"Augen des Hauses": Die Fenster im Tiny House

Klein, kleiner, Tiny Houses: Wohnen auf engsten Raum kann dann bedrückend sein, wenn es nicht aus freien Stücken geschieht. Bei Tiny Houses wird das allerdings kaum der Fall sein, und: Sie haben den unschlagbaren Vorteil, dass das Dach über dem Kopf trotz sehr begrenzten Budgets das eigene sein kann. Wer sich mit 6,5-15 qm zu begnügen weiß, kann sich mit einem Tiny House ein individuell ausgestattenetes Zuhause schaffen.

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Wie in ein paar früheren Artikeln bereits erwähnt, macht es Sinn, sich auch bei Tiny Houses Gedanken über Diebstahl- und Einbruchsicherheit zu machen. Fenster und Türen sollten bei der Einbruchsicherung die meiste Beachtung finden. Da das jedoch nur einer unter mehreren Aspekten bei der Auswahl der Fenster sein kann, möchten wir heute noch einmal den Fokus auf die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Fenster (und insbesondere der Verglasung) im Tiny House richten:

Auswahlkriterium #1: Wärmeschutz

Nicht nur eine Mehrfachverglasung, auch die Öffnungsrichtung sorgt für Wärmeschutz aufgrund von höherer Winddichtigkeit. Nach außen öffnende Fenster werden bei Sturm fester in den Rahmen gepresst; bei nach innen öffnenden Fenstern kann der Wind leicht mal durch die Ritzen pfeifen. Ein weiterer Vorteil nach außen öffnender Fenster ist die Platzersparnis im Inneren des Tiny Houses: Beim Lüften stehen keine Fensterflügel nach innen und das Fensterbrett braucht vor dem Öffnen des Fensters nicht frei geräumt zu werden.

Nun stellt sich noch die Frage, ob Einfach-, Doppel- oder Dreifachverglasung die passende Wahl ist. Um es vorweg zu nehmen: Je mehr Glasscheiben (mit dämmender Luftschicht dazwischen), desto höher der Dämmwert. Eine Einfachverglasung sollte bei einer beabsichtigten ganzjährigen Nutzung nicht in Frage kommen. Für eine Doppel- im Gegensatz zu einer Dreifachverglasung spricht der Preis – und auch das Gewicht.

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Auswahlkriterium #4: Gewicht

Wer selbst ein Tiny House bauen will und sich in den einschlägigen Foren und Online-Communities herumtreibt, der wird immer wieder auf Erfahrungsberichte von Tiny-House-Bauprojekten stoßen, wo zuerst munter bis enthusiastisch drauf los gebaut wurde und später verschiedene Elemente rückgebaut werden mussten, ganz einfach weil sehr schnell „die magische Grenze“ von 3,5 Tonnen Gesamtgewicht überschritten wurde.
Zu Beginn des Bauprojektes mag man es sich nicht vorstellen, wie schnell dieses Gewicht zusammenkommen kann, wenn man nicht eine möglichst leichte Dämmweise, weniger massive Vierkanthölzer und eben eine Doppel- statt einer Dreifachverglasung wählt. Eine exakte Gewichtskalkulation ist bereits bei der Planung erforderlich und eine ständige Kontrollberechnung während des Baus.

Auswahlkriterium #2: Einbruchsicherheit

Um die Einbruchsicherheit des Tiny Houses schon bei der Bauplanung mit einzubeziehen, sollte wie erwähnt besonders die Wahl der Fenster und der Türe Beachtung finden. Diese stellen die größten Schwachstellen dar. Auch in puncto Einbruchsicherheit sind (bei gleicher Qualität) die nach außen öffnenden Fenster und Türen die besseren. Ansonsten ist natürlich in erster Linie wichtig, dass die Fenster bei Abwesenheit stets verschlossen sind. Schon ein kleiner Schlitz reicht aus, damit ein Fenster kinderleicht und ohne Aufsehen zu erregen aufgehebelt werden kann. Bei Tiny Houses ist das Einbruchrisiko in sofern höher, als alle Fenster und die Türe leicht erreichbar sind. Die Tiny Houses, die augenscheinlich nur als Gästezimmer gedacht sind, werden Einbrechern vielleicht nicht so interessant erscheinen, als solche die nach einem Hauptwohnsitz oder einem Gartenbüro mit entsprechender technischer Ausstattung aussehen. In jedem Fall wäre ein Einbruch ärgerlich.

Neben bruchsicherem Glas wie Drahtornamentglas, Ein- oder Verbundsicherheitsglas bieten auch einseitig oder doppelseitig aufgebrachte Splitterschutzfolie einen gewissen Schutz gegen Einbruch. Zusätzliche Sicherungsmaßnahmen können im Anbringen von abschließbaren Griffen, Zusatzschlössern und Riegeln bestehen. Wie bereits in unserem Zweiteiler „Sicherheit für Tiny Houses“ erwähnt bieten regionale Schlüsseldienste nicht nur ihre Dienste für Tür- und Autoöffnungen an, sondern beraten auch persönlich und online hinsichtlich Einbruchschutz – beispielhaft sei hier die Website https://www.schlüsseldienst-gelsenkirchen.net erwähnt.

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Auswahlkriterium #3: Stoßfestigkeit und Unfallschutz

Neben den Aspekten Wärmeschutz, Gewicht und Einbruchsicherheit ist speziell bei Tiny Houses auf eine erhöhte mechanische Widerstands- und Biegebruchfestigkeit zu achten. Bei der Teilnahme am Straßenverkehr werden die Fensterscheiben durch Erschütterungen bereits starken Belastungen ausgesetzt. Zudem ist es eine Frage des Unfallschutzes, wenn zur Erlangung einer TÜV-Abnahme Einscheibensicherheitsglas (ESG) verbaut sein muss (welches bei einem Bruch zu stumpfkantigen Krümeln zerfällt, statt in scharfe Glasscherben zu zerbersten). Alternativ wird Anforderungen des TÜV aber auch Genüge getan, wenn Fenster während der Fahrt durch geschlossene Fensterläden geschützt werden. Bei einigen Tiny Houses werden Fensterläden aufgrund der modernen Formensprache und den zudem großzügigen Glasflächen allerdings keine Option sein.

Fassen wir zusammen: Folgende Glasarten können für den Einbau in einem Tiny House in Frage kommen …

Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) Verbund-Sicherheitsglas (VSG) Wärmeschutzglas Drahtglas
Eigenschaften Thermisch vorgespanntes Glas, das sich durch eine hohe Schlag- und Stoßfestigkeit auszeichnet. Bei Beschädigung zerbricht es in kleine, stumpfkantige Krümel. VSG besteht aus zwei oder mehreren Scheiben, die mittels elastischer Folie(n) unter Druck und Wärme zu einer Einheit verbunden werden. Bei Bruch bleiben die Scherben an der Folie haften, sodass die Scheibe im Rahmen und die Scheibenoberfläche weitgehend plan bleibt. Wärmeschutzglas besteht aus zwei oder drei Normalglasscheiben, von denen mindestens eine metallbedampft ist, sowie einem isolierenden, mit Luft oder Gas gefüllten Scheibenzwischenraum. Gewalztes Flachglas mit Drahtnetzeinlage. Besitzt bei Bruch Resttragfestigkeit, gilt jedoch nicht als Sicherheitsglas.
Anmerkungen ESG-Gläser sind durch Stempelaufdruck gekennzeichnet. Keine Kennzeichnungspflicht. Nur in Verbindung mit Splitterschutzfolie oder Fensterläden für den Straßenverkehr zulässig. Ohne zusätzlichen Schutz nicht für den Straßenverkehr zulässig.

„Fenster sind die Augen des Hauses“, sagt man, schon deshalb sollte sowohl die Größe und Anordnung der Wanddurchbrüche wie auch der Stil der Fenster (z.B. mit oder ohne Sprossen), das Rahmenmaterial (Holz- oder Kunststoffenster) und die Verglasung mit Bedacht gewählt werden. Bei Tiny Houses muss jedoch zusätzlich besonderer Augenmerk auf das Gewicht des jeweiligen Materials oder Bauteils gelegt werden.

Bildquellen: #tiny100 by Tinyhouse University/Tischlerei Christian Bock (Bild 1), Walden Studio (Bild 2), Porta Palace by Woonpioniers (Bild 3+4),

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