Potentiell mobil und autark: Wohnen auf dem Wasser

Der Mangel an (legalen) Stellplätzen für Tiny Houses stellt die eigentliche Hürde für viele derartige Bauvorhaben dar. Die meisten Bauherren in spe wünschen sich einen naturnahen Stellplatz, dem steht das Baurecht entgegen, das einer potentiellen Zersiedlung der Landschaft entgegenwirken soll. Und in der Tat stellt sich die Frage, wie ökologisch Tiny Houses wären, wenn dafür lauter Stellplätze mitten in der Natur gewählt würden. Die Lösung scheint vielmehr die Wiederbelebung aufgrund von Landflucht verlassener Dörfer zu sein sowie eine Nachverdichtung in der Stadt. Für Letzteres, nämlich Schaffung neuen Wohnraums auf städtischen Flachdächern, wurde demzufolge auch das Wohnmodul CABIN SPACEY entwickelt.

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Städtische Nachverdichtung auf dem Wasser

Eine andere Vision zur Nachverdichtung – zumindest in von Wasserwegen durchwobenen Ballungsräumen – ist die Schaffung von weiterem Wohnraum auf dem Wasser, mittels Hausbooten bzw. auf Potons schwimmenden Häusern. So wird in einem aktuellen Artikel im Blog von Allnatura über das AUTARK HOME berichtet:

autarkhome-hausboot

Das AUTARK HOME ist ein 2012 in den Niederlanden entwickeltes und gebautes schwimmendes Haus, dessen Prototyp in Maastricht „vor Anker“ liegt. Es ist nicht gerade klein und mit 130 Tonnen auch kein Leichtgewicht, was es aber interessant macht, ist die potentielle Autarkie und Mobilität. Das AUTARK HOME ist als Passivhaus konzipiert und mit Photovoltaik auf dem Dach sowie mit einem Osmose-Wasserfilter ausgestattet. Nun stellt sich die Frage, ob dies das Ei des Kolumbus ist …

Amsterdam macht es vor

Schauen wir uns die aktuelle Situation in den Niederladen an: Aufgrund der vielen Grachten ist dort auch in Städten das Wohnen in Hausbooten sehr verbreitet. Simone, ursprünglich deutsche und mittlerweile in Holland lebende Reisebloggerin und Betreiberin von nach-holland.de, schildert in ihrem Blog sehr eindrücklich, welche Gründe sie von ihrem ursprünglichen Traum vom Hausboot abgebracht haben. Kurz gefasst waren dies

  • zuallererst die horrenden Preise, die man für ein Hausboot mit einigermaßen ansprechendem Liegeplatz zahlen muss (für ein günstig erworbenes Boot ohne Platz einen Liegeplatz zu ergattern, scheint nach ihrer Schilderung nahezu unmöglich zu sein),
  • dann die speziellen Instandhaltungsarbeiten um das Boot dicht zu erhalten,
  • Wasserratten und Spinnen, die auf dem Boot Schutz suchen,
  • die schlechte (Umgebungs-)Wasserqualität im Sommer
  • und die eng beieinanderliegenden Anlegeplätze, die nicht unbedingt Privatsphäre garantieren.

 
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Nach Idylle und Freiheit auf dem Wasser klingt das in der Tat nicht gerade. Das Bild von den in Reih und Glied am Ufer liegenden Hausbooten scheint – abgesehen von der Größe der Wohnfläche – gar nicht weit von dem in Berlin am Straßenrand geparkten #Tiny100 entfernt. Zwar haben einige Hausboote einen kleinen Garten an Land, der durch einen Steg mit dem Liegeplatz verbunden ist, aber dann scheint es mit der Romantik auch schon vorbei zu sein: Genauso wie hierzulande Tiny Houses nur eine Baugenehmigung erhalten können, wenn die Anbindung an das öffentliche Netz sichergestellt ist, genauso darf seit ein paar Jahren in den holländischen Grachten das Brauchwasser nicht mehr einfach ausgeleitet werden, sondern muss an Land und dort in das Kanalsystem gepumpt werden. Zusätzliche Heizleitungen stellen sicher, dass die betreffenden Rohre und Leitungen im Winter nicht zufrieren.

Alles eine Frage des Geldes

Auch wenn Hausboote prinzipiell mobil sind und lediglich Verordnungen, nicht aber technische Möglichkeiten gegen eine autarke Nutzung an Dauerliegeplätzen sprechen, wird auch diese Wohnform nur für einen minimalen Prozentsatz von Einwohnern in Frage kommen. Sicher gibt es einige Hausboote, die mitsamt ihres Liegeplatzes ein hübsches Bild abgeben und auch ihren Bewohnern Freude bereiten. In den meisten Fällen wird diese Wohnidylle aufgrund von Angebot und Nachfrage jedoch teuer bezahlt worden sein. Das Wohnen auf Wasserwegen wird wohl kaum ein Patentrezept für Nachverdichtung im städtischen Raum darstellen können.
Für alle, die aber zumindest einmal Urlaub auf einem Hausboot in Amsterdam machen möchten, hat Simone auf nach-holland.de ein paar Adressen zusammengestellt.

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Bildquellen: Cabin Spacey (Bild 1), AUTARK HOME (Bild 2), Patricio Hurtado/pixabay.com (Bild 3), jarleeknes/pixabay.com (Bild 4)

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