Für Sie getestet: ChickenGuard Hühnerstall-Pförtner

Wer Hühner hält und nicht ohnehin regelmäßig morgens und abends zur Versorgung weiterer Tiere anwesend sein muss, der wird irgendwann – spätestens, wenn die Tage kürzer werden – an den Punkt kommen, wo ein händisches Öffnen und Schließen der Hühnerklappe bei Dämmerung mit anderen Aufgaben und Terminen kollidiert. Die Erzählungen von hühnermordenden, dämmerungs- und nachtaktiven Beutegreifern rufen dann schnell ein unterschwelliges Unbehagen hervor: Sind alle Hühner noch wohlauf, wenn ich im Dunkeln heimkomme? Für diese Fälle – und auch sonst zur Entlastung – wurden automatische Hühnerstall-Pförtner erfunden, die das Öffnen und Schließen der Hühnerklappe für den Menschen übernehmen.

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Wir haben unseren Stall mit zwei Hühnerklappen versehen: eine vertikale Schiebetüre auf der linken Seite des Stalls, eine horizontale auf der rechten Seite. Warum zwei Türen, könnten Sie fragen. Der Grund ist, dass wir Stall und Auslauf so konzipiert haben, dass man an den Stall ran kommt, ohne in den Auslauf zu gehen. Rechts und links vom Stall sind Auslaufbereiche, die man mit den beiden Klappen bequem wechselweise beweiden lassen könnte. Außerdem lässt sich im Stall – falls einmal Separierung nötig ist – ein Bereich abtrennen, der dann auch seine eigene Klappe hat. Eine Ganzjahreslösung sind zwei in Betrieb befindliche Klappen wegen Durchzugrisiko natürlich nicht.
Und warum zwei unterschiedliche Klappentypen? Das liegt vor allem daran, dass auf der einen Seite des Stalls ein Fenster verbaut ist (und daneben kein Platz mehr für eine vertikale Klappe) – zudem erinnern die vertikalen Schiebetüren doch etwas an eine Guillotine … Wir haben also für beide Klappentypen nach Türpförtnern geschaut.

In Deutschland wird man bei der Suche als Erstes auf die Klappenpförtner von Axt oder Jost stoßen. Diese beiden Anbieter haben den Markt mehr oder weniger fest im Griff. Bei den Produkten von Axt und Jost handelt es sich um automatische Öffner für vertikale Schiebetüren. Ebenfalls auf den Markt drängt derzeit der Hersteller eines ähnlich konzipierten Hühnerstallpförtners „made in Britain“: ChickenGuard.
Wir wollten sehen, womit das englische Produkt gegenüber den etablierten deutschen punkten kann. ChickenGuard hat uns freundlicherweise sein Modell PREMIUM zur Verfügung gestellt und wir haben es „auf Herz und Nieren“ geprüft …

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Funktionsweise des ChickenGuard

Vereinfacht gesagt besteht der elektronische Hühnerstall-Pförtner von ChickenGuard aus einer kleinen Box mit Display und drei Bedienknöpfen, die eine Steuerungseinheit mit Timer – je nach Modell zusätzlich mit Lichtsensor -, einen Motor und eine Spule mit einer Schnur enthält.

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Die Box wird oberhalb der Hühnerklappe angebracht und das Ende der Schnur mit der Klappe verbunden. Morgens wird die Klappe dann (automatisch und extrem langsam) mit Hilfe der Schnur zum Öffnen nach oben gezogen und abends wieder herab gelassen.

ChickenGuard bietet drei verschiedene Modelle an:

  • STANDARD – gesteuert über Timer, max. Klappengewicht 1 kg, garantierte Funktion bis -10°C, Preis: ca. 147 EUR.
  • PREMIUM – gesteuert über Timer und Lichtsensor, max. Klappengewicht 1 kg, garantierte Funktion bis -10°C, Preis: ca. 165 EUR.
  • EXTREME – gesteuert über Timer und Lichtsensor, max. Klappengewicht 4 kg, garantierte Funktion bis -20°C, Preis: ca. 193 EUR.

 
Außerdem kann man eine passende vertikale Schiebetüre aus Metall mitbestellen.

Wir haben uns für das Modell „Premium“ entschieden, da wir die Kombination aus Timer und Dämmerungssensor für die praxisgerechteste Lösung halten. U.a. aus Wärmeschutzgründen haben wir uns gegen eine Schiebetüre aus Stahlblech entschieden und den ChickenGuard mit einer aus einer 9mm-Schalungsplatte gefertigten Schiebetüre kombiniert.

Installation und Betrieb

Die Inbetriebnahme des ChickenGuard ist kein Hexenwerk – kein Verlöten, kein Verkabeln: Die Steuerungseinheit wird so über der Klappe an die Wand geschraubt, dass die aus dem Gerät kommende Schnur mittig über der Klappe hängt. Dann wird die (voll geöffnete) Klappe mit der Schnur verbunden. Unser Tipp: Es bietet sich an, noch einen Karabinerhaken dazwischen zu setzen, sodass die Klappe bei Bedarf entkoppelt werden.

Da unsere Hühnerklappen Schutz gegen Schlagregen und Windfänge erhalten sollten, haben wir die Schnur, wie im Bild zu sehen, durch eine Abdeckleiste geführt.

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Mittels der drei Bedienknöpfe wird die Steuerungseinheit dann in wenigen Schritten programmiert. Lediglich die Anleitung zur Programmierung der Steuerungseinheit erschien uns etwas verwirrend. Ein Flussdiagramm könnte die Einstellungsoptionen und den -ablauf sicher gut veranschaulichen.

Das maximale Türgewicht wird für das Modell PREMIUM vom Hersteller mit 1,0 kg angegeben (zur Orientierung: eine 9mm-Siebdruckplatte mit 30×40 cm wiegt etwa 850 gr. ), mit Hilfe einer Umlenkrolle lassen sich aber auch Türen bis zu 2,0 kg anhängen.

Über den Timer kann die Uhrzeit zum Öffnen bestimmt werden – wenn z.B. das Krähen des Hahns der Nachbarschaft erst ab 8 Uhr zuzumuten ist – ansonsten wird die Klappe mit der Morgendämmerung geöffnet. Das Schließen der Klappe erfolgt ausschließlich über den Lichtsensor, jedoch kann die Lux-Zahl in einem gewissen Rahmen (d.h. bis runter zu 30 Lux) individuell gewählt werden – je nachdem, ob der Hühnerstall in einer Siedlung mit viel Streulicht steht oder in einem dunklen ländlichen Bereich, kann die Wahl einer höheren oder niedrigeren Lux-Zahl zielführend sein.

Die Weite der Öffnung lässt sich individuell justieren. Von Vorteil ist dies z.B. wenn der ChickenGuard an einem Kükenstall installiert wird und die Öffnung so eingestellt werden kann, dass tatsächlich nur die Küken hindurchkommen.

Im alltäglichen Betrieb können die beiden äußeren Tasten zum außerplanmäßigen Öffnen und Schließen der Klappe (z.B. zur ungestörten Reinigung des Stalls) betätigt werden. Dabei wird die Klappe immer ganz geöffnet oder geschlossen – ein zentimeterweises Öffnen, wenn etwa aufgehäufte Einstreu das völlige Schließen verhindert und man nach dem Schließvorgang am Abend lediglich die Schwelle noch einmal säubern will – ist damit bei der aktuellen Version nicht vorgesehen.

Neben dem automatischen Betriebsmodus ist auch ein manueller Betriebsmodus wählbar, bei dem das Öffnen und/oder Schließen ausschließlich über Tastendruck erfolgt (ansonsten bleibt die Klappe geschlossen bzw. geöffnet). Die Mehrheit der Hühnerhalter wird diese Option vermutlich nicht oder nur selten benötigen, wer jedoch (wie wir) einen Stall mit zwei Klappen (und zwei Pförtnern) benutzt, bei dem an den meisten Tagen nur eine der beiden Klappen geöffnet werden soll (z.B. je nachdem auf welcher Seite des Stalls Zugang zur Weidefläche freigegeben werden soll), der wird diese Abschaltoption sehr begrüßen. Wir haben den ChickenGuard aktuell so programmiert, dass er manuell (also durch Tastendruck) geöffnet wird und sich – falls geöffnet – automatisch bei Einbruch der Nacht (gesteuert über den Lichtsensor) schließt.

Was uns gut gefällt

Abgesehen von der Tatsache, dass das Produkt zuverlässig tut, was es soll, hat uns das Premium-Modell von ChickenGuard durch folgende Punkte überzeugt:

  • Die besonders einfache Installation,
  • die Kombination aus Timer und Dämmerungssensor, die ein späteres Öffnen am Morgen ermöglicht,
  • die individuelle Wahl der Luxstärke für das automatische Öffnen und Schließen,
  • die Wahlmöglichkeit zwischen vollautomatischem und manuellem Betriebsmodus,
  • die Möglichkeit jederzeit mit einem Tastendruck manuell zu öffnen oder zu schließen,
  • die Justierbarkeit der Öffnungsweite der Klappe,
  • das fast lautlose Öffnen und Schließen.

 

Was wir vermissen

  • Bessere Lesbarkeit des Displays bei Sonne,
  • die Möglichkeit den Öffnungs- oder Schließprozess durch Tastendruck zu unterbrechen und ggf. eine Richtungsumkehr einzuleiten,
  • eine vom Hersteller eingeplante (oder empfohlene) Möglichkeit Steuerungseinheit und Klappe zu entkoppeln.

 

Fazit

Der Hühnerklappenpförtner von ChickenGuard eignet sich ausschließlich für vertikale Schiebetüren. Für diesen Einsatzbereich bekommt er von uns Bestnoten. Wir empfehlen die Wahl des von uns getesteten Premium-Modells, da die Kombination aus Dämmerungssensor und Timer nicht zu toppen ist. Wer sich für den Einbau einer vertikalen Schiebetüre in seinen Hühnerstall entscheidet (oder konstruktionsbedingt keine Alternative hat), der wird mit dem PREMIUM-Modell von ChickenGuard als Zusatzausstattung sicher rundum zufrieden sein.

Hinweis: Wir empfehlen, einen elektronischen Türöffner erst dann (unbeaufsichtigt) in Betrieb zu nehmen, wenn die Hühner eine tägliche Routine entwickelt haben und zuverlässig abends alleine in den Stall gehen. Bei Gründung eines neuen Bestandes oder bei Neuzugängen kann das ein paar Tage dauern.

Bildquellen: wilmapolinder/pixabay.com (Bild 1), eigenes Archiv (alle anderen Bilder).