Selbstversorgung aus dem Garten: das Hochbeet

Weniger beim Bau von Minihäusern als vielmehr in der Tiny-House-Szene ist Autarkie ein häufig angestrebtes Ziel: Auch wenn der Anschluss an das öffentliche Ver- und Entsorgungssystem in der Regel eine Grundbedingung für die Erteilung von Baugenehmigungen ist, wird in Foren ausgiebig über die Selbstversorgung mit Strom (z.B. durch Photovoltaik), über Wasserspeicher und Komposttoiletten diskutiert. Eher selten stößt man bei der Lektüre der Beiträge jedoch auf Überlegungen zu weitergehender Autarkie durch Selbstversorgung. Das mag darin begründet sein, dass der Bau oder Kauf eines Tiny Houses für die meisten Diskussionsteilnehmer eine Zukunftsvision ist und daher der Alltag rund um das Wohnen im Tiny House noch keine Rolle spielt. Ein anderer Grund könnte sein, dass Tiny-House-Bauherren mangels kleiner, für Tiny Houses ausgewiesener Bauplätze oftmals auf Campingplatz-Stellplätze oder Parzellen in Freizeitgeländen angewiesen sind und dort keine weitergehende individuelle Nutzungsmöglichkeit gegeben ist. Wir meinen dennoch, dass es sich lohnt (und dem Autarkie- und Nachhaltigkeitsaspekt Rechnung trägt), über Möglichkeiten zur Selbstversorgung aus dem Garten nachzudenken.

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Völlige Autarkie kann es mit einem Gärtchen um das Minihaus natürlich nicht geben, aber die Selbstversorgung aus dem Garten ist ein Schritt in Richtung „Leben mit der Natur“, kann dann und wann Einkaufsfahrten erübrigen und entlastet den Geldbeutel. Wir möchten deshalb einige Möglichkeiten aufzeigen, wie kleiner Raum zur Selbstversorgung genutzt werden kann. Da der Herbst mit den vielen anfallenden Gartenabfällen der optimale Zeitpunkt für die Anlage eines Hochbeets ist, macht dieses den Anfang.

Die Konstruktion des Hochbeets

Hochbeete sind die ideale Möglichkeit, sich auf kleinem Raum mit Salat und Gemüse aus dem eigenen Garten zu versorgen. Ihr Aufbau begünstigt Feuchtigkeits- und Wärmespeicherung und führt so zu guten Erträgen bei gleichzeitiger rückenschonender Arbeitshöhe. Direkter Kontakt zum Erdreich ist (wegen des Kontakts mit vorhandenen Mikroorganismen von Vorteil, aber nicht unabdingbar – so kann ein Hochbeet auch auf einer Terrasse aufgebaut werden. Wichtig ist (bei undurchlässigen Untergründen) jedoch eine gute Drainage – entweder durch eine Kiesschicht oder durch eine leichte Neigung der Fläche – sowie generell eine sonnige Lage des Hochbeets.

Die Wände des Hochbeets bestehen üblicherweise aus (unbehandeltem) Holz, Naturstein oder auch Wellblech. Wir haben uns – nach Abwägung der Anforderungen an Haltbarkeit und Kosten – für eine möglichst massive Version aus Konstruktionsvollholz (Fichte) entschieden und für Bretter aus Lärchenholz für einen Rahmen „ontop“. Konstruktionsvollholz bezieht man in der Regel in besserer Qualität und zu günstigeren Preisen als aus dem Baumarkt von einem Sägewerk mit Holzhandel, einer Zimmerei oder einem Holzzentrum in der Region – in unserem Fall war es das Holzzentrum Traunstein.

Im Vergleich zu Lärche ist Fichtenholz zwar weniger witterungsbeständig, aber wesentlich günstiger – nur so stehen die Kosten für dermaßen massive Wände eines Hochbeets im richtigen Verhältnis zum gärtnerischen Projekt.
Die Länge der Vierkanthölzer war schon passend zugeschnitten. Wir haben die Enden noch für eine Verzapfung vorbereitet, dann konnte schon zusammengesetzt werden.

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Aufgrund der großen Ausmaße unseres Hochbeets – eine L-Form mit 3,60 m an der längsten Seite haben wir – um ein Verziehen weitestgehend zu verhindern – in den Ecken und an den Innenseiten des langen Schenkels noch Aluprofile eingesetzt. Für eine Verschraubung im Außenbereich bieten sich Torxschrauben aus Edelstahl an.

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Zur Erhöhung der Witterungsbeständigkeit des Holzes (und zur optischen Angleichung an Steinmauern und bereits vergraute Holzkonstruktionen) haben wir die Außenseiten und die oberste Balkenlage des Hochbeets mit der Einmal-Lasur HS Plus von Osmo (Farbton „Silberpappel“) gestrichen. Diese sehr ergiebige Holzlasur auf Naturölbasis, die in getrocknetem Zustand als „unbedenklich für Mensch, Tier und Pflanzen“ eingestuft wird und auch für den Anstrich von Kinderspielzeig geeignet ist, haben wir bisher bei verschiedenen Gelegenheiten eingesetzt.

Die Innenseite der Hochbeetwände blieb ansonsten unbehandelt. Zum Schutz vor Nässe aus dem Erdreich haben wir vor der Befüllung des Hochbeets eine Noppenfolie aus dem Gartencenter an die Wände getackert. Von unten schützt ein Drahtgitter vor dem Eindringen von Wühlmäusen.

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Der Schichtaufbau des Hochbeets

Die (erstmalige) Befüllung des Hochbeets erfolgt in Schichten. Diese sind (von unten nach oben):

  • Baum- und Strauchschnitt
  • Grünabfälle/Rasenschnitt/Laub
  • Stallmist und halbreifer Kompost
  • Humose Gartenerde gemischt mit reifem Kompost

 
Als Faustregel für die Höhe eines Hochbeets rechnet man für eine bequeme Arbeitshöhe mit 80-100 cm. Da unser Hochbeet in einem erhöhten Bereich des Gartens oberhalb einer Trockenmauer liegt, von der aus gut auf das Beet zugegriffen werden kann, haben wir uns für eine halbhohe Variante entschieden. Bepflanzt haben wir das Hochbeet (erst Anfang Juni und trotz noch ungenügender Befüllung) mit Salat und Kartoffeln. Die weitere Befüllung unseres Beets ist nach der Ernte der Kartoffeln, den herbstlichen Gehölzrückschnitten und der letzten Mahd geplant. Im Frühjahr wird bei Bedarf nochmal mit etwas Erde randhoch aufgefüllt – eine Ausnahme stellen Beete bzw. Beetbereiche dar, in denen Kartoffeln angebaut werden: Diese werden mit fortschreitendem Wachtumsprozess durch Anhäufeln um die Kartoffelpflanzen nach und nach weiter aufgefüllt.

Vorteile des Hochbeets gegenüber ebenerdigen Beeten

Anders als in einer ebenerdigen Beetanlage, bei der die Wärme durch die Sonneneinstrahlung von oben zugeführt wird, heizt der Verrottungsprozess das Hochbeet von unten auf. Dadurch beginnt der Vegetationszyklus im Hochbeet schon deutlich früher im Jahr als in ebenerdigen Beeten – die Humusbildung sorgt außerdem für eine hohe Nährstoffdichte. Da zur Bestellung des Beetes nicht auf der Erde zwischen den Pflanzen gegangen werden muss, bleibt das Erdreich locker, was sich ebenfalls positiv auf Wachstum, Krankheitsresistenz und Ertrag der Pflanzen auswirkt. Ob es in einem Hochbeet weniger Unkraut gibt als in ebenerdigen Beeten, ist vor allem vom Befüllmaterial abhängig: Zwar findet Samenflug vorrangig in Bodennähe statt, doch bringt man mit Stallmist (d.h. mit teilweise unverdautem Körnerfutter) und Kompost ebenfalls unerwünschte Samen ein. Schnecken sind dagegen leicht fern zu halten und die bequeme Arbeitshöhe erleichtert das Bestellen des Beetes ohnehin.

Durch den Verrottungsprozess nimmt das Substratvolumen im Jahresverlauf ab und muss daher jedes Jahr neu aufgefüllt werden. Hierzu wird die obere Schicht zur Seite gerecht, darunter wird mit frischem, verrottungsfähigem Material (wie Rasenschnitt, Kompost, Mist) aufgefüllt und die oberste Erdschicht wieder deckend darauf verteilt. Im Gegensatz zu einem ebenerdigen Beet wird ein Hochbeet also nicht umgegraben. Erst nach fünf bis sieben Jahren sind auch die untersten Schichten soweit verrottet, dass das Hochbeet komplett neu aufgesetzt werden muss.

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