwort ist. Für alle Eventualitäten gibt es aber auch Stall- und Auslaufzubehör wie elektrifizierbare Zäune und elektrische Klappenöffner (über beides werden wir noch eingehend berichten), sodass die Hühner z.B. abends trotz einer überraschenden Einladung ihrer Menschen ins Kino geschützt sind.
  • Hühner lassen sich tatsächlich gut im Garten halten – vorausgesetzt man wählt eine passende Rasse und gärtnert im Einklang mit den Bedürfnissen der Hühner (auch hierzu demnächst mehr).
  • Wenn Sie sich für die Hühnerhaltung entscheiden, beginnen Sie mit mindestens drei Hühnern einer robusten, freundlichen Rasse (Hühner sind keine Eizelgänger!). Für täglich frische Eier brauchen Sie im Übrigen keinen Hahn. Hühner legen auch ohne Hahn Eier – nur Küken werden Sie ohne Hahn keine bekommen.
  • Und schließlich: Hühnerhaltung kann leicht zur Passion werden, denn (vor allem die zutraulichen) Hühner sind ausgesprochen nette Wesen.

 
Robert Höck, der einen sehr informativen, abonnierenswerten Youtube-Kanal über Hühnerhaltung betreibt, hat den grundsätzlichen Überlegungen vor der Anschaffung von Hühnern ebenfalls eine Folge gewidmet:

Alle, die sich nun vom Thema „Hühnerhaltung im eigenen Garten“ angesprochen fühlen, möchten wir einladen, uns in dieser Artikelserie beim Pimpen eines „Anfängerstalls“, beim Einzug unserer drei Australorp-Hühnchen, ihren Ausflügen ins Gelände sowie ihren (und unseren) weiteren Abenteuern zu begleiten …

Zur Ergänzung hier noch die Links zu drei Büchern die wir wärmstens zur Einstimmung in das Projekt „Gartenhühner“ empfehlen können (… die Bücher sind natürlich nicht nur auf Amazon, sondern auch über Ihre nächstgelegene Buchhandlung beziehbar):

          

Bildquellen: markusspiske/pixabay.com (Bild 1), privat (Bild 2-4)

Weiter geht’s mit Gartenhühner (2) – Geeignete Hühnerrassen

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