Schnäppchenhäuser und ihr Abwassersystem

abwasserrohre

Ohne Abwassersystem kommt kein stationäres Haus aus. Denn egal ob im Badezimmer oder in der Küche, das verbrauchte Nass muss abgeleitet werden. Welche Strapazen Abwasserrohre täglich aushalten müssen, wird meist erst deutlich, wenn sich die ersten Schäden ankündigen. Schmutzablagerungen, Wurzelwerk, Erosionen und weitere Umwelteinflüsse machen den Leitungen zu schaffen. Besteht ein Verdacht auf einen Defekt von Rohren, sollten Hausbesitzer umgehend reagieren. Schäden, die sich über einen längeren Zeitraum ausweiten können, ziehen oft hohe Kosten nach sich. Dies sollten Sie auch bedenken, wenn Sie ein verlockend günstiges Angebot für den Kauf von Altbestand, also für ein „Schnäppchenhaus“ bekommen.

Auswirkungen von unentdeckten Rohrschäden

wasserrohrbruchNicht nur ein (Frisch-)Wasserrohrbruch kann eine unangenehme Überraschung darstellen: Undichte und anderweitig beschädigte Abwasserleitungen auf privaten Grundstücken müssen in Deutschland von den Eigentümern behoben werden. Das Problem ist, dass viele Hausbesitzer erst von einem Rohrschaden erfahren, wenn es zu spät ist und die Ausgaben für eine Sanierung ungeahnte Summen annehmen. Regelmäßig kommt es zu massiven Gebäudeschäden, weil das Abwasser aufgrund von verstopften Leitungen zurück ins Haus gedrückt wird. Während bei manchen Fällen verstopfte Rohre durch unsachgemäß entsorgte Substanzen verantwortlich sind, haben an anderer Stelle Umwelteinflüsse wie Wurzeln Schuld. Im schlimmsten Fall kommt es zum Rückstau und in Folge dessen werden neben Bausubstanzen, Fußböden, Wände und Mobiliar zerstört.

Gleichzeitig ist das potenzielle Risiko für das Ökosystem zu bedenken. Wird das Abwasser nicht sachgemäß über das Abwassersystem abgeführt, sondern versickert durch Rohrschäden ins Grundwasser, können die Folgen für die Umwelt erheblich sein. Besonders im Falle von unerlaubter Entsorgung von Problemstoffen, wie Medikamente oder Farben. Beim fahrlässigen Verschmutzen von Gewässern können sich Hauseigentümer sogar strafbar machen. Laut Paragraph 324 Strafgesetzbuch sind Geldstrafen und Freiheitsstrafen möglich.

Kontrollieren und Sanieren

Aufgrund drohender Sanktionen und unnötiger Kosten sind Hausbesitzer gut beraten ihre Abwasserrohre regelmäßig überprüfen und im Bedarfsfall schnellstmöglich sanieren zu lassen. Fachkundige Unternehmen greifen zur Überprüfung des Abwassersystems auf ferngesteuerte Kameras zurück. Sie sind in unterschiedlichen Ausführungen im Einsatz. Das Spektrum reicht von modernsten 3D-Ausführungen über Schwenkkopf-Modelle bis hin zu Schiebekameras. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) informiert über technische Gerätschaften der Kieler Firma IBAK, die sich auf Kanalrohr-Inspektionssysteme spezialisiert hat. Im Video lassen sich die Vorteile nachvollziehen:

Bei der Wahl der Unternehmen ist Vorsicht geboten. Nicht alle Anbieter für Rohrarbeiten sind seriös. Um sicherzugehen, sollten sich Eigentümer ausschließlich an zertifizierte Fachbetriebe für Dichtheitsprüfungen und Kamerainspektionen wenden. Wie die „Rohrexperten“ mit Sitz in Schwerin, sind kompetente Abwasser- und Kanaltechniker in jeder Region verfügbar.

Während der Kamerainspektion erkennen Experten unmittelbar, wo Sanierungsbedarf besteht. Eine Analyse mit 360°-Rundumblick inklusive Dokumentationsbericht lässt eine schnelle Beurteilung des Ist-Zustandes zu und erlaubt eine zielführende Vorgehensweise. Anhand der Ergebnisse können mögliche Schäden lokalisiert und notwendige Reinigungs- sowie Sanierungsmaßnahmen entsprechend des Bedarfs ermittelt werden. Aufgrund der Individualität jedes Rohrsystems ist ein Lageplan unverzichtbar, um Ablagerungen und Verstopfungen sachkundig und kostengünstig zu entfernen.

Sind Rohrschäden noch nicht weit fortgeschritten, wie es bei Wurzeleinwuchs, Muffenversatz oder Korrosion der Fall sein kann, ist eine Sanierung oft minimalinvasiv realisierbar, also ohne Grabungsarbeiten beziehungsweise größeren Aufwand. Ein häufig genutztes Verfahren ist dann die sogenannte Inliner-Methode. Dabei wird im defekten Rohr mittels spezieller Technik eine neue Leitung verlegt. Dies geschieht über einen PU-beschichteten Schlauch, der mit einem Harzgemisch getränkt wird. Via Druckluft erfolgt die Einführung in die Leitung. Die Schlauchinnenseite wird umgestülpt und an die Innenseite des Bestandsrohrs gepresst. Beim Aushärten des Schlauches entsteht ein neues Rohr. Diese Sanierungsmethode ist preiswerter im Vergleich zum aufwändigen Rohraustausch.

Alternative Verfahren sind:

  • offene Sanierung
  • 2-Komponenten-Sanierung
  • Lining-Verfahren
  • Roboter-Verfahren

 

Kosten für Rohrsanierung und Reinigung

Was eine Rohrsanierung kostet, lässt sich nicht pauschalisieren. Jedes Grundstück ist individuell und jeder Schaden kann völlig variable Ausmaße annehmen. Mit mehreren hundert Euro sollte mindestens gerechnet werden, da allein die Kamerainspektion rund 300 Euro verschlingen kann. Bei aufwändigen Maßnahmen sind Rechnungen über mehrere Tausend Euro keine Seltenheit. In den fünfstelligen Bereich geht es beispielsweise, wenn Rohre vollständig zu ersetzen sind. Im Schnitt kosten Kanalsanierung bis zu 4.000 Euro. Maximal 250 Euro pro Meter saniertes Rohr dienen als Orientierung für eine realistische Kalkulation. Das Lining-Verfahren, bei dem beschädigte Stellen gezielt mit Glasfaser repariert werden, kann bereits mit 1.000 Euro zu Buche schlagen, eine Rohrreinigung mit über 800 Euro.

Rohrbruch: Meist ein Fall für die Gebäudeversicherung

Wird durch eine Kanalinspektion ein Rohrbruch festgestellt, empfehlen wir die Wohngebäudeversicherung umgehend zu informieren. Sie zahlt in der Regel bei dieser Art von Schaden. Meist nicht versichert, sind Wurzeleinwüchse, defekte Rohrverbindungen oder undichte Stellen. Da die meisten Käufer und Hausbesitzer älterer Gebäude jedoch die (vorsorgliche) Sanierung des Abwassersystems vernachlässigen und sich auf die Modernisierung z.B. des Bades und die Dämmung des Hauses beschränken, müssen Versicherer vermehrt für Schäden aufkommen. Sie reagieren auf diesen Umstand indem sie Prämien erhöhen oder Rabatte für die Versicherung von Neubauten geben.

Bildquellen: admarkt/pixabay.com (Bild 1), music4life/pixabay.com (Bild 2), Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Video), Rohrexperten.de (Bild 3)

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